Rolf Miller

Alles andere ist primär

 

17.10.2015 – 18:30 Uhr

 

Ich sitze im Foyer des Tollhauses in Karlsruhe und warte auf Rolf Miller.

Heute habe ich das Interview einmal wieder vor der Vorstellung. Das hatte ich länger schon nicht mehr.

Ich passe mich da immer den Künstlern an. Mache mögen es lieber nach dem Soundcheck, andere nach der Veranstaltung und manche sogar in der Pause.

Rolf kommt die Treppe herunter, wir begrüßen uns und wählen die alten Garderoben als Platz für das Interview aus, wegen der gesteigerten Gemütlichkeit.

Bevor wir loslegen, halten wir noch ein kleines Schwätzchen.

Lustig fand ich, dass wir im Interview beide an der selben Stelle plötzlich den Faden verloren haben.

Ja, manchmal verplaudert man sich eben.

 

Kurz vor 20 Uhr betrete ich den großen Saal und suche meinen Platz in Reihe 4 auf.

Soweit ich das Ganze überblicken kann, dürfte es ausverkauft sein.

Nachdem ich mir am Donnerstag bei Sebastian Pufpaff, Schwielen an den…..naja Sie wissen schon….gesessen habe, habe ich mir in weiser Voraussicht ein Leihkissen mitgenommen, denn die Stühle sind sehr hart.

Also wenn sie einen zarten Arsch haben, nehmen Sie sich ein Kissen mit.

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Um 20 Uhr erlischt das Licht und Rolf Miller kommt eiligen Schrittes auf die Bühne, setzt sich auf seinen Stuhl und legt ohne lange Vorreden los von Jürgen zu erzählen.

Kein Hallo, kein Guten Abend, nichts.

Eine ungewöhnliche Eröffnung eines Abends. Gefällt mir. Mal was anderes.

Man merkt deutlich die Einflüsse von Gerd  Dudenhöffer und Gerhard Polt.

Er fängt Sätze an und beendet sie vollkommen anders als…und mit langen, wissenden Pausen.

So als ob für jeden menschen im Saal vollkommen klar sein müsste, was da nun als nächstes kommen würde.

Wieso Worte verschwenden, wenn eh jeder bescheid weiß.

Manche Sätze beendet er auch g…

Wir hören vom Achim, dem Jürgen und dem Apparat, vom Zipfelgesicht Putin, dem Quereinsteiger Beruf Türsteher oder Fußball.

Es sind Sätze wie: “ Keiner steht so Tür.“, “ Wenn nicht wann, dann jetzt.“, oder “ Die meisten Frauen verhüten mit dem Gesicht.“ welche die Zuschauer johlen und lachen lassen.

Diese Schlichtheit, nimmt einen einfach gefangen.

Oftmals weiß man nicht ob man lachen oder den Kopfschütteln soll. Meistens beides.

Eine Frau lacht so heftig, dass auch Rolf lachen muss und ins Publikum ruft: “ Das Irene heute anwesend ? Wenn der Apparat kommt, der zieht dich raus. Aber Sie haben ja heute fürs Lachen bezahlt.“

Es folgen Karius und Baktus, Das Boot und Golf als Einschlafhilfe.

Dazwischen immer mal wieder Sätze für die Ewigkeit, wie : “ Ich nehme mich selbst nicht mehr so wichtig, wie ich bin.“ , oder mein persönlicher Favorit, den aber leider, der Reaktion nach zu urteilen, kaum einer kapiert hat: “ Tatort – Tod in der Küche mit Jan Josef Lafers “

Eigentlich müsste man seine ganzen Sprüche auf T-Shirts drucken und verkaufen.

“ Meine Traumfrau hat eine eigene Meinung und ist auch stark genug sie für sich zu behalten.“

Diesen Satz auf ein T-Shirt und dann auf eine Party der Emma gehen. Da spürt man, dass man lebt. Naja…zumindest noch eine Weile.

Ein Gag jagt den Nächsten und am Ende der Show, freuen sich die Zuschauer über eine ordentliche Zwechfellmassage.

Auch die Zugabe ist besonders, ich kann aber nichts verraten. Das würde den Witz kaputtmachen.

Nach guten 2 Stunden ist die Show vorbei und die Zuschauer gehen, nachdem sie ihre Leihkissen wieder weggeräumt haben, zufrieden nach Hause.

Lassen sie uns nun zum Fazit kommen.

 

Mein Fazit:

 

Zunächst einmal zur Show.

Ich fand Sie sehr gut, aber zum drüber schreiben ein wenig schwierig, da nicht viel spektakuläres passiert. Also von visuellen her.

Rolf Miller sitzt auf einem Stuhl, mit einem Mikro in der einen und einer Flasche Wasser, an der er ab und zu nippt, in der anderen Hand.

Die ganze Zeit.

Und er erzählt Geschichten.

Und da wird es schwer, denn ich möchte auch nicht zu viel verraten, da ansonsten ja keiner mehr hingeht.

Also lieber einen etwas kürzeren Haupttext und dafür noch viele Besucher in der Show.

Aber ich denke, Rolf wird damit gut zurechtkommen. Immerhin gilt er ja als der Minimalist unter den Kabarettisten.

Bei diesem Programm kann man sich zurücklehnen und sich einfach berieseln lassen.

Wer Gerd Dudenhöffer und Gerhard Polt mag, wird mit ziemlicher Sicherheit auch Rolf Miller mögen.

Also gehen Sie hin und sehen Sie es sich selbst einmal an. Tourdaten auf der Website von Rolf Miller: http://www.rolfmiller.de/ 

 

Noch etwas zum Menschen Rolf Miller.

Ich habe schon einmal gehört, dass er ein schwieriger Charakter sein soll.

Dies kann ich nicht bestätigen.

Wir haben uns von Anfang an sehr gut mit einander verstanden und ich habe ihn als absolut bodenständigen, netten und herzlichen Menschen kennen gelernt.

Er weiß wo er herkommt und er vergisst keinen.

Keine Starallüren oder ähnliches.

Natürlich freut es ihn, dass er inzwischen große Säle füllt, aber er weiß eben auch noch wie es ist vor 8 Leuten zu spielen und trotzdem Spaß dabei zu haben.

Sollte ich ihn mit einem Wort beschreiben, würde ich sagen: sympathisch.

Ich glaube in dem Interview, welches ich mit ihm geführt habe, sieht man diesen Mensch deutlich.