Nix wie Kuddlmuddl

 

16.01.2015 – Badisch Bühn – Karlsruhe

 

Die Pause ist vorbei und ich mache mich wieder frisch ans Werk.

Für den Einstieg ins neue Jahr, habe ich mir die Damen und Herren von der Badisch Bühn auserkoren.

Ich verspreche mir ein unterhaltsames Stück, gemütliches Schnabulieren und einen rundum entspannten Abend.

 

So viel sei vorweggenommen – ich werde nicht enttäuscht.

 

Aber beginnen wir am Anfang.

Nein.

Da das Beste ja bekanntlich zum Schluss kommt, werde ich das Essen, heute genau dort behandeln.

Wobei ich ihnen, lieber Leser, ja damit bereits der Spannung beraubt habe, ob das Essen zu meiner Zufriedenheit ausgefallen ist.

Jedoch wissen Sie noch nicht, was ich gegessen habe, oder um in der für mich typischen Gegenwartsform des Erzählens zu bleiben:

Sie wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was ich gegessen haben werde.

 

Beginnen wir also mit dem Stück “ Nix wie Kuddlmuddl “

Es besteht dieses mal nur aus 2, statt den ansonsten üblichen 3 Akten.

Besonders ist auch die Spielweise, da es sich um ein Theaterstück in einem Theaterstück handelt.

 

Worum geht es ?

Ich zitiere hierzu wieder den Text im Flyer der Badisch Bühn:

Theater im Theater !

Der Zuschauer sieht zunächst die Generalprobe einer Boulevardkomödie um die Wahrsagerin Madame Kassandra und ihre Probleme mit Kundinnen, mit ihrer Haushälterin, dem Mann von der Telekom und dem Fensterputzer. – Aber noch läuft das Stück nicht.

Die Generalprobe geht gründlich “ in die Hose „. Der Regisseur ist verzweifelt: Wie soll die Premiere am nächsten Tag laufen ?

Genau diese Premiere zeigt der zweite Akt: Und es kommt alles noch viel schlimmer !

 

Damit ist im Prinzip, alles gesagt.

Und genau da liegt für mich, der über das Stück schreibt, auch das Problem.

Das Stück hat großen Spaß gemacht.

Viel Situationskomik und Slapstick brachten das Publikum zum lachen.

Aber die Story war inhaltlich sehr dünn.

Nicht dass Sie jetzt denken, das Stück wäre schlecht.

Mitnichten.

 

Es muss nicht immer tiefsinniger Humor sein, der einen unterhält.

Die gute alte Bananenschale auf der Strasse, oder die Torte im Gesicht, stehen dem Wortwitz in nichts nach.

Oder anders ausgedrückt: Es muss nicht immer Loriot sein, manchmal tun es auch Dick und Doof.

Zum darüber schreiben, bietet Loriot nur eben etwas mehr Substanz.

Dafür gibt es von Dick und Doof die besseren Bilder.

Dies hier wird also ein eher bildgewaltiger als wortreicher Beitrag.

 

Genau wie im Stück, so stelle ich auch in diesem Beitrag fest, dass er zum Kuddlmuddl neigt.

Es mischt sich Beschreibung mit Fazit und die Erzählformen wechseln sich in einem munteren Reigen ab.

Mühen wir uns also um ein wenig Kontinuität und nennen das Kind beim Namen “ Mein Fazit „, welches wir wie immer in der Vergangenheitsform ansiedeln.

 

Mein Fazit:

Die Schauspieler haben allesamt überzeugt und ihre jeweilige Rolle ausgefüllt.

 

Oliver Meergraf zeigte uns einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit, so dass ich gerne mehr von ihm gesehen hätte.

Seine Rolle als Souffleur, gab dies aber leider nicht her.

 

Marina Menz, zeigte eine große Bandbreite an Emotionen.

Vom Lachanfall, über den Wutanfall, bis hin zum gehässigen Verbrühen ihres Liebsten, war alles dabei.

 

Heidi Binkert sah ich zum ersten Mal auf der Bühne. Sie spielte die intelligenzbefreite Kundin überzeugend und lustig.

 

Nadja Zink hätte ich fast nicht wiedererkannt.

Spielte sie doch bereits im Stück “ Em Karle sei Dande “ mit, in dem sie eine überaus nervige Ehefrau mimte.

Erst als Jürgen Hörner sie um ihre zweiten Haare erleichterte, fiel es mir wie Schuppen von den Selbigen und sofort stellte sich ungewollt eine verschollen geglaubte Antipathie ein.

Dies ist allerdings ein Lob, auch wenn es sich nicht so anhört, da diese Antipathie daher rührt, dass mich Nadja Zink in besagtem Stück als nervige Ehefrau überzeugt hat, was ihrer hervorragenden schauspielerischen Leistung geschuldet ist.

Als kleines Schmankerl, unterhielt sie uns heute mit einer Jonglage.

 

Herbert Setz spielte einmal mehr einen Menschen schlichten Gemüts.

Wie schon in dem Stück “ Tulwezwiwwle gewwe Schnupfe „, überzeugte er in einer solchen Rolle.

Die leicht trotteligen Charaktere scheinen ihm zu liegen, auch wenn er abseits der Bühne natürlich nicht zu diesen gehört.

 

Jürgen Hörner und Andreas Stark waren gleichermaßen Zugpferde und Galionsfiguren in diesem Stück.

In Punkto  Mimik, Gestik, Timing und Witz absolut herausragend.

 

Ein Theaterstück in einem Theaterstück zu sehen, war eine interessante Idee.

Ich habe mich gut unterhalten gefühlt.

Die Zuschauer waren ebenfalls zufrieden und haben viel gelacht.

Von da her, kann ich dieses Stück empfehlen.

Vor allem Freunde der Situationskomik und des Slapsticks, werden hier ihre helle Freude haben.

 

Bevor wir nun zum essen kommen, hier die Bilder des Abends:

Kommen wir nun zum Highlight des Abends.

Und ja – dieses mal war es das Essen.

Selbst Shakespeare hätte seine liebe Müh und Not gehabt, diesem Schmaus den Rang abzulaufen.

 

Heute Abend hatte ich die Wahl auf mein erprobtes Schnitzel zurück zu greifen, oder einmal etwas Neues zu versuchen.

Das Neue, stellte sich mir zunächst auf der Speisekarte mit folgenden Worten vor:

“ Eingelegtes Wildschweingulasch von unserem Eggensteiner Jäger, mit hausgemachten, abgeschmälzten Butterspätzle, Preiselbeeren und Mandelbroccoli für 19,90 € “

Wild ist immer so eine Sache. Man kann es sehr gut zubereiten, oder total verhunzen.

Daher war ich mir etwas unsicher, da mein Magen nach Befüllung lechzte und ich die Sorge hatte, geschmacklich nicht auf meine Kosten zu kommen.

Aber wer nichts wagt der nicht gewinnt.

Geraume Zeit später, erblickte ich einen schön angerichteten Teller, der mein Auge erfreute,

Leider vergaß ich ein Bild von selbigem zu machen.

Meine Augen waren also schon einmal befriedigt.

Mein erster Bissen, galt dem Wildschweingulasch, welches in meinem Mund fast schmolz.

Unglaublich zart, exzellent gewürzt mit einer feinen, nicht aufdringlichen Wildnote.

Selbst das Fett, welches ich in zwei Bissen entdeckte, schmolz in meinem Mund.

So etwas habe ich bis jetzt noch bei keinem Fleisch erlebt.

Es harmonierte perfekt mit den Butterspätzle, welche ebenfalls zart mit feinem, aber nicht hervorstechendem Buttergeschmack glänzten und dem Broccoli, der knackig, bissfest und mit einer feinen Mandelnote überzeugte.

Ich habe noch nie einen so guten Broccoli gegessen.

Begeistert von den einzelnen Aromen, machte ich mich nun an die Mission, alle zusammen auf der Gabel zu vereinen, mit dem Ziel in meinem Mund eine Geschmacksexplosion herbeizuführen.

Was soll ich ihnen sagen – es rummste. Broccoli, Spätzle und Wildschwein, tanzten auf meiner Zunge und entfalteten mal abwechselnd und mal zusammen ihr Aroma.

In meinem Überschwang und dem Bemühen, den Saal nicht durch meine “ Ooohhh „, “ Aaahhh “ und “ hmmmmm“ Laute zu belästigen, vergaß ich ganz die Preiselbeeren.

Diese setzten dem Geschmackserlebnis noch die Krone auf, da nun zum butterigen, frischen, mandeligen, wilden, kräftigen, sanften, zarten Geschmackserlebnis, auch noch ein süßes dazukam.

Um dies auch nur annähernd zu beschreiben, lassen sie mich ein wenig poetisch werden:

Die Butterspätzle bildeten in meinem Magen eine samtige weiche Grundierung, auf der der Broccoli ein Bett baute, in dem das Wildschweingulasch schlief und sich mit der Preiselbeeren-Saucen Kombination zudeckte.

Die 19,90 € waren hier sehr gut investiert.

Da es dieses Gericht nur noch diesen Monat gibt, empfehle ich jedem der eine der noch folgenden 4 Vorstellungen von “ Nix wie Kuddlmuddl “ besucht, es einmal selbst zu versuchen.

Es sei denn sie stehen mit Wild auf Kriegsfuß oder ziehen eine fleischlose Ernährung vor.

Natürlich gibt es für diese Fälle genug andere Speisen, über die ich aber nichts sagen kann, da ich sie leider noch nicht probiert habe.

Bedient wurden wir wieder von der überaus reizenden Jessica, die genau wie ihre Kolleginnen, eine Menge zu tun hatte, da der Laden gerammelt voll war.

Auch eine Bedienung mit schulterlangen. blonden Haaren und einer Brille, kam öfters einmal zu uns an den Tisch und fragte ob wir versorgt wären.

Also wie immer alles sehr nett und zuvorkommend.

 

Die Website der Badisch Bühn finden sie wie immer hier: http://www.badisch-buehn.de/