Jochen Malmsheimer am 17.04.2015 in Tübingen

 

Tübingen 17.04.2015

 

Heute werde ich Jochen Malmsheimer zum Interview treffen und mir seine Show ansehen.

Nachdem ich in Vorbereitung darauf zwei andere Interviews von ihm angesehen b.z.w. angehört habe, ist mir schon ein wenig mulmig.

Da antwortete Jochen Malmsheimer auf die Frage, was er in Zukunft planen würde “ Das werde ich ihnen bestimmt nicht erzählen !“

Jochen Malmsheimer – ein Mann wie ein Bär. Genau so behaart, nahezu genau so schwer und gewaltig.

Nur in Punkto Wortgewandtheit ist er dem Bär deutlich überlegen.

Wie jeder weiß – bei einem Bären niemals Angst zeigen. Und nie davonrennen.

Also betrete ich um 18:30 Uhr todesmutig die Höhle des Bären.

Naja, genauer gesagt hat man mich mit einer Taschenlampe bis vor die Garderobentür geleitet. Als ich mich umsehe, bemerke ich hinter mir nur Finsternis.

Der Fluchtweg ist mir also abgeschnitten.

Nun dann, anklopfen und herein.

Hoffentlich habe ich ihn nicht gerade beim Winterschlaf gestört.

Freundlich begrüßt er mich – puh – also satt scheint er zu sein.

Es steht eine sehr hässliche Couch in seiner Garderobe, aber sie ist besser, als ein Interview auf einem Stuhl, also erwähle ich sie.

Außerdem erhoffe ich mir von dem hypnotische anmutenden Blumenmuster, eine beruhigende Wirkung.

Beim Interview fühle ich mich tatsächlich wie ein Großwildjäger, der einem Bären in die Augen starrt. Immer darauf gefasst angefallen und zerfleischt zu werden.

Denn merke ! Auch wenn er noch so kuschelig wirkt – es ist und bleibt ein wildes Tier !

Vorsichtig taste ich mich mit meinen Fragen heran.

Manche Antworten kommen wie die Prankenschläge eines ausgewachsenen Grizzlybären, sind aber dann im Abgang doch eher sanft und spielerisch.

Sehr gut. Ich habe diesem wilden Tier signalisiert, dass ich ihm nichts böses will und er lässt mich näher herankommen.

Die hohe Kunst der Duplomatie, denke ich bei mir und fühle mich ein wenig wie Heinz Sielmann.

Wir tänzeln um einander herum.

Ich beginne mit “ sie jonglieren mit Worten “

Er kontert mit “ Ich bemühe mich um unfallfreies sprechen, das hat mit Jonglage nichts zu tun “

Welch Wahnsinn ritt mich, den Terminus “ mit Worten jonglieren “ in eine meiner Fragen einzubauen ?

Dies sind die Momente in denen man schon während man die Frage stellt denkt: “ Au Backe “

Ich rede wie im Fieber und höre mich Dinge sagen wie “ die durch ihre Schlichtheit bestechen….“

Herrgott, denke ich mir – das bist doch nicht du !

Versuch nicht einen auf Schweinchen Schlau zu machen, sondern sei du selbst.

Mich selbst stört es im Fernsehen ja auch immer, wenn der Fragende dem Gefragten zu vermitteln versucht, wie gut er in der Materie drin ist und dass er ein mindestens genau so großer Experte auf dem Gebiet ist, welches er gerade behandelt.

Das ist fast so schlimm, wie Kritiker, die meinen, dass ihre Meinung die einzig legitime ist und sich gefälligst jeder in Punkto Geschmack danach zu richten habe.

Würde ich alles wissen und alles können, was Jochen Malmsheimer weiß und kann, dann müsste ich ihn nichts mehr fragen, sondern könnte mich selbst interviewen.

Ich stelle die folgenden Fragen nun wieder mehr nach meiner Art.

Schließlich muss ich ihn nicht durch besonders gewählte Sprache beeindrucken, sondern ihm zeigen, dass mich das, was ich ihn frage, auch wirklich interessiert.

Aber seht es euch am Besten selbst einmal an:

Auch wenn ich während des Interviews Blut und Wasser geschwitzt habe, habe ich es sehr genossen.

 

Nun ist es nicht mehr weit bis zum Beginn der Vorstellung.

Das Kinomuseum in Tübingen ist gut gefüllt.

Die Altersstruktur des Publikums, kann man als bunt gemischt bezeichnen.

 

Jochen Malmsheimer betritt die Bühne und verkündet den Ablauf des Abends.

Das fotografieren mit Blitz ist streng verboten.

Fotos ohne Blitz, Ölgemälde und Radierungen sind gestattet. Ja man dürfe sogar auf die Bühne kommen und ihn abpausen wenn man möchte.

In der folgenden Zeit, erfahren wir einiges über Meerschweinchen und, dass Jochen immer eine gültige Stuhlprobe auf der Bühne dabei hat.

Er erzählt von den neuen und den gebrauchten Bundesländern und Misanthropen.

Welche Worte er dabei gekonnt einsetzt, würde ich ihnen gerne erzählen, aber ich kann meine eigene Schrift nicht mehr lesen.

Mein altes Problem – von der Handschrift her, könnte ich Arzt sein…

Sagen wir einfach: Er hat es gekonnt gemacht.

Dieses Programm ist lehrreich wie eine Deutschstunde, aber wesentlich unterhaltsamer, umfassend wie ein Wörterbuch, nur lauter.

Es ist kalt im Saal.

In der ersten Reihe spürt man förmlich die eiskalte Titanenfaust, von der auf der Bühne erzählt wird.

Auch Jochen bemerkt die Kälte welche, soviel sei vorweggenommen, im Laufe des Abends noch zunehmen sollte, und bittet darum, es doch etwas wärmer zu machen.

Nachdem dahingehend nichts passiert, bittet er nach geraumer Zeit ihn doch bitte zu informieren, wenn der Schneefall einsetzen würde.

“ Ein Film beschwert sich nicht. „, wirft er in den Raum.

Dazu muss man sagen, dass dort wo er steht normalerweise auch Filme vorgeführt werden.

 

Naja, immerhin ist sein Wasser auf der Bühne dafür nicht kalt, sondern lauwarm.

“ Es gibt eine Firma, die lauwarmes Wasser herstellt. Und überall wo ich hinkomme, war die schon da ! Bemerkenswert,“

Nun folgt ein Klassiker. Das Wurstbrot.

Genial wie immer. Alleine die Gesichtsentgleisungen sind die Reise wert.

Einziger Wermutstropfen – die “ Bäckerschwuchtel “ ist wohl der political correctness zum Opfer gefallen und ist nun eine “ Bäckermorchel “

Beim Radiosketch, ein erneuter Seitenhieb auf die Raumtemperatur.

Normalerweise sagt er immer wenn er den Mikroständer mit dem Telefonhörer auf die Bühne trägt: “ Jetzt dürfen die Älteren den Jüngeren erklären, was der Onkel da aufgebaut hat. Der wird doch jetzt nicht duschen wollen !“

Dieses mal sagt er: “ Ich werde doch hier nicht duschen. Würde ja alles gefrieren !“

Als er von einem Interview mit einem Journalisten erzählt, rutscht mir kurz das Herz in die Hose. Der wird doch nicht mich meinen.

Der Journalist hatte ihn gefragt wie er sich denn so fühle als Dicker.

Puh – zum Glück würde ich sowas nie fragen.

Es folgen Erzählungen über Senioren mit blauen Haaren und dass Älter werden heißt, beige zu werden.

Nachdem wir erkannt haben, dass Männer ja vollkommen zurecht als vollkommen gelten ( “ Wer an dieser Stelle klatscht, dem sollen die Hände abfallen !“ – Egal – batsch batsch batsch….plums….mist ), gibt es noch eine Ode an den Spiegel ( nicht die Zeitung ), bevor es in die Pause geht.

Nach der Pause, verwendet er plötzlich sehr viele Halbsätze, ala Piet Klocke.

Ich frage mich ob er bewusst Piet Klocke imitiert, oder nur zufällig so spricht wie er.

Nun lernen wir den Unterschied zwischen Kabarett und Cabaret.

Jochen Malmsheimer in Strapse, wäre Cabaret.

Auf diese Lehrstunde hätte ich verzichten können.

Diese Bilder bekomme ich nie wieder aus dem Kopf.

Nie war sein Ausspruch: “ Es gibt jede Menge Tunnel vor dem Licht “ zutreffender.

Als er noch einen Schluck von seinem Wasser nimmt, mutmaßt er, dass ein Aufkleber auf der Flasche fehlt: “ Nur zur äußeren Anwendung “

Ein Rochengedicht, die Korinther und Paulus bilden den Abschluss dieses gelungenen Abends

Um euch nun einen kleinen Einblick in die unglaubliche Mimik des Jochen Malmsheimer zu geben, habe ich eine geradezu obszöne Menge an tollen Bildern für euch herausgesucht.

Viel Spaß beim ansehen:

Mein Fazit des Abends:

Ich habe an diesem Abend einen gewaltigen, aber friedvollen Bären kennengelernt.

Seine Show war ein Knaller und ich habe sehr gelacht.

Was soll man zu Jochen Malmsheimer noch groß sagen ? Man muss ihn einfach erlebt haben.

Dieser Mann hat sein ganzes Sein in den Dienst der deutschen Sprache gestellt – gut so.

Mit Leidenschaft, gelebten Emotionen und Wortwitz, schafft er es das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

 

Wer gerne mehr von Jochen Malmsheimer hören oder möchte, der kann hier seine zu runden Scheiben gepressten Worte käuflich erwerben:

Jochen Malmsheimer: Ermpftschnuggn trødå!: – hinterm Staunen kauert die Frappanz

Jochen Malmsheimer: Ich bin kein Tag für eine Nacht oder: Ein Abend in Holz, 2-CD-Set

Jochen Malmsheimer: Flieg Fisch, lies und gesunde: oder: Glück, wo ist dein Stachel ?

Jochen Malmsheimer: Wenn Worte reden könnten oder 14 Tage im Leben einer Stunde

Jochen Malmsheimer: Halt Mal Schatz

 

Hier auch noch der Link zu seiner Homepage:

http://www.jochenmalmsheimer.de/