Karlsruher Theaternacht 2015

 

Samstag 12.09.2015

Heute findet in Karlsruhe die lange Theaternacht statt, bei der 10 Theater in Karlsruhe in Blöcken von je 20 Minuten einen Auszug aus ihrem Programm darbieten.

Bei so einem Event darf ich natürlich nicht fehlen, und so habe ich mir einen Flyer besorgt auf dem die ganzen Startzeiten eingetragen sind um mir einen Plan zurecht zu legen und so viele Theater wie möglich an diesem Abend zu sehen.

Mit 2 Dingen habe ich dabei nicht gerechnet.

  1. Mit dem enormen Zuschaueraufkommen.

Gerade beim Sandkorntheater, in dessen Räumlichkeiten 4 Theater hausieren, ist die Bude so gerammelt voll, dass man sich teilweise schon 2 Vorstellungen im Voraus anstellen muss.

2. Dass man in 10 Minuten zwischen den Vorstellungen mitunter nur schwer zum nächsten Theater kommt, wenn es am anderen Ende des Einzugsgebietes liegt. Mit Warten auf die S-Bahn und laufen, kann das schon einmal bis zu 30 Minuten dauern.

 

Ich beginne noch voller Zuversicht, selbstverständlich alle 10 Theater zu schaffen, um 18 Uhr beim jungen Staatstheater.

Die Jungs und Mädels dort, geben wie es aussieht eine Probe für ihr neues Stück “ Ins Nordlicht blicken “ zum Besten, welches am 25.09.15 in der Insel in Karlsruhe Premiere hat.

Auf jeden Fall redet der Regisseur ständig dazwischen und die eine junge Frau, haut sich gekonnt den Ellenbogen an einer herausstehenden Schraube an und flucht von hinter der Bühne.

Was ich sehe gefällt mir gut.

Also nicht weil die junge Frau sich weh getan hat, sondern weil sehr engagiert und perfektionistisch gespielt wird. Man merkt, dass sich alle Beteiligten viel Mühe geben um aus dem Textbuch das Beste heraus zu holen.

Ich denke, dass ich mir das Stück wenn es in voller Länge aufgeführt wird, in jedem Fall ansehen werde.

Schon alleine um zu wissen, wieso die junge Dame mit dem Aua am Ellenbogen, den jungen, wütenden Mann mit Krabbenbandphobie, Rauch ins Gesicht bläst.

Hier ein paar Bilder von der Probe:

Als nächstes steht das “ Tiyatro Diyalog “ auf dem Programm, welches sich im Haus des Sandkorn Theaters befindet und einen Auszug aus “ Eine badisch-migrantische Drei-Cent-Oper “ aufführt.

Ich sitze in einem kleinen Theater – wobei – eigentlich sind fast alle Theater an diesem Abend eher klein. Selbst das Kammertheater habe ich mir größer vorgestellt. Auch wenn da ja schon die “ Kammer “ im Namen steckt.

Aber zurück zum aktuellen Theater.

Vor mir auf der Bühne, welche sich ebenerdig befindet, stehen links zwei Stühle und rechts sitzt eine Band.

Prostituierte streifen durch den Saal..na ja…durch den Raum, und reichen kleine Flyer in Form von Lesezeichen herum, auf denen die Spielzeiten des Stückes vermerkt sind.

Ein alter, weißhaariger Mann, niest geräuschvoll und wedelt dann, aufmerksam seine Bakterien mit dem Flyer zu mir herüber.

Ich kann meine „Dankbarkeit“ kaum kontrollieren und konzentriere mich daher wieder auf die Prostituierten, welche natürlich genauso wie die Bettler, die herumgehen und um 3 Cent bitten, von Schauspielerinnen und Schauspielern dargestellt werden.

Nicht dass noch jemand auf dumme Gedanken kommt.

Die beiden Prostituierten setzen sich auf die Stühle und wir lernen Machmut den Zuhälter kennen.

Er nimmt sich eine junge und unerfahrene Frau und möchte sie augenscheinlich seinem “ Harem “ hinzufügen.

Die Dame, welche ein wenig Rachel Lee Cook ähnelt, möchte jedoch ihre Unschuld nicht vor der Ehe hingeben und so erhält Machmut Hilfe von seinen beiden Schergen Schakal und Hyäne, von denen der Blonde ein wenig an Matthias Schweighöfer erinnert, indem sie eine Hochzeit inszenieren.

In der nächsten Szene sehen wir Machmut im Gefängnis, wo er von einer anderen seiner Frauen Besuch bekommt, die ihn auch unbedingt heiraten möchte und dies mit einem Organ untermauert, dass man Sie sich eigentlich nicht als Ehefrau wünscht, sofern man an seinem Trommelfell hängt.

Was mir gut gefällt ist, dass die Charaktere glaubwürdig gespielt sind und man wirklich das Gefühl bekommt, sich inmitten der Szenerie zu befinden.

Da ich natürlich gerne wissen möchte, wie die Geschichte um Machmut und seine Frauen weitergeht, werde ich sicherlich auch diese Vorstellung noch einmal komplett besuchen.

Auch zu diesem Stück, gibt es selbstverständlich Bilder:

Als ich das Tiyatro Diyalog verlassen möchte, bietet sich meinem Auge eine geradezu obszön große Menschenmenge, welche sich im Foyer des Sandkorntheaters versammelt hat und die Treppen verstopft.

Ich erfahre, dass die Menschen teilweise schon für die übernächste Vorstellung anstehen und mein Traum von 10 Theatern an einem Abend beginnt zu bröckeln.

Eigentlich wollte ich ins Marotte Figurentheater und ins Sandkorntheater. Da ich jedoch nicht den Wunsch verspüre, stundenlang zwischen dieser Menschenmenge auszuharren, beschließe ich es zunächst in einem anderen Theater zu versuchen.

Der liebe Gott hält das auch für eine gute Idee. Und da er nach einem Blick in meine Wohnung gesehen hat, dass ich keinen Schirm dabei habe, schickt er Regen um mich nach diesem schwülen Tag zu erfrischen. Das rede ich mir zumindest ein.

 

Da es bis zum anderen Ende der Stadt zeitlich ein Problem werden könnte, heißt mein nächstes Ziel: Kammertheater

Meine Entscheidung erweist sich als richtig, da im Kammertheater deutlich weniger Leute sind, als im Sandkorntheater und ich keine Probleme habe direkt in die nächste Vorstellung von “ Blues Brother “ zu kommen.

Tolle Musik, tolle Kostüme, tolle Sänger, tolle Stimmung. Was soll man mehr dazu sagen ?

Eine rundum gelungene Bühnenshow macht Lust auch mehr – viel mehr.

Es werden Lieder wie “ Jailhouse Rock “ gesungen, welche von Videos oder Bildern auf der Rückwand der Bühne stimmungsvoll untermalt werden.

Man sieht z.b. eine Fahrszene oder Gefängnisblöcke.

Das Publikum wird zum mitklatschen animiert und geht sehr gut mit. Aber Karlsruhe hat meistens gutes Publikum.

Da in den 20 Minuten in erster Linie Lieder und Tanz gezeigt werden und nur ein ganz kleines bisschen Schauspiel, kam man natürlich vom Inhaltlichen und der Geschichte nicht so viel dazu schreiben.

Wenn das restliche Programm aber in diesen Intensität weitergeht, zweifel ich nicht daran, dass es ein Hammer ist.

Ich gehe in jedem Fall hin und werde es mir noch einmal ganz ansehen.

Damit man sich eine Vorstellung von dem machen kann, was es in den 20 Minuten zu sehen gab, hier ein paar Bilder.

Da die Zeit knapp wird, beschließe ich wieder zurück zum Sandkorntheater zu fahren. Immerhin habe ich dort noch 3 Theater nicht gesehen.

Das Marotte Figurentheater ist leider so hoffnungslos überlaufen, dass ich an diesem Abend keinen Platz mehr finden werde. Um 22 Uhr stehen bereits die Leute für 23 Uhr an.

Also beschließe ich zunächst ins Sandkorntheater zu gehen, wo an diesem Abend 20 Minuten von “ Der Teufel von Mailand “ gezeigt werden.

In diesem Stück geht es um eine Frau, die vor ihren Ex Mann flüchtet, der wohl bald aus dem Gefängnis entlassen wird.

Dazu schnappt sie sich ihren Vogel und macht sich auf in die Schweizer Bergwelt, um dort einen neuen Job in einem Hotel anzutreten.

Susanne Buchenberger spielt sehr intensiv und versucht den Zuschauer mit einer Mischung aus Erzählungen und Stimmen aus dem Off in ihren Bann zu ziehen.

Da wird sogar der im Käfig aufgemalte Vogel lebendig.

Da in den 20 Minuten nur ein Auszug des Stückes vorgestellt wird, wirkt es teilweise ein wenig hektisch und unübersichtlich.

Um zu sehen ob dies nur daran liegt, werde ich auch dieses Stück wieder besuchen um dann über das ganze Stück berichten zu können.

Für den Moment, hier noch ein paar Bilder:

Da es inzwischen 23 Uhr geworden, und das Marotte Figurentheater noch immer voll ist, entscheide ich mich, den Abend mit einem Besuch im Jakobus-Theater abzuschließen.

Hier wird das Stück “ Was ihr wollt “ von Shakespeare gegeben.

Um wiederzugeben um was es sich handelt, zitiere ich einmal den Auszug aus dem Flyer der Theaternacht 2015:

“ Orsino, Herzog von Illyrien, liebt Gräfin Olivia. Als Liebesboten sendet er seinen Diener Cesario.

Was er nicht weiß: Hinter dem vermeintlichen hübschen Jüngling verbirgt sich eine Frau.

Während Olivia die Liebe Orsinos nicht erwidert, sich jedoch in seinen Diener verliebt, entbrennt die sich hinter Cesario verbergende Viola in Liebe zu ihrem Herzog.

Und dann wäre da noch Violas totgeglaubter Bruder Sebastian, ihr zum Verwechseln ähnlich…“

Auch hier gibt es 20 Minuten zu sehen, in denen viele interessante Charaktere auftreten, welche alle glaubwürdig gespielt und einige sogar inbrünstig verkörpert werden.

Hierbei zu nennen ist z.b. die Kammerzofe, welche von Magdalena Maier gespielt wird und die auf der einen Seite so ein kleines Energiebündel zu sein scheint und trotzdem so knuddelig und zart daherkommt, dass man sie an liebsten eintüten und mit nach Hause nehmen möchte.

Auch dieses Stück werde ich mir selbstverständlich noch einmal in Gänze ansehen.

Kommen wir nun noch zu ein paar Bilder von dem Stück und dann zum Fazit des Abends.

Mein Fazit:

Für 12 Euro an der Abendkasse und 10 Euro im Vorverkauf, hat man jede Menge Theater bekommen.

Leider war die zeitliche Planung meiner Ansicht nach nicht so gelungen, da man von einem Theater zum anderen doch deutlich mehr als 10 Minuten gebraucht hat, was es sogut wie unmöglich machte, alle 10 Theater an diesem Abend zu besuchen.

Hier wäre entweder ein früherer Beginn z.b. bereits am Mittag oder eine höhere Spielfrequenz, sagen wir alle halbe Stunde anstatt jede Stunde besser gewesen.

Die 4 Theater im Gebäude des Sandkorntheaters, hätten ohne Probleme in 2 Stunden gesehen werden können, da es zwischen den Theatern nur ein paar Minuten Weg sind.

Auf dem Papier wirkte das alles machbar, jedoch durch das große Zuschaueraufkommen, war eine Planung nur schwer möglich, da die Zuschauer teilweise schon für die übernächste Vorstellung anstanden.

Die Vorstellungen welche ich besucht habe, waren allesamt sehr gelungen und ich werde mir diese auf jeden Fall noch einmal komplett ansehen.

Auch die Theater, welche ich leider an diesem Abend nicht sehen konnte, das Unitheater, den Werkraum, das Marotte Figurentheater und die Käuze, werde ich noch besuchen.

Bei der Badisch Bühn, bin ich ja sowieso regelmäßig zugegen und über ihr Stück “ Tulwezwiwwle gewe Schnupfe“ aus dem sie an dem Abend 20 Minuten gezeigt haben, habe ich ja bereits ausführlich hier auf meiner Seite berichtet.

Für die Theaternacht 2016, wünsche ich mir einen etwas früheren Beginn. Vielleicht um 15 Uhr und eine höhere Spielfrequenz wenn absehbar wird, dass mehr Zuschauer als erwartet kommen.

Ansonsten war alles toll organisiert, die Leute alle freundlich und man hat sich gut aufgehoben gefühlt.

Daher ein Lob an die Organisatoren.