The Blues Brothers

 

02.10.2015

Da ich am 12.09.2015  bei der Theaternacht in Karlsruhe Blut geleckt habe, habe ich beschlossen dem Theater bei meiner Berichterstattung einen stärkeren Stellenwert zu geben und es neben Musik, Comedy und Kabarett, in gleichem Ausmaße zu präsentieren.

Ich bin ja bereits seit geraumer Zeit, ein regelmäßiger Gast bei der Badisch Bühn und nun kommt neben dem K2, von dem ich bereits am Anfang des Jahres berichtet habe, auch das Kammertheater selbst hinzu.

Mein Ziel ist es, Menschen Lust auf Theater zu machen indem ich, wie es so meine Art ist, Erlebnisberichte von den Stücken schreibe, welche durch viele Bilder noch lebendiger und greifbarer werden.

Vielleicht werde ich auch das ein oder andere Mal mit den Darstellern oder dem Autor über die Stücke reden. Je nachdem was sich so ergibt.

Selbstverständlich werde ich auch mit Kritik nicht sparen, wenn diese fair und angemessen ist. So wie sie es von mir kennen.

Da Kunst jedoch Geschmackssache ist, werde ich mir nicht anmaßen ein Stück als schlecht zu bezeichnen, nur weil es meinen persönlichen Geschmack nicht trifft.

In solchen Fällen, schaue ich mir das Publikum an, erfasse ihre Reaktionen und schreibe darüber.

Ich kritisiere Rahmenbedingungen und keine Kunst.

Zum Beispiel wenn es im Saal regnet, Jungfrauen geopfert werden oder der Künstler seine Fans verprügelt damit sie CD´s kaufen. Das würde ich kritisieren.

Wobei ich mich immer bemühe Kritik konstruktiv zu äußern.

Um es vorweg zu nehmen – das Einzige, was ich bei den Blues Brothers kritisieren kann ist, dass an diesem Abend meine Lieblingstänzerin Leah Bukatsch, welche ich am 12.09. in dem 20 minütigen Auszug aus dem Stück gesehen und mich verzaubern habe lassen, nicht dabei war.

Das soll jedoch keinesfalls ein Schmälerung, der Leistung, der anderen 3 Tänzerinnen darstellen, welchen immer Paarweise an den Abenden auftreten.

Im Gegenteil – Ich fand dass sie an diesem Abend hervorragend getanzt und mein Auge erfreut haben.

 

Kommen wir aber nun zum Stück selbst.

Es ist der 02.10.2015, 19:30 Uhr und ich sitze in einem rot gepolsterten Stuhl in Reihe 10.

Ein behüteter Mann tritt vor das Publikum und entschuldigt sich für eventuell mangelhafte Stimmen an diesem Abend, da die Erkältungswelle auch vor den Darstellern nicht halt gemacht habe. Als Demonstration, befreit er die Nase durch kräftiges Ausstoßen der Luft von Ausscheidungen (Ich hätte auch „schnäuzen“ schreiben können, aber ich fand die Erklärung im Duden so nett)  und zeigt und ein Taschentuch. Freundlicherweise nur das Tuch und nicht den Inhalt.

Der Tuchhalter ist Jörg Bruckschen, welcher unter anderem die Rolle von Dan Aykroyd spielt und als Erzähler durch das Programm führt.

Wer nun denkt, dass es sich bei dem Stück “ The Blues Brothers “ um eine Theaterversion des Films handelt, irrt.

Es geht vielmehr um den Werdegang der beiden Hauptdarsteller Dan Aykroyd und ganz besonders um John Belushi und dessen frühes Ableben.

Wie haben sie sich kennen gelernt ? Wie kam es zu der Idee für den Film “ The Blues Brothers “ ? Und wie ging es danach weiter ?

All diese Fragen werden mit viel Musik, Tanz und Schauspiel beantwortet.

Hierbei spielt auch die riesige Leinwand eine tragende Rolle, welche hinter dem Geschehen aufgebaut ist, da sie alles mit Bildern, kleinen Filmen und Effekten extrem gut untermalt.

An diesem Abend werden Musikstücke wie “ Riot in Cell Block Number Nine“, “ I am King Bee “ oder “ Gimme some Lovin “ gesungen, wir sehen tolle Kostüme und werden bombig unterhalten.

Ich möchte nicht zu viel von der Handlung verraten. Schließlich sollen sie ja selbst in die Vorstellung gehen. Aber ich möchte auf die einzelnen Darsteller dieses Stückes eingehen.

Fangen wir an mit Jörg Bruckschen, dem großen Schnäuzer vom Anfang.

Schauspiel, Gesang, Mundharmonika alles wunderbar. Er führt als Erzähler gut durch den Abend und wirkt wie der Kitt, der alles zusammenhält.

Den Dan Aykroyd, spielt er passenderweise zurückhaltend und nicht als Rampensau.

Diesen Part bedient sein Kollegen Ronald Tettinek, welcher den John Belushi genau so spielt, wie er war. Egozentrisch, narzisstisch und doch genial.

Generell sind alle Rollen sehr gut besetzt und absolut glaubhaft.

Die Songs sind so voller Leidenschaft, kraftvoll vorgetragen, und die Rolle des John Belushi so granatenstark gespielt, dass ich sagen muss: John Belushi selbst, hätte bei einem Casting bei dem er sich selbst spielen sollte, gegen Ronald Tettinek verloren.

Was in Yodit Riemersma, welche Judy Belushi spielt steckt, sehen wir leider erst so richtig bei der Zugabe, als sie selbst als Leadsängerin in Aktion tritt. Davor ist sie wie das Salz in der Suppe. Man sieht es nicht, aber man merkt wenn es fehlt. Sie geht ein wenig unter im Vergleich zu ihren 3 Kollegen.

Das ist aber nichts schlechtes. Wer mag schon Suppe ohne Salz ?

Trotzdem würde ich sie gerne auch mal in einer Hauptrolle sehen.

Es gibt in meinen Augen, aber noch einen, der selbst Ronald Tettinek in den Schatten stellt.

Stefan Roschy.

Was mich bei ihm begeistert ist nicht etwa sein Gesang, sondern seine Vielseitigkeit. Er schafft es 10 ! Nebenrollen absolut überzeugend zu spielen und jeder davon eine eigene Persönlichkeit zu verleihen.

Egal ob einen Wachmann, Produzenten, Straftäter oder den leicht trotteligen Smokey. Man vergisst dabei Stellenweise, dass es sich immer um den selben Schauspieler handelt.

An diesem Abend sind die Tänzerinnen Claudia Roth ( Nein, nicht die Grünenpolitikerin Claudia Roth. Diese in einem solchen Kleid, wie sie tanzt und sich lasziv auf einem Auto räkelt… Diese Gedanken bekomme ich nie wieder aus dem Kopf…) und Ariane Brezel. ( Nein ich mache jetzt keine Wortspiele wie “ aufgebrezelt „, da sie mir ansonsten sicher eine brezeln würde)

Auf jeden Fall machen sie einen tollen Job, und werten die Lieder nochmals durch ihre Tanzeinlagen auf. Man merkt, dass sie das nicht zum ersten Mal machen, sondern zum Beispiel auch schon in Musicals wie “ Cats “ oder “ Beauty and the Beast “ zu sehen waren.

Nicht zu vergessen die achtköpfige Band, ohne die der Abend mit weit weniger Musik ablaufen würde.

Selbstverständlich sind bei einer solchen Produktion aber auch die Menschen im Hintergrund wichtig.

Zum Beispiel die Videokünstler, welche die tollen Filme und Bilder auf die Leinwand gezaubert haben, die musikalische Leitung, die Choreografin bis hin zum Mann für die Kostüme oder der wirklich sehr charmanten Frau Krolitzki, welche für die Pressearbeit zuständig ist.

Also von hier aus meinen Dank an all diese Menschen, die dazu beigetragen haben, diesen schönen Abend zu ermöglichen.

Sollten sie nun noch Zweifel haben, ob sich ein Besuch des Stückes lohnt, sollten sie diese zerstreuen, wenn sie die Bilder sehen, welche ich ihnen von dem Abend mitgebracht habe.

Mein Fazit:

Ein absolut herausragender Abend bei meinem ersten Besuch im Kammertheater Karlsruhe.

Das Publikum quittierte die gezeigte Leistung mit stehendem Beifall und hemmungslosem  Mittanzen bei der Zugabe.

Wer die Blues Brothers gemocht hat, wird dieses Stück lieben,

Zeit genug sich das Stück anzusehen ist noch.

Bis zum 08.11.2015 und ab dem 30.12.2015 bis 24.01.2016 finden noch Aufführungen statt.

Näheres auf der Website des Kammertheaters : http://www.kammertheater-karlsruhe.de/