Schöner Scheitern – 3 Kölsch ein Schuss

Susanne Pätzold – Axel Strohmeyer – Franco Melis

 

23.10.2015 – Jubez – Karlsruhe

 

Heute bin ich mehr als rechtzeitig vor Ort, so dass ich mir einen guten Platz für die Fotos sichern kann.

Es werden sehr viele Fotos und das ist auch gut so.

Um 20:30 Uhr soll es losgehen.

Ich treffe Susanne Pätzold, Axel Strohmeyer und Franco Melis bereits davor und unterhalte mich ein wenig mit ihnen, während sie die gute Küche im Jubez genießen.

Es gibt Kürbisrahmsuppe, sowie Reis mit Fleisch und Salat.

Sehr angenehmer Ersteindruck….. also von den Dreien. Zum Essen kann ich nichts sagen, aber Mundzeugen nach soll es sehr gut geschmeckt haben.

Da der Soundcheck etwas länger gedauert hat und ich sie vor der Veranstaltung nicht noch stressen will, verlegen wir das geplante Interview auf danach.

 

Ich bin sehr auf das Imrovisationstheater gespannt, dass heute Abend hier stattfinden soll.

Meine ersten Improvisationsberührungen hatte ich, wie vermutlich viele von Ihnen, bei TV Produktionen wie der „Schillerstrasse“ oder „Frei Schnauze“.

Live auf der Bühne, habe ich so etwas noch nicht erlebt.

Die Presse ist ja voll des Lobes. Mal sehen ob ich mich da werde anschließen können.

 

Der Saal ist bistrobestuhlt, wie man so sagt.

Rote Samtdeckchen liegen auf runden Tischen. Darauf brennt ein Teelicht in einem kleinen grünen Teelichtreinmachdings.

Sehr stimmungsvoll.

 

Auf der Bühne stehen ein weißes Sofa, welches ich zuerst fälschlicherweise für ein Ledersofa halte, das sich aber später als aufblasbares Plastiksofa herausstellt.

Daneben befindlich eine Staffelei auf der zwei große Blätter befestigt sind und auf denen die 26 Buchstaben des Alphabets unter einander aufgelistet wurden.

 

Um 20:30 Uhr ist es dann soweit. Susanne, Axel und Franco betreten die Bühne und stellen sich den Zuschauern vor.

Sie erklären, dass es heute Abend um Improvisation gehen wird und wie der Abend in etwa ablaufen könnte.

Auf die Frage, was das Schönste an Karlsruhe sei, kommt als Antwort: “ Die Baustellen.“

Von der Bühne: “ Ja die Geschmäcker sind unterschiedlich – Fächerstadt.“

Die nächste Frage bezieht sich auf mögliche Schwierigkeiten in der Stadt. Die Antwort: “ Die Baustellen,“

Und auf die Frage wo man in Karlsruhe hingeht um Spaß zu haben….na…erraten sie es ? – Richtig – “ Zu den Baustellen.“

Kennen sie dass ? Ein Kind erzählt ihnen einen Witz und wehe Sie lachen darüber ! Dann müssen Sie sich den gleichen Witz noch mindestens eine Stunde lang anhören und brav darüber lachen. Auch wenn er ab dem zweiten Mal schon nicht mehr witzig ist,

Genau so komme ich mir im Moment vor.

Die Drei auf der Bühne nehmen es sportlich und Susanne fragt in die Runde: “ Was muss ich Sie fragen, damit sie etwas anderes sagen als „Baustelle“ ?“

Endlich scheint der Bann gebrochen und man einigt sich darauf, dass das Wetter in Karlsruhe schön ist und das ZKM etwas besonderes.

Es folgt ein Tango in dem die genannten Begriffe vorkommen müssen.

Sehr guter Anfang. Man bekommt eine Vorstellung von dem, was einen noch erwarten könnte.

Als nächstes das Thema “ Scheitern in der Beziehung “

Eine Szene mit dem Satz “ Schatz wir müssen reden.“

Das besondere an dieser Szene ist, dass sie im Zweikanalton gespielt wird.

Das bedeutet Susanne und Axel spielen das Ehepaar und jedesmal wenn Franco auf einen Topfdeckel schlägt, müssen die Beiden in eine Phantasiesprache verfallen, bei erneutem schlagen auf den Deckel, wieder zurück ins Deutsche.

Der Topfdeckel fungiert hierbei als eine Art Fernbedienung.

Es geht darum, dass der Mann einen Kratzer in das Auto seiner Frau gemacht hat.

Das Publikum lacht sich schlapp, als Susanne und Axel immer wieder in ihre Phantasiesprache verfallen und irgendwann Probleme bekommen zu erahnen, was der andere denn nun sagen will und wie man darauf angemessen reagiert.

Sehr gutes Spiel.

Nun wird die Tafel auf der Bühne erklärt.

Sie soll am Ende eine Enzyklopädie des Scheiterns ergeben mit einem Begriff für jeden Buchstaben.

Das Publikum ist voll dabei und ruft munter Wörter auf die Bühne.

Eine Frau wird ausgewählt, die die Begriffe an die Tafel schreiben soll.

Da der gewählte Stift nicht schreibt, wird schnell Ersatz geholt und die Frau schreibt selbstständig “ Stift “ beim Buchstaben S hin.

Respekt, Mutig.

Als bei D, Dambedei (so wird in Karlsruhe ein Vorweinachtliches Gebäck aus Hefe in der Form eines Männchens bezeichnet) gerufen wird, sorgt das für etwas Verwirrung auf der Bühne und Axel, der inzwischen die Stift-Frau ersetzt hat, benötigt mehrere Anläufe um es richtig zu verstehen und zu schreiben.

Als die ersten Buchstaben durchgenommen sind, geht es zur nächsten Szene.

Hierbei soll eine typische Situation am Arbeitsplatz gespielt werden.

Allerdings mit vertauschten Sprechern.

Franco spricht Susanne, Axel spricht Franco und Susanne spricht Franco.

Das heißt, wenn Susanne etwas sagt, muss Franco den Mund bewegen, so tun als würde er das gerade sagen und natürlich auch dementsprechend reagieren.

Thema der Szene ist “ Papierstau “

Um als Schreibtisch zu fungieren, wird das Sofa einfach umgedreht,

Der Satz: “ Arbeiten ist für mich wie ein Maulwurf mit Schwant und Ohren.“, sorgt erst bei Susanne, dann auch bei Axel und Franco für einen Lachanfall.

Die Frau neben mir an meinem Tisch lacht sich fast tot.

Franco spielt “ Sven “ und hört sich irgendwie an wie Kermit der Frosch.

Gefällt mir sehr gut, wie sie versuchen den jeweils anderen mit Aussagen dazu zu bewegen sich zum Affen zu machen.

Zwischendrin vergisst Franco den Mund zu bewegen und fuchtelt stattdessen mit den Händen herum.

Axel:“ Oh, ich kann mit den Händen sprechen,“

Und erschallt neues Gelächter.

Danach folgt ein Lied zum Thema “ Scheitern in den Umgangsformen “

Ein gutes Lied und die Stimmen von den Dreien harmonieren wirklich sehr gut miteinander.

Susanne geht nun mit einem Freiwilligen nach Draußen, damit sie nicht hört, was im Saal gesprochen wird.

In der nächsten Szene, soll Susanne eine Erfinderin spielen, die eine Maschine erfunden hat.

Das Publikum darf entscheiden was für eine Maschine es sein soll und mit was sie angetrieben wird.

Susanne wird sich dann auf einen Stuhl setzen und versuchen herauszufinden was sie erfunden hat.

Dazu interviewt sie Axel und Franco leiht ihr seine Arme.

Aus meinem Vorschlag eine Arschversohlmaschine für betrunke Ehemänner, wird eine Nichtgeschlechtsspezifische Arschversohlmaschiene für betrunkene Ehepartner um nicht sexistisch zu sein.

Uns selbstverständlich werfe ich noch hinterher, dass sie mit Korn betrieben wird.

Dieser Vorschlag wird unverändert übernommen.

Ich mag diese Vorstellung. Sie treibt meine Kreativität hoch und ganz nebenbei, lache ich auch noch sehr viel.

Susanne kommt zurück und setzt sich auf einen Stuhl. Sie bekommt einen schwarzen Überwurf übergeworfen durch dessen Löcher Franco seine Hände streckt und mit denen er ihr Hinweise geben soll.

Natürlich hat der alte Schelm nichts besseres zu tun, als ihr in den Haaren zu wuscheln und in den Ohren zu popeln. Auch das Dekoltee wird nicht verschont.

Da so viel raten durst macht, muss Susanne natürlich auch noch etwas trinken.

Sehr sehr lustig gemacht. Im Saal herrscht mittlerweile eine Bombenstimmung.

Weiter geht es an der Tafel mit weiteren Buchstaben.

Das Scheitern-Wort mit dem Buchstaben K wird Kinder,

Es folgen Lieder die die Welt nicht wollte.

Wieder werden Begriffe aus dem Publikum verwendet.

Zahnschmerzen – Blues

Diäten – Hip Hop

Pubertät – Ballade

Auf der Bühne, wird ein gläserner Sektkühler platziert, in den die Zuschauer in der Pause einen Zettel mit einem Satz werfen sollen, der sich mit dem Scheitern befasst.

Ich beteilige mich natürlich auch und werfe einen Zettel ein auf dem steht: “ Das meine Haushaltsführung gescheitert war erkannte ich, als der Inhalt meines Kühlschranks versuchte mich zu essen. “

Bin mal gespannt ob er gezogen wird.

Hernach verwollustiere ich mich an einer Butterbrezel.

 

Zu Beginn von Teil 2 der Show, gibt es wieder ein Lied.

“ Der Mac muss weg.“

Ich bin wieder einmal fasziniert, wie gut die Stimmen von den Dreien zu einander passen.

Was kann einem schlimmes passieren ?

Dies ist die nächste Frage, die im Raum steht.

Es kommen die Antworte “ Hosenschlitz offen „, “ Glas umwerfen “ und “ Gebiss herausfallen “

Mir drängt sich der Verdacht auf, dass das Karlsruher Publikum sehr behütet aufgewachsen ist, wenn dies die schlimmsten Dinge sind die ihnen einfallen.

Eine Talkshow steht auf dem Programm, in deren Verlauf die Zettel aus dem gläsernen Sektkühler zum Einsatz kommen und vorgelesen werden sollen.

“ Heiner für alle “ heißt sie und zu Gast ist Frau Schmitts.

Auf dem ersten Zettel steht: “ Vera will vegane Bolognese – Wolfgang nicht.“

Auf dem Zweiten: “ Es gibt auch Stifte die schreiben können.“

Ich merke – es wird philosophisch. Scheint so als hätte der Club der geheimen Dichter und Denker seinen Jahresausflug hierher gemacht.

Dieter Müller tritt auf und leistet Frau Schmitts Gesellschaft.

Die nächsten geistigen Ergüsse sind für Ihn bestimmt.

“ Dezember ist Cabriozeit.“ oder “ Was sich nicht wehrt, landet am Herd.“

Vielleicht habe ich zu hohe Ansprüche.

Ich beschließe einfach froh zu sein, dass keiner “ Baustelle “ auf einen Zettel geschrieben hat.

Immerhin kommt noch ein ganz kleiner Lichtblick: “ Wenn der Mond zur Sonne wird ist Winter.“

Dieser Spruch hat was.

Ich weiß zwar noch nicht was, aber irgendwas ist da.

In einem schier endlosen Zettelverlauf, kommt dann auch noch irgendwann mein Spruch dran.

Leider geht er aber ein klein wenig unter. Egal, er kam dran.

Die Tafel wird nun vollends mit Wörtern gefüllt und wir kommen zum aktuellen Tierstudio,

Nach einer Sportart wird gefragt – Hürdenlauf – und einem Tier – Igel.

Die Moderatorin befragt den Igelhürdenlauf-Bundestrainer.

Besonders hierbei ist, dass der Bundestrainer aus zwei Personen besteht, die immer abwechselnd ein Wort sagen.

Das führt zu mitunter ziemlich lustigen Sätzen.

Franco sucht nun jemanden der ihn anfasst.

Keiner meldet sich.

Susanne möchte auch gerne angefasst werden.

Keiner traut sich.

Am Ende finden sich doch noch zwei tapfere Zuschauer, denen die Aufgabe zufällt, Susanne und Franco auf der Bühne zu bewegen.

Damit Silvia und Norbert nicht von wilder Wollust geleitet den Beiden ungeplante Eingriffe bescheren,  fällt der Satz: “ Nur da bewegen wo Gelenke sind. und nur da anfassen wo Knochen drin sind.“

Thema ist der Ausbildungsberuf des Maler und Lackierers.

Ich will es man so ausdrücken: Es werden viele Stellungen ausprobiert.

Dieser Teil ist wohl einer der lustigsten des ganzen Abends und das Publikum ist permanent am feiern ( „feiern“ ist Jugendsprache für „lachen“…naja, zumindest was es so vor 10 Jahren. Keine Ahnung ob es noch immer so ist.)

Um die Komik dieser Szene auf nur annähernd zum Ausdruck bringen zu können, habe ich hier mit Abstand am meisten Bilder gemacht.

Und trotzdem ist es kein Vergleich mit dem Live-Erlebnis.

Der vorletzte Programmpunkt des Abends betrifft die Tafel voller Wörter von A-Z unter dem Oberbegriff “ Scheitern“.

Susanne, Axel und Franco spielen eine Szene in der sie jedes Wort auf der Tafel benutzen müssen.

Wer das jeweilige Wort benützt, streicht es mit einem Stift durch und wer am Ende die meisten Worte benutzt hat ist “ Der Gescheiterste “

Natürlich haben die Stifte verschiedene Farben. Ansonsten würde es keinen Sinn machen.

Man trifft sich auf einer Schlittschuhbahn und legt los.

“ Was geht ihnen gerade durch den Kopf ? “ wird das Publikum gefragt.

Man hätte alles sagen können.

Zum Beispiel: “ Der Darwinismus im Zeichen der Postapokalypse.“ stattdessen kommt Bob der Baumeister und verkündet stolz: “ Baustelle “

In Gedanken verfluche ich seine Eltern die ihm vermutlich als Kind ein Baustellenbilderbuch geschenkt haben, dass ihn seitdem nicht mehr loslässt.

Und mir tut seine Freundin leid, die wohl im Bett kurz vor dem Akt auch immer dieses Wort an den Kopf geknallt bekommt.

Vermutlich in Kombination mit dem Ausruf “ Loch bohren !“

Umso beachtlicher, was Die Drei auf der Bühne daraus machen.

Eine Mini Oper mit dem Thema Baustelle.

Nach anhaltendem und euphorischem Applaus, folgt eine Zugabe.

Thema: “ Der Urlaubsort Mallorca.“

Zwei Konsonanten werden vertaucht. In diesem Fall wird das M zu einem L, was zu Sätzen führt wie: “ Löwen lachen auf Kopf !“

Eine würdige Zugabe, die wieder einmal für viel Gelächter sorgt.

Danach ist nun aber auch wirklich Schluss und die Menschen verlassen zufrieden und beschwingt den Saal.

Ich habe jetzt noch ein Interview.

Da Axel danach noch etwas zu erledigen hat, führe ich es mit Susanne und Franco.

Mein Fazit:

Es war ein ganz toller Abend und ich habe jede Menge gelacht.

Man merkt, dass Susanne, Axel und Franco schon 20 Jahre zusammen auftreten.

Sie sind perfekt auf einander abgestimmt.

Dadurch dass das Publikum so in die Vorstellung eingebunden wird, entsteht eine ganz besondere Beziehung zwischen ihnen und den Akteuren auf der Bühne.

Ich versuche ja durch meine Bilder ihnen, dem Leser, einen möglichst guten Eindruck zu vermitteln, was ihn bei einem Besuch erwartet.

Trotz der Tatsache, dass ich dieses mal sehr viele Bilder verwendet habe, kann ich ihnen bei diesem Stück jedoch nur einen ganz kleinen Teil der Stimmung vermitteln.

Normalerweise bin ich während Aufführungen immer sehr konzentriert um die wichtigen Dinge aufzuschreiben und gute Bilder zu machen.

Dabei ist man nicht so locker, als würde man das Programm in seiner Freizeit ansehen und sich einfach zurücklehnen und berieseln lassen.

Dass ich trotz der großen Konzentration so viel lachen musste, ist der beste Indikator für die Qualität dieses Abends.

Dazu kommt noch, dass die Drei einfach extrem sympatische und angenehme Menschen sind.

Sie haben sehr viel Spaß an dem was sie machen und das überträgt sich aufs Publikum.

Von daher kann ich “ schöner scheitern “ definitiv weiterempfehlen.

Ich bedanke mich auf jeden Fall für diesen schönen Abend.

Aber nicht nur bei den Künstlern, sondern wie immer auch beim Personal des Jubez, die dafür gesorgt haben, dass dieser Abend in einem angenehmen Ambiente stattfinden konnte.

 

Wo die nächsten Termine für die Aufführung sind, können sie auf der Website von „3 Kölsch ein Schuss“ nachlesen: http://3koelscheinschuss.de/