Zum aaidermliche Uhu

 

10.10.2015

 

Es ist mal wieder Zeit für Mundart.

Heute gehe ich zur Badisch Bühn und schaue mir das Stück “ Zum aaidermliche Uhu “ an, welches zwar schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, mir aber noch gänzlich unbekannt ist.

Na dann will ich doch einmal herausfinden ob es Staub angesetzt hat.

Dies ist nun also die Geschichte von einem lustigen Abend, telepathischen Getränken und Michaela….die noch lernt…

Ich treffe um kurz nach 19 Uhr ein.

Die Vorstellung beginnt zwar wie immer erst um 20:15 Uhr, aber früh dran zu sein ist wichtig, da es ja leckeres Essen gibt und ich während der Vorstellung in Ermangelung dreier Hände, nicht zum Knipsen und essen gleichzeitig komme.

Bereits an der Kasse geht das erste Mal an diesem Abend die Sonne auf.

Natalie Hill hat heute Kassendienst.

Ich habe sie bereits in dem Stück “ Em Karle sei Dande “ Ende Mai gesehen (Bericht dazu auch hier auf dieser Website) und ich werde sie bei dem nächsten Stück, das ich besuche “ Jedds griegsch Dei Fedd weg “ wiedersehen. Ich freu mich schon.

An Tisch Nummer zwei ist noch ein Platz frei. Das ist nicht nur gut weil es sich reimt, sondern auch, weil es so nah an der Bühne ist.

Nun sitze ich also hier und ein Gedanke geht mir durch den Kopf: Hunger.

Ich studiere also die Karte und beschließe das handgeklopfte Schnitzel von letzten Mal einer Beständigkeitskontrolle zu unterziehen.

War es Zufall, dass es so gut war, oder ist das hier Standart ?

In diesem Moment sitzt Günter Wallraff zu Hause, liest diese Zeilen und weint heimlich vor Stolz.

Ja – am mir ist ein investigativer Journalist verloren gegangen. Zumindest wenn es um handgeklopfte Schnitzel geht.

Was trinke ich denn dazu ? Mal nachdenken.

Ich habs – eine Cola.

Plötzlich ruft es hinter mir: “ Für wen war die Cola ?“

Moment mal…ich hab doch nur gedacht dass ich eine Cola will….oder nicht ?

Darum sind die hier also so schnell. Die können Gedanken lesen. Oh nein und ich habe vorhin an….

Puh…die Cola war doch nicht für mich. Na da habe ich ja gerade noch einmal Glück gehabt.

 

Nun geht es also ans bestellen.

Gerade öffne ich meinen Mund um Jeanette überschwänglich zu begrüßen, als ich sehe dass Jeanette jetzt Michaela heißt und jünger geworden ist.

Sie trägt ihre Haare am Hinterkopf zu einem Dutt zusammengesteckt. Klar – ein Dutt vorne sähe auch albern aus.

Sie trägt ein Schild. Auf dem steht: “ Michaela….ich lerne noch..“

Heute geht die Sonne also zweimal auf.

Ich bestelle eine handgeklopfte Bedi….ähm…Schnitzel, einen Salat und eine Cola.

Nach gefühlten 5 Minuten kommt das Schnitzel.

Wow, also dass ist wirklich schnell.

Ich nehme an die haben schon im Laufen angefangen die Sau zu verprügeln und zu panieren.

Als sie mir mein Schnitzel kredenzt, erkenne ich: Michaela wieder deutlich älter geworden, heißt aber immer noch nicht Jeanette.

Ja ja, machet me no he.

Egal, Das Schnitzel schmeckt erstaunlicherweise genau so gut wie beim letzten Mal. Nur mit der Rahmsauce, welche sie unter den Pommes versteckt haben, haben sie etwas gegeizt.

Der Salat ist ebenfalls lecker und die Birne Helene, welche ich mir in der Pause bestellen, dann aber nicht dazu kommen werde sie zu essen bevor das Eis halb geschmolzen ist, da ich so viel knipsen muss und noch immer keine drei Arme habe, schmeckt wunderbar.

Satt und zufrieden warte ich darauf, dass Herr Munz hinter dem Vorhang hervortritt und sein Sprüchlein sagt.

Der Vorhang vorhangt zur Seite und meinem Auge wird gewahr, dass Herr Munz nicht Herr Munz sondern Herr Hörner ist.

Ja ist denn heute alles durcheinander ?, frage ich mich und weine leise auf meinen Teller, was immerhin zur Folge hat, dass die Rahmsauce an Masse zunimmt.

Nachdem Herr Hörner die Ansage gemacht hat, dauert es noch 2 Minuten und der Vorhang hebt sich. Na ja, eigentlich gleitet er zur Seite, aber man sagt eben “ Er hebt sich “

 

Zunächst möchte ich einmal den Flyertext zu diesem Bühnenstück zitieren:

“ Seit Bürgermeister Wilfried Sandreiter den Bau der neuen Umgehungsstraße durchgesetzt hat, bleibt im Gasthaus “ Zum aaidermliche Uhu“ die Kundschaft aus.

Das Lokal steht kurz vor dem Bannkrott.

Zur Wiederbelebung seines Geschäftes lässt sich der schlitzohrige Wirt, Traugott Töpfle, etwas einfallen, was fast das ganze Dorf auf die Palme bringt: 

Ein Nachhar soll ihn sanieren.

Gemeinsam mit der einschlägig erfahrenen Geschäftsführerin Frau Heidenreich, bringt Töpfle die Sache ins Rollen. 

Bürgermeister und Gemeinderat kochen. „

 

Wie immer, spielt das Stück in einer festen Kulisse, die zwischen den einzelnen Akten in Nuancen verändert wird.

Über den Inhalt des Stückes will ich gar nicht so viel verraten.Schließlich sollen sie ja selbst hingehen und es sich ansehen.

Aber ich habe wieder viele Fotos mitgebracht um die Lust auf dieses Stück in Ihnen zu wecken.

Nach den Bildern gibt es mein Fazit vom Stück.

Die Kommentare unter den Bildern sind nicht so ernst zu nehmen. Ich habe einfach geschrieben, was mir zu den Bildern  einfällt.

Wer wissen möchte was tatsächlich passiert, muss zur Badisch Bühn gehen und seine Lauschlappen selbst aufstellen.

Mein Fazit:

 

Schön wars.

Ein leichter und angenehmer Schwank, der für mich jedoch nicht die Intensität der Tulwezwiwwle hatte.

Trotzdem sehenswert.

Ein Stück zum zurücklehnen und lachen.

Bei diesem Stück hat mich vor allem ein Mann fasziniert. Andreas Stark.

Als trotteligen Postbosten und Einfaltspinsel Paule, zeigte er ein erstaunliches Repertoire an Gesichtsausdrücken.

Für mich ist er der badische Hannes (Hannes und der Bürgermeister-Mäulesmühle) und muss sich nicht hinter Albin Braig verstecken.

Jürgen Hörner, war als Wirt absolut glaubwürdig und hat ebenfalls toll gespielt. Man sieht immer wieder den Schelm aufblitzen, der dieses Stück geschrieben hat.

Oliver Meergraf musste als Rudi in verschiedene Kostüme schlüpfen und machte sowohl als Krankenschwester, als auch als Ami eine gute Figur. Er erschien mir manchmal nur ein klein wenig laut. Seine bis jetzt beste Rolle, die ich gesehen habe, ist aber noch immer die des „Theaterheini“ in „Tulwezwiwwle gewe Schnupfe“, welches im Dezember wieder ausgeführt wird. (Ein Bericht dazu gibt es ebenfalls hier auf der Website)

Franziska von Zedtwitz schwankte als Almut Töpfle immer zwischen Furie und Sirene. Mal schreit sie ihren Vater an, dann fällt sie Rudi um den Hals und erdrückt ihn fast. Man kommt nicht umher zu denken: „Der arme Rudi“.  In dieser Beziehung hat eindeutig Almut die Hosen an. Für mich ein kraftvolles Spiel, dass immer an der Grenze zum Overacting steht, diese aber nie überschreitet.

Stefanie Reiter bestach in diesem Schwank durch einen Mangel an Kleidung, der die Frage aufwirft, ob die Schauspieler, manchmal ihre Bühnenoutfits mit nach Hause nehmen und daheim “ proben „. Wenn sie da in ihren Strapsen steht den Lolli in der Hand hält und ein ums andere Mal ihre geistige Schlichtheit zeigt, weiß man nie ob man sie beschützen oder knattern soll.  Sehr gut gemacht.

Gabi Heckenhauer als Puffmutter, Herbert Setz als Erbsenzähler, Dieter Klotz als Bürgermeister und Wolfgang Güse als Pfarrer lieferten ebenfalls eine gewohnt souveräne Leistung ab. Wolfgang Güse habe ich zum ersten Mal auf der Bühne gesehen, aber die Rolle als Moralapostel mit hochrotem Kopf füllt er sehr gut aus.

 

Auf der Website der Badisch Bühn, wie immer aktuelle Termine etc. : http://www.badisch-buehn.de/