Torsten Sträter

Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben

 

27.06.2015

 

Es ist Samstag, 19:00 Uhr.

Ich betrete in Nagold die alte Seminarturnhalle, die so langsam mehr und mehr zu meiner zweiten Heimat wird.

Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, was mich an diesem Abend erwarten wird.

 

Geplant ist ein Interview mit Torsten Sträter, nach seinem Auftritt.

Der Saal ist mit Bistrobestuhlung ausgestattet und sehr gut gefüllt, wie man anhand dieser Bilder gut sehen kann.

Ich sitze da, wo ich jetzt stehe, wenn ich nicht stehe, sondern sitze. ( Gott – bis ich diesen Satz soweit hatte, dass er Sinn ergibt…)

Torsten trifft gegen 19:45 Uhr ein.

Wären wir bei der Fernsehserie 24, würde sich nun der Bildschirm teilen und neben dem Bild von Torstens Ankunft, sich ein zweites Bild ins Bild schieben, von der Ankunft meiner Butterbrezel an meinem Tisch, da dies exakt zur gleichen Zeit passiert.

Dass diese Butterbrezel, bis zum nächsten Tage, meine einzige Mahlzeit bleiben sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen.

Sie merken – es wird dramatisch werden. Eine Geschichte voller Wendungen.

 

Zunächst einmal geht es aber harmlos weiter und ich sitze an meinem Tisch, ohne Böses zu ahnen.

Neben mir hat sich Petra Binder von “ Dui do on de Sell “ nebst Gatten eingefunden.

Später am Abend, werden sich noch weitere Ladys an den Tisch verirren.

Die sehr nette Dame vom Schwarzwälder Boten ist natürlich auch wieder dabei.

Während der Vorstellung werfen wir uns verliebte Blicke zu, müssen unsere Liebe aber geheimhalten, da beim Schwarzwälder Boten, Frauen, die mit einem Badener liiert sind, noch auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden….

( Nein – ich mache natürlich nur Spaß. Nicht dass die nette Frau mit einem eventuellen Partner am Ende noch Probleme bekommt. )

 

Nun fängt die Vorstellung an.

Naja, genauer gesagt, der kurze Soundcheck, den er live macht, da ihn die alten Knochen nicht rechtzeitig in die Halle getragen haben um dies davor zu erledigen und er außerdem lieber an den Menschen im Zug gerochen hat.

Er entschuldigt sich, dass der eigentliche Termin im Mai ausgefallen ist, da er Mumms und Majoran hatte.

Nun ja – manchmal muss es eben Mumms sein.

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Es folgen Spitzen gegen die Stadt.

Nagold liegt am Arsch der Welt und er hat sein erstes Einhorn hier gesehen.

Die Mütze trägt er gegen das Schwitzen und er freut sich, dass der komplette Ort da ist.

Wenn man sich nicht gut fühlt und merkt dass es zu Ende geht, zieht man nach Nagold.

 

Später wird er sich wundern, dass er das Publikum nicht so recht auf seine Seite bekommt. Wieso nur ? *lach*

 

Auf Nachfragen stellt sich heraus, dass an diesem Abend, ganze 5 Leute aus Nagold kommen.

Eine Frau ist aus Dortmund angereist – allerdings bereits vor 25 Jahren.

Das nenne ich mal eine langfristige Planung.

 

Interaktion und rumblödeln mit dem Publikum – check

 

Torsten beginnt von Frank Walter Steinmeier zu erzählen, als er plötzlich innehält und sich an eine Frau im Publikum wendet:

“ Stricken sie etwa, während ich hier erzähle ?!“

Sie: “ Nein ich häkle ! Wenn das Licht so schön an ist, fühle ich mich immer wie daheim vor dem Fernseher und da häkle ich nun einmal.“

Das Licht erlischt und konzentriert sich wieder auf die Bühne.

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An diesem Abend, wird die häkelnde Frau noch öfters ins Programm eingebaut werden.

Ja – das ist Schwaben.

Hier gibt es keine Freizeit. Hier wird immer gearbeitet !

 

In der Geschichte mit Frank Walter Steinmeier, geht es um Vietnam, und die Herren Nuhr, Rebers, Sträter und Appelt.

Die Mode kommt natürlich auch nicht zu kurz.

Heute sind Camp David Hemden an der Reihe.

Danach folgen Medis gegen Flugangst,

Snickers in der Schweiz,

entsetzte Schweine in der Leberwurst,

Lebensmittelpornographie,

Omas in denen Mütter stecken,

Gute Geschichten zum häckeln,

und natürlich wie immer, mit der Maus und dem Elefanten…..

Sorry, beim aufzählen, hatte ich plötzlich die Melodie der Sendung mit der Maus im Kopf.

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Vor der Pause gibt Torsten noch eine Zugabe der besonderen Art. Er niest und und dabei O-Ton “ rotzt “ er sich die Hände voll und bittet um ein Taschentuch.

Schwäbisch charmant, wird eine Packung Tempo auf die Bühne, vor seine Füße geworfen.

Für nach der Pause, kündigt er an ein wenig individueller zu werden.

Das Publikum darf Zettel auf die Bühne legen, die er vorlesen wird. Wenn jemand möchte, würde er auch in die Rolle einer Partnervermittlung schlüpfen.

 

Als ich in der Pause beschließe ein wenig frische Luft zu schnappen, sehe ich, wie sich eine Menschentraube in der Raucherecke um Torsten Sträter gebildet hat und gebannt an seinen Lippen hängt, die an einer Zigarette ziehen.

Der Veranstalter winkt mich her und ich stelle mich Torsten als der Mensch vor, welcher nach der Vorstellung noch ein Interview mit ihm haben wird.

Torsten sieht mich an, wir schütteln uns die Hände und er meint: “ Das könnten wir auch gleich direkt auf der Bühne machen.Ich hol dich auf die Bühne und du stellst mir 3 Fragen. Lass uns das ins Programm einbauen.“

Nachdem ich mein Herz aus der Hosentasche gefischt habe, stimme ich zu und gehe wie betäubt zurück zu meinem Sitzplatz.

Ich werde gleich auf der Bühne stehen…..vor hunderten von Menschen…

Vielleicht ist es sinnvoll, dass ich nur rund 10 Minuten habe, mich auf diese Situation vorzubereiten. So hat mein Gehirn nicht genug Zeit sich von dem Schock zu erholen und meinem Körper zu befehlen den Herzinfarkt einzuläuten.

Eilig nehme ich meinen Notizzettel zur Hand und suche 3 Fragen heraus. Mist – da steht ja fast nur ernstes drauf !

Hätte ich gewusst, dass ich auf die Bühne soll, hätte ich ein paar witzige Fragen vorbereitet um das Volk zu unterhalten.

Nun steht die Frage auf meinem Zettel, wann er sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst geworden ist…..

Ein Brüller für die Bühne…der Saal wird toben…

 

Ich überlege kurz, ob mir die nette Häkellady wohl einen Strick häkeln würde.

 

Der zweite Teil beginnt und nach quälenden 10 Minuten, kündigt er mich an und ich betrete mit meiner Kamera die Bühne.

So fühlt sich also Lampenfieber an….

Ich werde Tage brauchen um das in meinem Hirn zu verarbeiten.

Aber beim Publikum, kommt es gut an und nach ein paar Minuten, fühle ich mich nicht mehr ganz so verloren.

Mist – ich glaube ich könnte mich sogar daran gewöhnen.

Um Hemmungen abzubauen ist es in jedem Fall eine Rosskur.

 

Hier können sie nun das komplette Interview sehen. Sowohl den Teil auf der Bühne, als auch den Teil danach in seiner Umkleide:


Als ich von der Bühne gestiegen bin, kann ich noch nicht einordnen, wie es angekommen ist.

Ich blicke herum und die Zuschauer lächeln mich an.

Die Leute an meinem Tisch fanden es toll und nach der Vorstellung kommt eine Frau zu mir, schüttelt mir die Hand und sagt, dass sie es großartig fand.

Fürs erste Mal auf der Bühne gar nicht so schlecht, denke ich mir und grinse in mich hinein.

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Torsten macht auf der Bühne weiter mit den Zetteln, welche die Zuschauer in der Pause ausgefüllt und mit Themenvorschlägen auf die Bühne gelegt haben.

Whats App, die Apotheken Umschau und Sex, sollen thematisiert werden.

“ Sex hängt von Zettelschreiber ab.“, sagt Torsten und schüttelt mit dem Kopf, als ersichtlich wird, dass es sich um einen männlichen Schreiber handelt.

Zu Whats App, meint er: “ Damit kann man sich verabreden. Komm wir gehen in den Wald und zünden eine Kuh an. “

 

Auch seinen Gesundheitsauftrag vergisst Er nicht und erklärt den Zuschauern wie wichtig eine Darmspiegelung ist, und was dabei  genau passiert.

Zum Glück bin ich von meiner Bühnenpremiere noch so betäubt, dass dieses Thema den Weg in mein Gehirn vergeblich sucht.

 

Danach stellt er den Buchhändler vor, welcher an diesem Abend seine Bücher in der Halle verkauft.

Lokale Buchhandlungen müssen gefördert werden, da durch die Buchpreisbindung, ja sowieso jedes Buch, überall das gleiche kostet.

Mit diesem Thema, rennt er bei mir offene Türen ein.

Ich bestelle meine Bücher auch immer bei lokalen Buchhandlungen.

 

Als die Reporterin des Schwarzwälder Boten aufs Klo geht, zeigt sich einmal mehr das Improvisationstalent von Torsten Sträter.

Er unterbricht das Programm, kündigt an zu warten bis sie wieder da ist, und erzählt als Lückenfüller eine Geschichte von Schweizer Autobahntoiletten.

Nachdem die Dame wieder anwesend ist, geht es weiter mit Blutabnehmen, Frauen mit 3 Köpfen, Morgens 7 Uhr vor dem Fernseher und Kindheitserinnerungen.

Wir erfahren, dass Tri Top nicht ins Grundwasser gelangen darf und etwas über ein Getränk seiner Kindheit. Löslichen Zitronentee.

Mir schaudert.

Auch ich kenne diesen Tee.

IMG_5908Kleine beigefarbene, ovale Körnchen, die an Katzenstreu erinnern und nach dem Auflösen in Wasser, diesem eine dreckige Farbe geben.

Mich erinnert diese Farbe immer an das Wasser in einem Sandkasten, wenn man früher eine Sandburg mit Wassergraben gebaut hat.

Diese Farbe, welche das Wasser annimmt, wenn es sich langsam mit dem Sand vermischt und oben eine leichte, weiss-gelbliche Schaumkrone bildet.

Bin ich wirklich schon so alt ?

Scheint so, denn auch an die Spielzeugwerbung von früher, von der er gerade erzählt, erinnere ich mich lebhaft.

MB präsentiert….

Heutige Werbung: “ Das ist Robofisch . wirf ihn ins Wasser und er wird nass…“

In diesem Moment würde ich Jochen Malmsheimer widersprechen, wenn er meint, dass früher nicht alles besser, sondern einfach früher war.

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Torsten kündigt an, nach der letzten Geschichte von der Bühne zu steigen, durch die Reihen zu gehen und alle Leute anzufassen.

“ Wer das nicht will – 5 Euro.“

Er hat sich in Nagold sehr wohl gefühlt.

“ Der Ruhrgebietsprolet und die feinen Herren vom Lande “

 

Die letzte Geschichte dreht sich um die richtige Verwendung weißer Substanzen, Klassenpflegschaft und Schnee der auf Sträter fällt.

 

Torsten Sträter verlässt die Bühne.

Aber er hat nicht mit dem Nagolder Publikum gerechnet.

Dieses klatscht so lange, bis er die Bühne wieder betritt und eine Zugabe gibt.

Merke – ein Schwabe quetscht aus einer Vorstellung auch noch die letzte Minute heraus. Selbst wenn es nicht lustig sein sollte. Schließlich hat´s Geld koscht !

Julia Engelmann, eine Poetryslammerin ist das Thema der Zugabe. Und der Sinn des Lebens.

 

Danach ist aber nun wirklich Schluss. Immerhin ist es inzwischen 23 Uhr geworden.

Da kann nun wirklich keiner meckern.

 

Nach der Vorstellung, können die Zuschauer, wie erwähnt noch die Bücher von Torsten Sträter beim Buchhändler in der Halle kaufen, welche er danach im Foyer noch geduldig signiert. Also Torsten Sträter – nicht der Buchhändler.

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Hiernach, wird erst einmal gegessen.

Das besondere an der Seminarturnhalle in Nagold ist unter anderem, dass am Ende eines Abends, wenn auch der letzte Zuschauer gegangen ist, sich die Belegschaft noch mit dem Künstler zusammensetzt, gemütlich isst und sich unterhält.

Leider hat nicht jeder Künstler die Zeit – nur die sehr Coolen *zwinker*

Torsten Sträter ist natürlich einer der Coolen und so sitzen wir an der langen Tafel und unterhalten uns, während er sein blutiges Steak isst.

Wie so oft, wenn es gemütlich ist, vergisst man die Zeit, und so ist es 1 Uhr, als wir den zweiten Teil des Interviews in Angriff nehmen.

Aufgrund der vorgerückten Stunde und der, im Gegensatz dazu, schwindenden Fitness, einigen wir uns darauf, die ernsten Fragen bei unserem nächsten Treffen, dann in Karlsruhe, zu besprechen.

Um 1:30 Uhr, trennen sich unsere Wege.

Wer wissen möchte, wie der Abend danach für mich noch weiterging, kann dies am Ende, nach meinem Fazit des Abends lesen.

 

Mein Fazit:

 

Torsten Sträter ist ein freundlicher, warmherziger und herzlicher Mensch.

Er hat einen ganz besonderen Sinn für Humor und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Alleine schon sein Umgang mit dem Publikum war große Klasse.

Jeder Zwischenruf wurde in die Show mit eingebaut.

Man hat es ab und an bei Künstlern, dass sie strikt ihr Programm durchziehen und Zwischenrufe entweder konsequent ignorieren, oder sich aber durch sie verunsichern lassen.

Manche können dies gut kaschieren, andere weniger.

Ich finde es toll, wenn ein Künstler so flexibel und schlagfertig ist, dass er sein Programm spontan anpassen kann.

Dies führt dann unter anderem auch dazu, dass jeder Liveauftritt, etwas ganz besonderes ist, wodurch es sich doppelt lohnt hinzugehen.

Bei Torsten Sträter ist dies der Fall. Diesen Abend, wird nur erleben können, wer dort war.

Es ist nicht möglich, ihn z.b. auf DVD oder im Fernsehen nachzuerleben.

 

Aber Torsten Sträter hat noch viel mehr zu bieten.

Hinter dem Spaßmacher auf der Bühne, verbirgt sich ein nachdenklicher und tiefsinniger Mensch,

Darum freue ich mich auch so auf unser erneutes Zusammentreffen im Herbst.

Denn es ist genau das was mich interessiert – der Mensch hinter der Bühnenfigur.

 

Ich gehe sehr gerne in die alte Seminarturnhalle in Nagold.

Alleine schon wegen der Menschen, die dort ehrenamtlich arbeiten um den Menschen der Region, Kultur und Unterhaltung zu ermöglichen.

Und wenn ich dann noch auf solche Künstler treffe, dann hat sich der Abend gleich doppelt gelohnt.

Ich kann daher jedem empfehlen, sowohl die alte Seminarturnhalle zu besuchen, als auch eine Vorstellung von Torsten Sträter.

 

Hier findet ihr die Website von Torsten Sträter: http://www.torsten-straeter.de/

Und hier die Website der alten Seminarturnhalle in Nagold: http://www.alte-seminarturnhalle.de/

 

Wer eine Live CD von Torsten Sträter kaufen möchte, kann dies hier tun:

CD: Selbstbeherrschung Umständehalber Abzugeben

Und auch, wenn ich auf eine kleine Provision verzichten muss, dadurch dass ich es hier nicht verlinke, bitte ich euch, falls ihr ein Buch von Torsten Sträter kaufen möchtet, dies im örtlichen Buchladen zu tun. Die Buchhandlungen bestellen das Buch auch ohne Aufpreis und haben es in der Regel am nächsten Tag.

So unterstützt ihr den örtlichen Mittelstand und helft mit, dass die kleinen Läden nicht aussterben und es irgendwann nur noch Amazon etc. gibt.

Durch die Buchpreisbindung, bezahlt ihr überall das Gleiche.

 

So und nun für die ganz Harten unter ihnen – meine restliche Geschichte des Abends

 

Ich komme gegen 1:45 Uhr in Pforzheim an.

Von hier fährt mein Anschlusszug nach Karlsruhe um 2:26 Uhr.

„Na da wird es heute wieder spät.“, denke ich mir und betrete die Bahnhofshalle.

Mein Blick fällt auf die Anzeigetafel.

Hinter “ 2:26 Uhr – S5 nach Karlsruhe“, steht in blauer Schrift auf weißem Grund: “ Zug fällt aus “

Wie René Marik´s Maulwurf, stehe ich vor der Tafel und mache “ Ne ne ne ne ne ne ne ne – NE. Nichte mache mit de Teeger !“

Nächster Zug – 3:36 Uhr !

 

Es ist 1:50 Uhr, als ich realisieren, dass ich für fast 2 Stunden in Pforzheim festsitze.

An einem Samstag Abend.

 

Vielen von ihnen werden nun nicht verstehen, wo genau das Problem ist.

Das Problem ist, dass sie Pforzheim an einem Samstag Abend nicht kennen !

 

 

Der Burger King am Bahnhof schließt Samstags um 1 Uhr.

Zum Vergleich – in Karlsruhe habe ich bis 5 Uhr morgens, die Auswahl zwischen Burger King. MC Donalds, Leberkäsweckle und zahlreichen Bars mit Essen und trinken.

Ok, fairer Weise muss gesagt werden, dass es auch in Pforzheim 2-3 Lokalitäten vorhanden sind, in denen man zumindest Alkohol bekommen kann.

Da Pforzheim aber ansonsten relativ tot ist, sind diese Lokalitäten auch dementsprechend voll. Selbiges gilt auch für die Menschen in diesen Lokalitäten.

 

Ich beschließe also einen Spaziergang durch Pforzheim zu machen.

Unterwegs treffe ich einen Marder.

Ich habe noch nie in meinem Leben einen Marder live gesehen.

Er steht mitten auf der Strasse und reckt mir seinen Kopf entgegen.

Ein wunderschönes Tier. Braunes Fell und eine weiße Brust.

Ich sehe wie er unter dem nächsten Auto verschwindet, wünsche ihm einen guten Appetit und gehe weiter.

 

Marder in der Innenstadt.

Ich fühle mich wie Will Smith in “ I am Legend “ und hoffe inständig, dass nicht noch Wölfe den Weg in die Verlassene Stadt finden.

In der Fußgängerzone sehe ich 3 Menschen.

Immerhin. Für eine Partie Skat würde es reichen.

 

Als ich meine Runde beendet habe, und wieder beim Bahnhof ankomme, ist es 3 Uhr.

Fast geschafft.

Hunger hätte ich.

Ich beschließe in Karlsruhe etwas zu essen.

 

Als die Bahn pünktlich um 3:36 Uhr den Bahnhof verlässt, packt mich ein wenig Wehmut.

Eine so friedliche Stadt hat ja auch immer etwas meditatives.

 

Da ich Hunger habe und müde bin, lässt es sich die Bahn nicht nehmen, an jeder Haltestelle zu halten und sei sie auch noch so klein.

Gegen 4:30 Uhr komme ich in Karlsruhe an.

Eine Bahn noch und ich bin zu Hause.

Direkt neben der Haltestelle – ein MC Donalds.

Die Bahn kommt in 10 Minuten.

Als ich in den MC Donalds blicke, macht sich Ernüchterung breit.

Ich vermute, dass der Lokführer in der letzten Bahn in dieser Filiale angerufen hat und genau so viele Menschen in einer Schlange bestellt hat, dass ich es niemals in 10 Minuten bis zur Theke schaffen kann.

Diese Vermutung erhärtet sich, als mein Anschlusszug beschließt, dieses mal aber sowas von pünktlich zu kommen, dass jedes Schweizer Uhrwerk vor Neid erblasst wäre.

 

Mit knurrendem Magen besteige ich die Bahn.

Noch 30 Minuten und ich werde zu Hause sein.

Ich erinnere mich daran am Vormittag einen Topf mit Tomatensauce gekocht zu haben. Und Nudeln sind auch noch da !

Perfekt. Einfach Nudeln in die Sauce, warm machen und lecker.

 

Um 5 Uhr öffne ich die Wohnungstür, lege meine Sachen ab und gehe in die Küche.

Ich sehe den Topf mit der Tomatensauce.

Auf dem Rand des Topfes sehe ich noch etwas.

Einen riesengroßen Ohrenkneifer.

Ich habe seit bestimmt 15 Jahren, keinen Ohrenkneifer mehr gesehen und nun sitzt einer in meiner Küche, auf dem Rande des Topfes, dessen Inhalt meinen Magen befüllen sollte.

Langsam nähere ich mich ihm.

Was nun folgt, würde ich nicht glauben, wenn ich es nicht gesehen hätte.

Der Ohrenkneifer dreht den Kopf, schaut mich an, und springt in meine Tomatensauce in der er untertaucht….

 

Es gibt keine Flüche auf dieser Welt, die stark genug wären um auszudrücken was ich dachte !

 

An diesem Morgen, gehe ich hungrig ins Bett, denn ich habe die Nase voll….

Ich muss ja sowieso noch 10 kg abnehmen – für Torsten.