Sebastian Pufpaff 

Auf Anfang

 

15.10.2015

 

Um 19:40 Uhr schiebe ich mir das letzte Stückchen meines Twix Riegels in den Mund und betrete mit vollen Backen das Tollhaus.

Hätte ich gewusst, dass freie Platzwahl herrscht, wäre ich deutlich früher da gewesen.

Aber nachdem ich dieses mal das Interview für nach der Vorstellung bestätigt bekommen habe, dachte ich mir ich lasse es heute einmal gemütlich angehen.

Das Schicksal lässt bei solchen Gedanken nicht mit sich spaßen und so finde ich zwar noch einen Platz in der ersten Reihe, allerdings in der ersten Reihe auf der Empore.

Neben mit sitzt ein dicker Mann und die Stühle sind netterweise sehr dicht bei einander.

Ich freue mich, dass ich trotz der Tatsache, dass ich spät dran bin, eine freie Sicht auf die Bühne habe.

Auch diesen Gedanken bekommt das Schicksal mit und ein zweiter, dicker Mann, setzt sich auf meine andere Seite.

Ich nehme mir vor an diesem Abend keine positiven Gedanken mehr zu haben.

 

Die Vorstellung ist ausverkauft und von meiner erhöhten Position heraus, kann ich ein Publikum, im wesentlichen ü30 und geschlechtlich ausgewogen, ausmachen.

Es scheinen sogar ein klein wenig mehr Frauen als Männer da zu sein.

 

Wir sitzen im kleinen Saal.

Das ist wichtig zu wissen, da im kleinen Saal des Tollhauses in Karlsruhe, bei Wortbeiträgen die Klimaanlage nicht eingeschaltet wird, da diese zu laut ist.

Es wird während den Vorstellungen also schön mucklig warm und stickig.

Ganz besonders wenn man zwischen zwei dicken Männern sitzt.

Da Wärme, netter Weise auch die Angewohnheit hat nach oben zu steigen und ich zufälligerweise, wie erwähnt, auf der Empore sitze, werde ich bis zur Pause, gut durch sein.

 

Es ist kurz nach 20 Uhr und das Publikum wird unruhig.

Ich hoffe noch, dass das Bühnenlicht bis zu mir auf die Empore reichen möge, damit ich sehe, was ich schrübe, als das Licht ausgeht. Komplett. Finster. Arschkrabbennacht.

Auf der Bühne erstrahlt etwas Licht.

Gerade so viel, dass ich den Block auf meiner Hose erkenne und mir nicht aus versehen meine Notizen aufs Bein schreibe, aber nicht genug damit ich erkennen könnte, was ich schreibe, wie groß ich schreibe oder ob ich überhaupt schreibe.

Resultat: Für einen Text, der bei Licht, auf vier Blätter gepasst hätte, brauche ich derer elf…

Resultat Nummer zwei: Ich sehe gerade, dass ich mich bei einem Blatt verschätzt habe und einfach noch einmal über meine Notizen drüber geschrieben habe….das wird lustig….

Es ist ja nicht bereits Herausforderung genug mein Gekrakel bei Finsternis, normalerweise zu entziffern – nein – es muss zweimal Gekrakel übereinander sein.

Nun ja – ich außerdem, dass ich mich dafür auf einem anderen Blatt ebenfalls verschätzt, und in der Ansicht ich hätte bereits etwas geschrieben, erst auf der Hälfte tatsächlich angefangen habe zu schreiben.

Ich überlege, ob ich diese Notizen als Kunst durch bekommen kann. Und, wo ich um diese Zeit noch einen Graphologen herbekommen kann, der mir erzählt, was ich geschrieben habe.

Ich glaube ich werde mir einen Kugelschreiber mit Licht kaufen.

 

Kommen wir nun aber zur Vorstellung.

Sebastian Pufpaff betritt die Bühne.

Applaus brandet auf und er verbeugt sich.

Er scheint in bester Stimmung zu sein und begrüßt ein paar Nachzügler, welche in den Saal kommen.

Natürlich kennt er das Tollhaus und weiß, dass es verdammt warm werden wird.

“ Der mit der Thermounterwäsche wird sich wundern.“ , sagt er und ich wundere mich.

In den folgenden Minuten geht es um Handys, Romantikhotels, VW, um die Elite im Raum ohne Fenster und  die ARGE Kunden auf der Empore.

“ Wenn sie oben sind, haben sie keine Probleme mehr.“

Was mir bei Sebastian Pufpaff auf Anhieb gut gefällt ist, dass er kein normales Kabarett macht, sondern eine Mischung aus Kabarett und Comedy. Er wird es später im Interview “ Sozialsatire “ nennen.

Dadurch nehmen meines Erachtens nach die Zuschauer die Botschaften im Programm besser auf und denken länger darüber nach.

Beim reinen politischen Kabarett ist es oftmals so, dass man in der Vorstellung dem Kabarettisten zwar Recht gibt, das ganze Zeug beim verlassen des Saales aber schon wieder vergessen hat.

Bei Sebastian Pufpaff, bleiben die Witze lange in Erinnerung und so erinnert man sich auch länger an die Moral und Kritik darin.

Ein Beispiel: Der Deutsche scheint nur glücklich zu sein wenn er sich aufregen kann.

Wirft man diese Aussage so ins Publikum, werden einem die Zuschauer recht geben und es schnell wieder vergessen.

Verpackt man dagegen diese Aussage in eine Geschichte von einem kaputten Kopfhörer und einem Kundenbetreuer, der einen so perfekten Service anbietet, dass es dem Kunden unmöglich ist sich aufzuregen und er sich am Ende darüber aufregt, dass er sich nicht aufregen kann, hat das schon eine ganz andere Langzeitwirkung.

So geht es bei Themen wie dem Fernsehen, das und sagt, wer der Feind ist und wie glücklich man doch ohne TV und Radio sein kann oder der Gleichberechtigung “ ich schubs auch alte Leute “ und “ Kaufen sie sich als Mann eine Burka und gehen sie in die Frauensauna“.

Er packt sich Themen und überspitzt sie so gnadenlos, dass auch dem letzten Menschen so viele Schuppen von den Augen fallen, dass die Haarschuppen aushelfen müssen.

Selbst sensible Themen, wie dicke Menschen, behandelt er, ohne Diese zu verletzen.

Er macht sich und einen Freund einfach selbst zu dicken Menschen und geht zum Airhoppen.

Wichtig ist es hierbei, seine Aussagen im Kontext zu sehen.

Ich erzähle z.b. einen Tag später einer Freundin, dass ich während der Vorstellung an sie habe denken müssen.

Auf ihre Frage “ Wieso ?“, erzählte ich ihr, dass Sebastian Pufpaff Arzthelferinnen auf der Sympathiescala ganz kurz vor Hitler sieht.

Ihre Reaktion: “ Arschloch “

Ihr Beruf: Na raten sie mal 😀

Ihre Reaktion lag daran, dass die nicht gehört hat wie Sebastian die Arzthelferin beschrieben hat. Als sture, bockige, Frau, die ihm als Notfall einen Termin für nächsten Januar gibt.

Mir fällt gerade ein, dass ich selbst einmal genau so eine Arzthelferin hatte. Und das war wenig lustig, da ich Freitags einen vereiterten Backenzahn hatte, der mich fast umbrachte und sie mich nächsten Montag drannehmen wollte….

Ich habe daraufhin den Arzt gewechselt.

Es ist aber nicht so, dass Sebastian nur andere durch den Kakao zieht. Er macht auch vor sich selbst nicht halt.

Als er zum Beispiel davon erzählt, wie wichtig es ihm ist nur nicht der Dumme zu sein und darum ein Vermögen für Büffelmozzarella und Koberind ausgibt, macht er sich so gekonnt zum August, dass das Publikum johlt und lacht.

Zwischendrin geht ein Zuschauer.

“ War es so schlecht ? „, fragt Sebastian von der Bühne.

Sieht aber so aus als würde nur die Natur rufen.

 

Als er erzählt, dass er neulich in der “ Psychologie heute “ gelesen habe, dass die meisten Bulimiekranken gerne mit ihrer Familie brechen würden, zerbricht geräuschvoll ein Glas im Saal.

Es ist das Zweite an diesem Abend.

“ Ach hör doch auf !“, ruft Sebastian ins Publikum, “ In der Presse wird stehen: Für die größten Lacher sorgten zwei zerbrochene Gläser.“

Das Publikum brüllt vor Lachen und er fügt hinzu: “ Das sind die Kabarettfans, die sich ärgern: Scheiße, 20 Euro gezahlt ! Vielleicht sind es aber auch die schwachen Arme von Pediga, die eigentlich auf die Bühne werfen wollten.“

Nun geht es ums Essen und darum, dass wir Menschen immer gefallen wollen.

Eine Essenz aus…. eine Reduktion von….

Das Essen wird immer teurer und immer weniger.

“ Irgendwann bringt der Kellner einen leeren Teller und sagt: Der Koch hat in angesehen und 15 Minuten an ein Reh gedacht.“

„Glutamat, das Koks der Küche“, findet auch noch etwas Beachtung.

Wussten sie, dass es Nierenversagen herbeiführen kann ?

Sebastians Kommentar dazu: “ Naja, etwas Schwund ist immer.“

Sollten sie wissen wollen, welches das dümmste Tier der Welt ist, und wie man das getestet hat, sollten sie aber seine Vorstellung besuchen.

Wir erfahren noch, dass Gymnasiasten die Dümmsten überhaupt sind, denn sie glauben sie wären schlau, sind aber noch weit dümmer als Berufsschüler.

Jetzt geht es rund.

Junge Mütter, Einhirne und öffentliche Toiletten, geleiten uns sanft in die Pause.

 

In der Pause ist das Foyer voll.

Egal. Es ist ca. 50 Grad kälter als im Saal – Luft – Luft.

Lange Schlagen stehen vor dem Getränkeausschank.

Ich hoffe jeder konnte sich ausreichend wässern für Teil 2.

 

Zu Beginn von Teil zwei, wird das Publikum dafür gelobt, heute hierher gekommen zu sein, und nicht zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen.

Ein Mensch schaut im Schnitt täglich 7 Stunden auf einen Bildschirm.

Wie sehr man sich davon beeinflussen lassen kann, zeigt Sebastian, als er verschiedene Fernsehserien nimmt und beschreibt, wie sie seinen Alltag verändert haben.

Zu Beispiel lässt er seine Familie nach dem Genuss von “ The walking Dead“, das Haus zombiesicher machen.

Sehr gut gemacht.

Er nennt sich selbst den “ Tom Cruise des Kabaretts “

 

Digitalismus führt uns zu führerlosen Fahrrädern und komischen Aufsätzen für elektrische Zahnbürsten.

Dies wiederum führt und zur Emanzipation und Ehe.

Also dieser Pufpaff, hat ein Tempo drauf – Wahnsinn.

Frauen sind zu sich selbst sexistischer als es ein Mann jemals sein könnte.

Beispiel den „Bachelor“: “ 20 Nutten buhlen um einen gegelten Vollpfosten.“

Wir leben in einer polyamorösen Gesellschaft. Die Ehe ist veraltet.

Das nächste Thema finde ich persönlich sehr spannend, da es den Finger in die Vorurteilswunde legt und ordentlich darin herumstochert.

Ein befreundeter türkischer Gemüsehändler stellt Deutsche ein und zahlt auch noch gut. Frechheit.

Der Ausländer nimmt uns die Deutschen weg !

Was würde wohl passieren, wenn die auch noch Politiker werden ?Und am Ende auch noch unsere Werte vertreten ?

Fazit des Themas: Es gibt nur Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher.

 

Ich bin wirklich fasziniert.

Er bringt so viele wichtige Themen, dass dies hier mein längster Bericht sein könnte, da Jedes so verdammt wichtig zu wissen wäre.

Wussten sie zum Bespiel, dass 99 % der Gelder, welche die Kirche in Wohltätige Zwecke steckt aus den Kommunen kommt und nicht von der Kirchensteuer.

Der Anstand verbietet mir zu sagen, wie viel Barvermögen die katholische Kirche alleine hat.

Solche Zahlen nehme ich nicht in den Mund.

Ich sag nur so viel – es sind über 10 Nullen dahinter.

 

Auf die Überforderung der heutigen Kinder möchte ich aber doch kurz eingehen.

„Von 5 -17 Jahren ist ein Kind in der Schule.

Der Schulalltag geht bis 15,16,17 Uhr Mittags, dann noch Hausaufgaben.

Rein theoretisch könnte man mit 22 fertig studiert für die Wirtschaft bereit sein.

Wo ist der Spaß ?

Wo ist das Leben ?

Wo ist der Unterschied zur modernen Sklaverei ?

Die Ketten sind leiser und wir legen sie uns selbst an.“

 

„Jeder 2. bekommt heute einen Burn out.“

„Menschen mit Burn out werden mit Medikamenten behandelt, welche auch bei Depressionen verschrieben werden.“

Das dritte Glas geht kaputt. Sebastian: “ Also nun hören sie mal auf. Ich glaub das ist immer der Selbe“

“ Häufigste Nebenwirkung von Anti-Depressiva ? – Selbstmordgedanken !

Zweithäufigste Nebenwirkung ? – Schlaflosigkeit.

Was bekommt man dann ? – Schlaftabletten.

Nebenwirkungen von Schlaftabletten ? – Schlafstörungen.

Und Schlafstörungen können wozu führen ? – Depressionen.

Die Einzigen, die immer lachen sind die Pharmaunternehmer “

 

Zum Abschluss rät uns Sebastian uns zu Blitzdingsen, wie im Film “ Men in Black “

Alles vergessen.

Die Welt jungfräulich sehen.

Sich entschleunigen, Spaß haben und die Welt genießen.

“ Wem wollen sie dienen ? Den anderen oder sich selbst ?“

„Stress reduziert die Lebenszeit um 15 %“

 

Als Zugabe erfahren wir noch etwas zu Pediga und der AfD und wie sie es schaffen, möglichst viele Leute anzusprechen.

Und etwas über Leberwurst.

 

Danach steht Sebastian noch für Autogramme und Fotos zur Verfügung, verkauft seine CD´s und verschenkt Plakate.

 

Später habe habe ich mit ihm dann noch ein Interview geführt.

Danach gibt es mein Fazit.

 

Mein Fazit:

Sebastian Pufpaff.

Ich habe diesen Mann unterschätzt und zwar gewaltig.

Er hat das Herz und das Hirn am rechten Fleck.

Als ich ihn beim Prix Pantheon gesehen habe, hielt ich ihn für einen lustigen Entertainer und Comedian.

Sicherlich ist er das, aber er ist außerdem noch ein sehr kluger Kopf, der wichtige Themen so verpackt, dass sie einem lange im Gedächtnis bleiben und man immer wieder daran zurück denkt.

Diese Vorstellung, war eine der (nach)denkwürdigsten die ich in der letzten Zeit besucht habe.

Ich habe mich immer wieder an Eckhard von Hirschhausen erinnert gefühlt, denn genau dass was Hirschhausen in Punkto Medizin ist, ist Pufpaff in Punkto Wirtschaft und Medien.

Ihre große Schnittmenge haben Hirschhausen und Pufpaff bei der Menschlichkeit und Sozialem.

Solange es noch solche Menschen gibt, die so fühlen, denken und vor allem andere Menschen zum fühlen und denken bringen können, gibt es noch Hoffnung für unsere Welt.

Oder um es mit den Worten von Sebastian Pufpaff zu sagen: “ Sie können die Welt nicht retten, Nur verändern.“

Mein Rat an Sie : Besuchen Sie seine Vorstellungen und lauschen Sie mit offenem Hirn und offenem Herzen.

Und dann gehen Sie raus in die Welt und seien Sie ein Nicht-Arschloch.

 

Die aktuellen Termine seiner Tour, finden sie auf der Homepage: http://www.pufpaff.de/