Sarah Lesch

Von Musen & Matrosen

 

02.06.2016

Heute besuche ich zum ersten Mal das KOHI in Karlsruhe.

Komplett heißt es “ KOHI-Kulturraum e.V.“

Wie man an dem e.V. schon erkennt, handelt es sich um einen Verein.

Man kann dort z.b. für eine Woche Mitglied werden. Das kostet 7 Euro und dafür sind die Veranstaltungen in diesem Zeitraum kostenlos.

Natürlich ist auch eine längere Mitgliedschaft möglich.

Näheres hierzu, auf der Seite des KOHI: http://www.kohi.de/index.php?PSC

 

Da ich das KOHI noch nicht kenne und ich keine Eifersuchtsdramen der Sorte „Ja ja – uns kennst du nicht, aber die Sängerin, kennst du – du Schuft !“, provozieren will, beschließe ich auch die Sängerin nicht zu kennen.

Lediglich ihr Bild und einen kurzen Blick in die Biographie gestatte ich mir.

Schließlich will ich nicht riskieren am Ende mit der Schankmaid beim Interview zu sitzen, während Sarah bittere Tränen weint, sich nach meinen Fragen verzehrt und denkt ich hätte sie für eine ältere, aber durchweg sympathische Frau sitzen gelassen.

Jungfräulich und ahnungslos, wie ein 15 jähriges Schulmädchen begebe ich mich ins Interview. Und ja – als ich jung war, waren 15 jährige Mädchen noch Jungfrauen.

Heutzutage kommt ein Vater ins Zimmer seiner 12 jährigen Tochter, will sie über die Bienelein und die Blümelein aufklären und Sie hält ihm einen Vortag über das Kamasutra…

Aber ich schweife ab.

Das nun folgende Interview ist also für alle ahnungslosen und jungfräulichen „Schulmädchen“ wie mich gedacht, die Sarah Lesch bisher noch nicht kennen.

Für alle andere, werde ich später zu einer überaus netten Journalistenkollegin verlinken, die mit Sarah ebenfalls ein Interview geführt hat. Wenn auch nicht wie ich in Videoform, sondern mit Block und Stift.

Wenn man nach der Länge des Interviews geht, hat ihr Sarah vermutlich erzählt, wie sie damals Himmel und Erde erschaffen hat.

Ich bin überaus gespannt auf dieses Interview und werde es selbstverständlich begierig lesen.

Nun aber wie gesagt erst einmal die Version fürs Auge:

Nach diesem Interview, bin ich sehr gespannt auf das Konzert, setze mich in die erste Bierbankreihe, baue meine Kamera auf und versuche dem Kältetod durch die Klimaanlage so lange wie möglich zu entgehen.

Die Eiseskälte wird sich im Laufe des Konzertes nicht legen und ich beginne zu hoffen, dass ich nicht dazu gezwungen sein werde, meinen Sitznachbarn zu essen um am Leben zu bleiben, da er nicht sehr lecker aussieht.

Das KOHI ist funktional eingerichtet.

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Eine Toilette für Männlein und Weiblein, ein paar Bierbänke vor einer leicht erhöhten Bühne, ein Mischpult für Licht und Sound, sowie zahlreiche Plakate vergangener Events, schmücken den Konzertraum.

Im Raum davor, gibt es CD´s von Sarah zu kaufen und eine Theke an der man günstige Getränke erwerben kann.

Alles in allem hat es etwas gemütliches.

Auch die Akustik passt, wie ich während des Konzertes feststelle.

Kurz nach 20:30 Uhr betritt Sarah die Bühne und wird von dem inzwischen vollen Raum mit Applaus begrüßt.

Es haben sich heute Abend ca. 30-40 Leute eingefunden, die der 1,58m großen und mit blonden Rastalocken gekrönten Liedermacherin zuerst ihr Gehör und dann ihr Herz schenken wollen.

Die Spannung steigt.

Schließlich kann “ Liedermacherin “ ja alles heißen und im schlimmsten Fall sitze ich knapp zwei Stunden mit blutenden Ohren hier und wünsche mir, Andy Borg käme und würde mich mit einem Mähdrescher überfahren.

Aber meine Sorgen sind unbegründet.

Beim ersten Lied denke ich mir: “ Gar nicht mal so schlecht.“

Beim zweiten Lied denke ich mir: “ Das ist ja richtig gut.“

Beim dritten Lied weiß ich: “ Dies ist die Frau, die du einmal heiraten wirst.“

Beim erotischen Gedicht, würde ich am liebsten rein rufen;:“ Ja ok – du hast mich überzeugt.“ und die Ehe sofort vollziehen.

Immer wenn ich denke, dass die guten Menschen langsam aber sicher aussterben, dann tritt ein Mensch in mein Leben und belehrt mich eines besseren.

In diesem Fall ist der Mensch eine kleine Frau mit großer Stimme, großer Empathie und noch größerem Herz.

Ich würde gerne sagen, dass das Publikum gebannt an ihren Lippen hängt, aber ich weiß es nicht, da ich gebannt an ihren Lippen hänge und somit meinen Blick nicht abwenden kann um im Saal umher zu sehen.

Der Stille und dem immer wieder folgenden Applaus, entnehme ich jedoch, dass es mir nicht alleine so geht.

Zitat aus ihrer Bio: “ Der Grundton der Songs ist in der Mehrzahl zwar lässig bis sonnig, doch bei genauerem Hinhören entdeckt man nicht selten einen hemdsärmeligen Sarkasmus. Keine Frage: Sarah Lesch ist eine Liedermacherin, die verbal hinlangen kann: Ihre Lieder handeln von Liebe, Leichtigkeit und Friedensfrikadellen, aber auch von Heuchelei, Ausbeutung und Ignoranz 

So kraftvoll , bissig und entwaffnend ihre Texte sind, so sanftmütig erlebt man Sarah abseits der Bühne.

Wobei man da ja mitunter auch aufpassen muss. Klein, schön und gut riechend, kann durchaus gefährlich sein.

Das hat schon so manche Fliege in den Fängen einer fleischfressenden Pflanze leidvoll erfahren müssen.

Wie lange das Konzert dauert, kann ich nicht sagen, da ich währenddessen jegliches Zeitgefühl verliere.

Irgendwann meint Sarah, dass sie bis 22 Uhr fertig sein muss.

Aber ich denke mit Zugabe, dürften wir uns um die zwei Stunden bewegen.

Das Publikum applaudiert nach dem Konzert lange und anhaltend, so dass Sarah noch zweimal auf die Bühne kommt und sich nochmals verbeugt.

Also wer heute die 7 Euro investiert hat, kommt wirklich voll und ganz auf seine Kosten.

Hier noch ein paar Bilder von Konzert:

Nach dem Konzert nimmt sich Sarah noch Zeit für ihre Fans, unterhält sich mir ihnen, schreibt Autogramme und Widmungen in ihre CDs.

Ohne ihre Schuhe, ist sie nochmal ein ganzes Stück kleiner.

Nun kommt also zu den stimmlichen und menschlichen Qualitäten der Sarah Lesch auch noch ein riesiger Cuteness-Factor dazu.

Ich fühle mich wie die kleine Agnes aus den Film “ Ich einfach unverbesserlich „, als sie das rosa Plüscheinhorn sieht: “ Es ist so flauschig, ich werd wahnsinnig !“

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Ich werde an diesem Abend erst spät nach Hause kommen. Aber das war es auf jeden Fall wert.

Außerdem habe ich wieder einmal eine nette Kollegin kennen gelernt. Und nette Menschen kann man ja nie genug kennen.

 

Das Konzert konnte ich euch leider nicht aufnehmen, GEMA und so. Aber ihr könnt ihre Lieder natürlich zum einen in meiner Radiosendung “ Teeger Time “ beim Querfunk hören. Zu empfangen entweder im Großraum Karlsruhe auf 104,8 MHz, oder im Internet als Livestream auf www.querfunk.de

“ Teeger Time “ gibt es an jedem 2. Freitag im Monat von 13-14 Uhr und an jedem 4. Freitag im Monat von 14-16 Uhr.

Damit ihr jetzt direkt einmal einen Eindruck von ihren LIedern und ihrer Bühnenpräsenz bekommen könnt, habe ich euch hier ein You Tube Video vom Protestsongcontest des Radiosenders FM4 aus Österreich bei dem Sarah Lesch den Song “ Testament “ gesungen hat.

( Danke hierbei an den EuGH, der 2014 entschieden hat, dass das einbetten eines Videos in eine Internetseite, keine öffentliche Wiedergabe und keine Urheberrechtsverletzung darstellt,)

Mein Fazit:

Genau wegen solcher Menschen mache ich das, was ich mache, gerne.

Ich bin zu diesem Konzert in einer neutralen Stimmung gegangen und war gespannt was mich erwarten würde.

Am Ende dieses Abends, hatte Sarah Lesch mein Leben mit ihren Liedern und ihrer Art bereichert.

Was ihr an körperlicher Größe fehlt, macht sie durch ihre Präsenz mehr als wett.

Ein Konzentrat an Menschlichkeit, Intelligenz und Einfühlungsvermögen.

Nun stehe ich heute in der Küche, koche Pudding und singe dazu: “ Einer ist immer der Matrose…“

Ihre CD “ Von Musen und Matrosen “ ist sehr gut, wer jedoch die Möglichkeit hat Sarah live erleben zu können der sollte diese Chance nutzen, denn live legt sie nochmal eine Schippe drauf.

Aber – Ich hasse das Lied „Testament“ ! 😉

Wieso ?

Weil es mich so tief berührt und im Herzen trifft, dass ich jedes einzelne Mal, wenn ich es auf der CD höre, die Tränen nur mit Mühe zurückhalten kann.

Das haben bis jetzt noch nicht viele Künstler geschafft.

Es war ein tolles Konzert und ich wünsche Sarah Lesch alles Gutes und viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg.

Wobei ich daran keinen Zweifel habe.

Mir bleibt zu sagen: “ Ich bin weltfremd. Und stolz darauf.“

 

Hier geht es zur Website von Sarah Lesch: http://www.sarahlesch.de/

Und hier wie angekündigt zu der sehr netten Kollegin, die mit Sarah ein langes Interview gemacht hat. Es wird vermutlich in den nächsten Tagen erscheinen:

https://www.facebook.com/Maria-Sanders-1416953281866107/