Badisch Bühn – Tulwezwiwwle gewe Schnupfe

 

18.07.2015

Heute besuche ich wieder einmal die badisch Bühn.

Der Biergarten ist gut gefüllt, als ich ankomme und auch im Saal, befinden sich schon einige Menschen und essen sich quer durch die Speisekarte.

 

Die 4 Klimaanlagen sorgen im Saal, für ein angenehmes Raumklima.

 

Als ich mir ein handgeklopftes, paniertes Schnitzel bestelle, ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen, begegne ich zum ersten Mal der Bedienung Jeanette.

Als sie mir dazu rät, zusätzlich noch einen kleinen Salat zu bestellen, wegen des Basenhaushaltes, ist es um mich geschehen.

Ich gebe mich der Illusion hin, dass es ihr darum geht, dass ich kein “ Aua-Bauchi“ bekomme und nicht um die zusätzlichen 2 Euro.

Dabei legt sie eine so charmante, sympathische und witzige Art an den Tag, dass ich mich direkt nach Hoheitszeichen an ihren Fingern umsehe. Nichts.

Allerdings hat sie Ringe im Ohr. Sehr viele Ringe.

Es handelt sich hierbei also entweder um Mode, oder um Bigamie.

Sie wird den ganzen Abend immer mal wieder an meinen Tisch kommen und fragen: “ Ist bei ihnen alles ok ? “

Jeanette – ja, da steckt das Wort “ Nett “ bereits im Namen.

Aber wir sind beide beruflich unterwegs. Zwei Königskinder, die zusammen nicht kommen können.

Gerne wäre ich ein Teller und würde mich von ihr in die Küche tragen lassen.

Ich muss wirklich dringend Visitenkärtchen machen lassen.

Als ich mir später noch ein Eis bestelle, beugt sie sich zu mir hinunter und versucht mir bei der Entscheidung, welche 3 Sorten ich nehme zu helfen.

Ich muss zeigen, wer in unserer flüchtigen Beziehung die Hosen anhat und wiedersetze mich ihrer lockenden Stimme, welche mir zu einem Walnusseis rät und bestellt keck Heidelbeere, Mango und  Joghurt-Zirtone. HA.

HA – denkt wohl auch Sie sich, denn eine andere Bedienung bringt mir das Eis.

Sind wir schon so weit ? Wenn ich nicht esse, was sie will, werde ich nicht mehr bedient ?

So fühlen sich also Ehemänner, die auf der Couch schlafen müssen ?

Sie scheint aber nicht nachtragend zu sein und erscheint etwas später wieder an meinem Tisch.

Die Bedienungen sind  allesamt sehr nett, stets um die Gäste bemüht und präsent aber unaufdringlich.

Eine von ihnen fragt mich sogar, ob es mich stören würde, wenn sie die Nebentische abräumt.

Ich fühle mich zu jeder Zeit sehr gut aufgehoben. Daher volle Punktzahl für die Bewirtung. Da gehe ich gerne wieder hin.

Auch das Essen ist sehr gut.

Das Schnitzel hat wenn es hochkommt 2% Fett und ist vorzüglich geklopft.

Nicht zu viel und nicht zu wenig Panade.

Es gibt ja Restaurants, die ihr Fleisch in Panade ertränken. Dem ist hier nicht so.

Die Pommes sind ebenfalls gut, so dass man sich auch noch im kalten Zustand nebenher essen kann.

Ich habe wie gesagt den ganzen Tag noch nichts gegessen und habe trotzdem mit der Portion zu kämpfen.

Von daher – Preis Leistungsverhältnis absolut ok.

Geschmack top.

Der Salat ist ebenfalls abwechslungsreich, wobei er ein klein wenig mehr Dressing hätte vertragen können.

Das Eis ist sehr gut und hat keine Nachwirkungen.

Ich kann die Qualität von Eis sehr gut bestimmen, da mir minderwertiges Eis auf den Magen schlägt.

Von diesem Eis habe ich aber nie wieder etwas gespürt. Von daher – sehr gut.

Also essen sie ruhig etwas, wenn sie bei der badisch Bühn zu Gast sind.

 

Kommen wir nun aber zum Stück selbst.

Tulwezwiwwle gewe Schnupfe – Tulpenzwiebeln geben Schnupfen.

Worum geht es ?

Die Kurzfassung:

Frau, Tochter, Spülen, Essen, dicke Frau, Mann, noch ein Mann, Eimer, nass, schimpf, Tochter weg, jammer jammer, Zwiebeln, unlecker, motz motz, Theatermann geschminkt, wunder wunder, Kreuzschmerzen, buckel buckel, Gärtner, bla bla, Mann im Kleid, Tochter da, juhu juhu, Mann mit Perücke, schreck schreck, lach lach, große Umarmung.

 

Die Langfassung:

Um 20:15 betritt Thomas Munz die Bühne.

Genauer gesagt steht er auf der Bühne vor dem roten Vorhang, der noch geschlossen ist.

Es werden unter anderem der Kegelklub Sahnehäubchen aus Wiesloch und ein Garten und Landschaftsbau Verein begrüßt.

Das kommende Stück “ Tulwezwiwwle gewe Schnupfe “ ist bereits vor 25 Jahren anlässlich des Stadtfestes geschrieben worden und wird nun neu inszeniert.

Es spielt vor 300 Jahren und ein relativ derber Ton wird angekündigt.

So war das früher nun einmal.

3 Akte. Zwischen Akt 1 und 2 einfach sitzen bleiben, außer es ist jemandem schlecht, zwischen Akt 2 und 3 ist dann eine längere Pause.

Der Vorhang hebt sich und wir sehen Mutter und Tochter beim Kartoffeln schälen.

Was direkt auffällt, ist das hervorragende Bühnenbild.

Viel liebe zum Detail.

Bei dem Feuer, kann ich nicht einmal erkennen, ob es echtes Feuer, oder ein künstliches ist.

Ich vermute aber aus Sicherheitstechnischen Gründen, dass es eher künstlich ist.

 

Das ganze Stück über, versuche ich die verschiedenen Beziehungen und Namen heraus zu finden.

Fassen wir einmal zusammen, was ich bisher weiß.

Die Mutter ist Frau Dachtler.

Ihre Tochter heißt Lotti.

Lotti hat einen Freund – Sebastian

Sebastian hat eine Mutter – Frau Hecht

Frau Hecht, sehen wir das erste Mal, als Frau Dachtler gerade dabei ist ihrer Tochter Lotti zu erzählen, wie sie damals ihren Vater kennen lernte.

Frau Hecht ist Single, übergewichtig und eine alte Schnorrerin.

Ihren Mann Fürchtegott, hat sie überlebt und versucht nun ihre Reize beim Ehemann von Frau Dachtler auszuspielen.

Nachdem Lotti mit einem Korn voller Essen für Sebastian verschwunden ist, kommt eben dieser Ehemann vom Hunger gepeinigt nach Hause und verlangt nach Essen.

Das kommt Frau Hecht gerade recht und sie begehrt eine Runde mit.

Zusammen mit Herrn Dachtler, ist auch der Knecht Truttbert eingetroffen.

Das Essen schmeckt heute irgendwie komisch.

Als dann auch noch Tochter Lotti, erzählt, dass dem Markgrafen Karl Wilhelm eine Kiste mit Tuplenzwiebeln gestohlen wurde, geht dem Hausherrn ein Licht auf und er wähnt sich bereits mit einem Fuß am Galgen.
“ Mir hänget uns uff Frau – du zuerst.“

Als sich herausstellt, dass der Markgraf Lotti als Tulpenmädchen haben möchte, wittert der Vater die Chance dem Galgen doch noch zu entkommen.

Leider ist Lotti von dieser Aussicht nicht gerade begeistert, da sie bereits Sebastian die Ehe versprochen hat und flüchtet.

Ein Gesandter des Markgrafen kommt um Lotti zu holen.

Da diese aber läufig ist….also fort-läufig, versuchen die Eheleute Dachtler den “ Theaterheini “ hinzuhalten.

Ende Akt 1

Da mir nicht schlecht ist, bleibe ich sitzen und erwarte in der Dunkelheit den 2. Akt.
Dieser beginnt nach kurzer Zeit.

Frau Dachtler sitzt zusammen mit Frau Hecht am Tisch und macht den Abwasch.
Sie unterhalten sich über komische Geräusche in der Nacht


Da kommt plötzlich Truttbert und erzählt etwas von Geistern.
Dies verängstigt Frau Hecht so sehr, dass sie sich nicht einmal mehr traut ihren Sohn und Herrn Dachtler ins Haus zu lassen, als sie kurzzeitig alleine Zu Haus ist.


Erst nach zahlreichen Tests und der Drohung die Tür einzutreten, wird den beiden durchgefrorenen Männern Einlass gewährt.
Sie waren auf der Suche nach Lotti unterwegs.


Da die Zeit drängt und niemand weiß wo Lotti steckt, wird beschlossen den Theaterheini zu täuschen und Sebastian als Lotti zu verkleiden.
Mit Müh und Not, gelingt es den Eheleuten Dachtler noch einmal ein wenig Zeit zu schinden.

Was macht der Gärtner des Markgrafen bei den Dachtlers ?
Wird es Sebastian schaffen, den Theaterheini zu täuschen ?
Verursachen Tulpenzwiebeln wirklich Schnupfen ?
Taucht Lotti wieder auf ?
Und wieso wird Herr Dachtler zum großen Umarmer ?

Die Antworten auf diese Fragen bekommen Sie, wenn Sie die Badisch Bühn besuchen und sich das Stück “ Tulwezwiwwle gewe Schnupfe “ ansehen.

Diesen Samstag den 25.07. das letzte Mal vor der Sommerpause.
Dann wieder ab dem 12. September bis zum 26. September
Und noch einmal vom 02.12.15 bis zum 02.01.16

Hier nun noch ein paar Bilder vom 18.07.2015 damit sie einen Vorgeschmack bekommen:

Mein Fazit:

Ein sehr schönes Theaterstück mit einer hervorragenden Schauspielerischen Leistung.
Besonders hervorheben möchte ich hierbei 4 Personen.

Thomas Munz, der den Herrn Dachtler gespielt hat war voll und ganz in seinem Element.
Schimpfen, bruddeln, fluchen, poltern, toben.
Keiner spielt den Wüterich so intensiv und packend wie er.

Monika Kerpe in der Rolle der Frau Dachtler.
Die stoische Ehefrau, welche die unwegsamen Begebenheiten des Lebens eben hinnimmt und diese nur ab und zu mit einem Augenrollen quittiert.
Zu jeder Zeit überzeugend.

Sonja Umbach als Frau Hecht, die Mutter von Sebastian.
Dieses völlige Unverständnis darüber, dass man sich nicht einfach selbst zum Essen einlädt und den Egoismus, welcher gekonnt hinter „Ich meins doch nur gut“ versteckt wird, spielt sie wirklich hervorragend. Man weiß nie, ob ihre Figur ein wenig zurückgeblieben oder einfach nur berechnend ist.

Oliver Meergraf als der Theaterheini
Ein starkes und kraftvolles Spiel in Kostüm und Maske.
Dieser Mann lebt seine Rolle und wirkt zu jeder Zeit absolut überzeugend.
Ich war von ersten Moment an gefesselt von dieser Rolle.

Natürlich waren auch die anderen Schauspieler sehr gut, aber diese 4 waren für mich an diesem Abend herausragend.

Dieter Klotz als Gärtner und Markgraf, wirke sehr warmherzig und sympatisch
Henk Emmelmann, standen Kleid und Haube wunderbar.
Susanne Reisinger überzeugte als süße Tochter
Und Herbert Setz, als trotteliger Knecht war alleine schon vom Alter eine Überraschung. Wenn man “ Knecht “ hört, erwartet man eigentlich einen jungen Mann.

Insgesamt, sind die Rollen sehr gut und passend besetzt worden.

Zusammen mit dem wirklich hervorragenden Essen, habe ich mich an diesem Abend wunderbar unterhalten gefühlt und kann daher Essen und Theaterstück ohne Probleme weiterempfehlen.

Besuchen sie auch die Website von der Badisch Bühn:
http://www.badisch-buehn.de/
dort können sie sich immer darüber informieren, was gerade gespielt wird.

Spieltage sind normalerweise Freitag und Samstag, die Bewirtung beginnt um 18 Uhr und das jeweilige Stück um 20:15 Uhr.