Jedds griegsch dei Fedd weg

Badisch Bühn

 

13.11.2015

Liebe Mutter, lieber Leser,

sie müssen nun sehr tapfer sein, denn ich werde wie üblich bei meinen Besuchen der Badisch Bühn, meine Aufmerksamkeit zunächst dem Essen und derer, die es mir kredenzen zuwenden.

Meine Mutter meint zwar ich würde zu viel übers Essen schreiben, aber ich bin der Meinung, es gibt Essen über das man gar nicht genug schreiben kann.

Und da ich ein alter Revoluzzer bin, werde ich mich dem Essen heute nicht nur widmen, sondern es auf einen Sockel heben, anbeten und mich selbst geißelnd in den Staub zu seinen Füßen werfen.

Wobei ich ehrlich gesagt inständig hoffe, dass mein Essen keine Füße haben wird, da ich es zum einen vom ästhetischen Gedanken her nicht ansprechend finden würde, und zum anderen die Aussicht, mein paniertes Schnitzel durch den Saal jagen zu müssen, bevor ich zum Verzehr schreiten kann, von allen Zentren meines Gehirnes, das Glückszentrum wohl niemals stimulieren würde.

Nun habe ich ihnen bereits verraten, dass ich mir ein Schnitzel bestellt habe.

Genauer gesagt ein handgeklopftes Schnitzel mit Pommes und Rahmsoße, die traditionell unter den Pommes versteckt wird.

Ja ich weiß, ich bestelle das nun bereits zum dritten Mal.

Ich bin in die Schnitzel dieses Etablissements einfach verliebt.

Während ich dieses Schnitzel ordere, fällt mir auf, dass mich jedesmal wenn ich hier bin, eine andere Bedienung bedient und ich die Vormaligen nirgendwo ausmachen kann.

Ich schaue noch einmal in die Karte, wo genau das Fleisch für die Schnitzel herkommt.

Meine heutige Bedienung heißt Jessica.

Zu meiner Erleichterung wirkt sie nicht handgeklopft.

Beschließe, falls ein Koch mit einen Beutel Paniermehl ums Eck kommt, mich heldenhaft in seinen Weg zu werfen und zu schreien: „Lauf Jessica lauf !“

Ich weiß, ich habe es schon einmal geschrieben, aber ich kann es nicht oft genug schreiben: Dieses Schnitzel ist ein Schnitzel, wie es sein sollte.

Kein Fett dran, keine Knorpel, Sehnen, oder ähnliches.

Es kann komplett und ohne Verlust vertilgt werden.

Die Panade ist fest, aber nicht pappig.

Selbst der Einsatz der mitgelieferten Zitrone, bringt sie nicht dazu Wellen zu schlagen.

Die Pommes sind exakt auf den Punkt. Kross, fest, aber nicht zu fest und auf keinen Fall labberig. Genau richtig.

Man möchte sie einpacken, zu MC Donalds fahren, sie dem erstbesten Mitarbeiter an den Kopf werfen und mit gebieterischer Stimme in die Stille des Raumes rufen: “ So werden Pommes gemacht……du Depp.“

Der Salat ist Hammer.

Ich bin normalerweise kein so großer Salat-Fan, aber dieser Salat ist so gut angemacht, dass ich das Unkraut, welches im Zeugenschutzprogramm den neuen Namen Rucola bekommen hat, direkt mitesse.

Zum Abschluss meines Gelages, ordere ich noch 3 Bollen Eis mit Sahne.

Ich präferiere die Sorten Joghurt-Zitrone, Heidelbeersorbet und Schokolade, mit denen ich bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht habe.

Es kommt eine Schale mit exakt 3 Bollen Eis, einer darauf befindlichen Sahnehaube, einem Waffelröllchen und Weihnachtsdekoration……Weihnachtsdekoration ?

Nach genauerer Betrachtung, stellt sich die Weihnachtsdekoration als Physalis heraus.

Also sowas haben wir früher an den Baum gehängt.

Irgendwas stimmt hier nicht.

Ich sehe 3 Bollen Eis.

Einer ist lila, einer weiß und einer cremefarben….hmmmm….

Mit kommt der Verdacht, dass einer dieser Bollen nicht das ist, was er vorzugeben scheint.

Ein illegaler Eiswanderer sozusagen.

Ich zücke meinen Löffel und rufe in Gedanken in den Becher: “ Eisländerbehörde – ihre Papiere bitte !“

Kurz darauf, habe ich einen Verdächtigen. Er schmeckt nach Vanille.

Er sieht mich mich traurigen Augen an, ich schmelze dahin und beschließe ihn nicht zurück über die Bechergrenze zu schicken, sondern ihm im Auffanglager „Magen 1″ Unterschlupf zu gewähren.

Nein – im Ernst.

Es mag Menschen geben, die einen Becher Eis zurückgehen lassen, wenn eine Kugel falsch ist.

Ich sehe vor meinem geistigen Auge dann immer eine weinende Bedienung, die von ihrem Gehaltsscheck 3 Bollen Eis abgezogen bekommt.

Und das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

Diese Mädels machen einen hervorragenden Job, sind immer freundlich und um das Wohl der Gäste besorgt.

Da kann ich auch mal einen Bollen Vanille fressen und mir vorstellen es wäre Schoko.

Und ja ich weiß manche von ihnen werden unken: “ Wenn dich die Bedienung fragt, ob du alles hast, oder noch etwas brauchst, dann will Sie dir nur noch etwas verkaufen !“

Das mag richtig sein.

Aber sie machen es so charmant, dass man sich der Illusion hingeben kann, man könnte sich sofort auf den Tisch werfen und 3 Bedienungen kämen um einem den Rücken zu massieren. Unentgeltlich.

Habe ich natürlich nicht getan. Ich zerstöre mir doch nicht absichtlich meine Illusionen.

Jessica wird sich im Verlauf des Abends immer aufmerksam bücken, wenn sie an meinem Tisch vorbeigeht.

Nein, weder um mir zu huldigen, noch wegen dem Schweinkram, den Sie jetzt im Kopf haben, sondern einfach um mir nicht durchs Bild zu laufen, wenn ich ein Foto mache.

Ein aufmerksames Mädchen.

*hust* Gehaltserhöhung *hust*

Kommen wir nun aber weg vom Essen und hin zu dem Stück des Abends.

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“ Jedds griegsch dei Fedd weg “ ist heute sozusagen ein Triple Titel.

Zunächst einmal hat das Schnitzel sein Fett weg bekommen, dann die Figuren des Stücks, und jetzt die Schauspieler.

Mal sehen ob sie dabei genau so zart wegkommen, wie das Schnitzel.

Zunächst einmal wie immer der Flyertext, damit man weiß um was es geht:

Weil er die Tochter eines reichen Imbissketten-Besitzers ausgenommen hat, sind Auftragskiller hinter dem Heiratsschwindler Moritz Engel her.

Deshalb flüchtet er in die Schönheitsklinik Schwanensee, um sich von seinem früheren Studienkollegen Dr. Roland Meister „unkenntlich“ machen zu lassen. 

Doch Dr. Meister hat viel ehrgeizigere Pläne.

Durch die Behandlung des verschrobenen Künstlers Kuno von Kaienberg und der Adligen Herlinde von Hohenstein erhofft er sich den beruflichen Aufstieg zum Chefarzt.

Aber auch Dr. Meister “ kriegt sein Fett weg“.

 

20:15 Uhr

Jürgen Hörner betritt die Bühne und verkündet neben der Standard-Ansage von Handys, Selbstschussanlagen “ Das erste Klingeln hören sie noch…“, den Akten und der Pause, auch die Uraufführung des neuen Stücks “ Doppelmord im Altersheim “ am 3.6.2016.

„Na das ist ja noch eine Weile hin“, denke ich mir, während auf der Bühne ein Ticket für die Badisch Bühn als perfektes Weihnachtsgeschenk angepriesen wird.

 

Hernach habe ich noch kurz Zeit den letzten Pommes auf meinem Teller den Gar aus zu machen.

Die restlichen Bilder des heutigen Abends, finden sie nicht wie gewohnt auf den folgenden Text aufgeteilt, sondern komplett am Ende dieses Berichtes.

Mittendrin, hätten sie dieses mal einfach nicht gepasst.

Außerdem sind es sehr sehr viele Bilder geworden.

 

Ok, wir gehen die Sache heute einmal etwas anders an.

Stellen sie sich vor, sie sind 80 Jahre alt, weiblich, bebrillt und sitzen gemütlich in einem Schaukelstuhl am Kaminfeuer in freudiger Erwartung des grimmen Schnitters…ne…ihrer neuen Lektüre.

Der Postbote klingelt und kurze Zeit später halten sie ein Heftchen Din A5, mit ca. 100 Seiten in der Hand dessen Cover folgendermaßen aussieht:

Groschen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie freuen sich ein zweites Loch in den……Bauch, und beginnen begierig zu lesen:

Die gute Seele der Schönheitsklinik Schwanensee, Frau Karin Kehrer, kümmert sich wie immer energiegeladen darum, dass die Rezeption besetzt und die Klinik makellos sauber ist.

Ihr ehrgeiziger, junger, gut aussehender aber pedantischer Chef Dr. Roland Meister hat wieder einmal etwas zu bemängeln, als sein alter Freund und Studienkollege Moritz Engel überraschend hereinschneit.

Er nennt ein Problem sein Eigen und ist in der Hoffnung gekommen, dieses von seinem Freund aus dem Wege räumen zu lassen, bevor er aus dem Weg geräumt wird.

*Kurze Pause für einen Schluck Tee aus ihrer geblümten Teetasse mit passender Untertasse und Silberlöffel mit verzierten Stil. Sie denken sich “ Potztausend – das wird  spannend“. Dann stellen Sie die Tasse wieder ab, riskieren einen flüchtigen Blick ins Kaminfeuer und richten ihre Augen wieder auf ihre Lektüre. *

Moritz hat umgelernt auf Heiratsschwindler.

Da er von der falschen Frau Geld genommen hat, muss er nun Versengeld geben, da die Häscher des Vaters der Frau ihm nach dem Leben trachten.

Das Gebot der Stunde heißt: Umgestaltung des Gesichts.

Die beiden Freunde einigen sich und Moritz harrt der Dinge die da kommen mögen, als sich die Tür öffnet und die birnenförmige Rosa Schulze in die Schönheitsklinik und sein Leben tritt.

Rosa hatte in ihrem Leben immer nur Pech mit den Männern und sucht ihr Heil nun in einer Schönheitsoperation, welche sie mit ihrem Lottogewinn finanzieren möchte, wie sie der aufmerksamen und geduldigen Karin am Empfang erzählt.

Moitzens Aufmerksamkeit ist geweckt, als das Wort “ Lottogewinn“ an sein Lauschgebälk dringt und er beginnt sich Rosa vorsichtig flirtend zu nähern.

*An dieser Stelle rufen Sie entrüstet in ihren Heftroman: “ Rosa – Vorsicht – er will nur dein Geld !“*

Bei Gräfin Herlinde von Hohenstein, wirkt nicht nur der Name aufgeblasen….ne…ne.. das würde da so nicht stehen. Also anders.

Gräfin Herlinde von Hohenstein trägt heute ein wahrlich majestätisches Dekolleté zur Schau, als sie grazil durch die Tore zum Empfang schreitet.

Heute scheint es hier wie im Taubenschlag zu zugehen, da kurze Zeit später bereits der exzentrische Künstler Kuno von Keilberg die Szenerie betritt.

Die Gräfin ist erfreut, solch erlesene Gesellschaft zu haben und möchte gerne des Künstlers künstlerische Note visuell erfahren.

Rosa Schulze hingegen ist nicht gewahr der Prominenz, deren Licht ihre bojenförmige Gestalt zu erleuchten sucht.

* Sie lächeln milde und sagen: “ Ja ja, die Rosa. Sie ist eben ein bisschen schlicht.“*

Fasziniert, wohnt die Gräfin des Künstlers Schaffensprozess, welchen er an einem Strauch auslebt, bei, als plötzlich der Doktor, nebst Gefolge, welches aus seiner Assistenzärztin und Freundin Dr. Sabrina Sacher besteht, den Raum betritt um sich nach des Künstlers Begehr zu erkundigen. Leck mich am Arsch, was ein Satz !

Dieser, wünscht sich eine Nasen OP um das Gesamtkunstwerk Kuno von Keilberg zu komplettieren. 

Im Patientengespräch, stellt sich außerdem heraus, dass er unter einer Schizophrenie leidet und daher Neuroleptika nehmen muss, andernfalls er sich Anfällen ausgesetzt sieht, bei denen er vergisst, wer er ist.

*Ein “ Der arme Mann !“ entweicht ihrer Kehle, bevor sie selbige wiederum mit heißem Tee benetzen.*

Die Staatsgewalt, in Form der jungen, attraktiven, von der Abneigung gegen Männer getriebenen, Polizistin Astrid Sacher, durchschreitet mit weiblich zarten, wenn auch durch die Uniform, maskulin angehauchten Bewegungen das Tor zum Tempel der künstlichen Schönheit, mit dem Ziele, ihre Schwester die Assistenzärztin Dr. Sabrina Sacher zu besuchen.

Gefangen im Teufelskreis eines immerwährenden Streites mit ihrem Schwager in Spe, Dr. Roland Meister, der sie geringschätzig als “ Kampflesbe“ tituliert, versucht sie ihrer Schwester, den ungeliebten Liebhaber auszureden.

Von ungezügelter Kreativität ergriffen, ergreift Kuno von Keilberg einen Lippenstift und kreiert sein bis dato monumentalstes Kunstwerk – „Leidenschaft unter Wasser“.

Der Zwischenzeitlich in einen Italiener im Körper eines Spaniers verwandelte Moritz Engel, beginnt mit säuselnden Verlockungen, der reichen Rosa Hirn zu umnebeln und Herz zu gewinnen.

Auch die Gräfin trachtet nach Zuneigung und hat, dieses Ansinnen zu befriedigen, den Künstler Kuno auserkoren, welcher sich den Flirtversuchen der Gräfin jedoch nur kurz ausgesetzt sieht, da die Zeit der Umgestaltung des Künstlers Riechorganes nun gekommen ist.

Von schmalzig, schmeichelndem Wort umgarnt und wilder Wollust getrieben, sinkt schließlich auch Rosa darnieder und entschwindet mit dem garstig gierigen Moritz den Beischlaf zu vollziehen.

*Ebenfalls von den wärmenden Worten des eigentlich doch verachtenswerten Heiratsschwindlers umgarnt, erwischen sie sich dabei, wie folgender Satz ihrer Kehle entfleucht:“ Also den würde ich aber auch nicht von der Bettkante stoßen.“ Erschrocken über sich selbst, nehmen sie rasch einen weiteren Schluck Tee und vergraben sich wieder in ihren Groschenroman*

Der nächste Tag bricht an und Frau König, ihrerseits Tochter eines Würstchenmagnaten und letztes Opfer von Moritz Engel, betritt die Schönheitsklinik.

In einem Körbchen führt sie ihre treue Hundedame „Tussi“ mit sich.

Dr. Roland Meister indes sieht seine Pläne Chefarzt zu werden in greifbare Nähe rücken und beginnt die Gräfin zu bezirzen, was seiner Partnerin Dr. Sacher selbstredend nicht behagt.

Gräfin Herline von Hohenstein hingegen bringt Moritz in Verlegenheit, als sie versucht mit ihm auf italienisch zu reden.

Die OP Kuno von Keilbergs, scheint gut verlaufen zu sein und begierig des Gesamtkunstwerkes ansichtig zu werden, entfernt dieser den Verband, welcher seine neue Nase bedeckt.

Aber oh Schreck, was ist das ? 

Ein Rüssel um den ihn ein jedes Hausschwein beneiden würde, ziert sein Gesicht.

Rosa, ganz ihn ihrem Element, versucht den armen Kuno zu trösten und bietet ihm ein paar Schweinsöhrchen an.

Barsch weist dieser Sie zurück, verlangt lautstark danach Dr. Meister zu sprechen und droht diesem mit Klage.

Heiratsschwindler Moritz sieht seine Zeit gekommen und hält um Rosas Hand an. Liebestrunken willigt diese ein.

Nun nachdem er das Beutetier in seinen Klauen hat, wird es Zeit seine gierigen Reißzähne hinein zu schlagen.

In einem scheinbaren Anfall heftigen emotionalen Schmerzes, erinnert er sich an seine Mama und deren vermeintlich schlimme Krankheit.

Wie nur soll er die Rechnungen dafür bezahlen, greint er voller gespielter Verzweiflung.

Da schnappt die Falle zu.

Die geistig schlichte Rosa bietet an, ihm das Geld zu leihen.

*Vor lauter Empörung verschlucken Sie sich fast an ihrem Ingwerplätzchen und ein Wust wilder Verwünschungen, welche ihrer Haftcreme alles abverlangen, ihr Gebiss an seiner dafür vorgesehenen Stelle zu halten, verlässt ihren noch bezahnten Mund. “ So ein Schuft.“, schnauben sie schließlich verächtlich und lassen sich wieder zurück in den Schaukelstuhl sinken.*

Auch Frau König hat Geld und Männersorgen, mit denen sie bei der inzwischen zurückgekehrten Polizistin Astrid Sacher auf offene Ohren stößt.

Diese rät ihr zu einer Anzeige, als offensichtlich wird, dass Sie einem Heiratsschwindler aufgesessen ist.

Um einer Klage Kuno von Keilbergs zu entgehen, entsinnt der teuflische Dr. Roland Meister einen meisterhaften Plan.

Er ersetzt die Medikamente Kunos durch Placebos, löst einen schizophrenen Anfall aus und erschafft so eine wahrlich grausige Kuno Kehrer Chimäre.

In Hausmädchentracht und der festen Überzeugung Frau Kehrer zu sein, beginnt dieser die Klinik zu säubern.

Doch dies reicht dem diabolischen Doktor nicht und er weiht seinen Studienfreund Moritz in seine Pläne ein, da er dessen Hilfe bedarf.

Er nötigt ihn dazu die Waffe der tapferen, aber geschlechtsverwirrten Polizistin Astrid zu beschaffen mit jener sich dann Kuno selbst richten solle.

In diesem Moment springt ihnen ihr Hund Pupsi auf den Schoß, schnappt sich ihren Heftroman, rennt in eine Ecke und zerreißt ihn in tausend kleine Stücke. Böser Pupsi !

Wie sollen sie denn nun erfahren wie es weitergeht ?

Ob Kuno überleben und die Machenschaften von Dr. Roland Meister aufgedeckt werden ?

Wird Rosa ihr Glück finden und ihr Geld behalten ?

Kann Astrid Sacher ihren Männerhass überwinden ?

Und gibt es irgendwo ein Spendergehirn für Frau König ?

In der Verzweiflung, niemals Antworten auf diese Fragen zu bekommen, wandert ihr Blick durch das Zimmer und verharrt auf dem kleinen Schränkchen neben ihrer Garderobe, wo das alte mit Brokat ummantelte Telefon seit vielen Jahren schon befindlich ist.

Neben dem Telefon erspähen sie einen Flyer auf dem steht: “ Badisch Bühn- Jedds griegsch Dei Fedd weg“

Sie lächeln, richten die weißen lockigen Haare, werfen sich einen Mantel um und fordern den Treppenlift an.

Wäre doch gelacht, wenn sie heute nicht noch Dr. Meister persönlich die Meinung geigen könnten.

Ende

 

Sie müssen natürlich nicht 80 Jahre sein um sich dieses Stück anzusehen.

Gehen Sie hin und erleben sie es in einer entsoapten und entgroschenromanten Fassung bei der Badisch Bühn.

Es lohnt sich.

 

Kommen wir nun zu den Schauspielern, welche mir an diesem Abend besonders gut gefallen und sich besonders eingeprägt haben.

 

Andreas Stark als Moritz Engel:

Wie ich bereits an anderer Stelle schon mal gesagt habe, ist er für mich der badische Albin Braig ( Mäulesmühle, Hannes und der Bürgermeister)

Er überzeugt als schmalzig, zielorientierter und geldgieriger Gigolo.

Zunächst hielt ich ihn nach der OP für einen Spanier und nicht für einen Italiener.

Besonders bleibt mir an diesem Abend das Zusammenspiel mit Sonja Umbach und die Spiegelszene mit Jürgen Hörner in Erinnerung.

Seine vielen Gesichtsausdrücke machen ihn sehr flexibel und bringen das Publikum immer wieder zum lachen.

 

Sonja Umbach als Rosa Schulze:

Die naiven Rollen liegen ihr definitiv.

Sie hat mich schon als nervige Nachbarin bei „Tulwezwiwwle gewe Schnupfe“ absolut überzeugt.

Allein schon die Szene als Rosa dem Künstler Kuno zum Trost wegen seiner Schweinenase etwas von ihren Schweinsöhrchen anbietet und sich dabei nicht im geringsten bewusst ist in ein Fettnäpfchen zu treten, sondern nur aus Nächstenliebe handelt, möchte man auf die Bühne springen und sie drücken.

Als ein kindlich, schlichtes Gemüt, würde ich ihre Rolle beschreiben.

Darum tut sie dem Zuschauer auch schon fast leid, als sie auf den Heiratsschwindler hereinzufallen droht.

Für mich, die absolut herausragende Figur an diesem Abend.

 

Jürgen Hörner als Kuno von Keilberg:

Was Andreas Stark mit seinem Gesicht vollbringt, schafft Jürgen Hörner mit seinem Körper.

Die Szene in der er mit dem Lippenstift “ Leidenschaft unter Wasser “ malt, ist derart kraftvoll und intensiv gespielt, dass sie einen völlig in ihren Bann zieht.

Er spielt den extrovertierten und verschrobenen Künstler nicht nur, er ist dieser Künstler.

Ich würde ihn unheimlich gerne mal als eine Figur sehen, die in ihrer Art dem Joker aus Batman nahe kommt.

 

Oliver Meergraf als Dr. Roland Meister:

Auch er spielt sehr ausdrucksstark, aber immer hart an der Grenze zur Übertreibung, die er jedoch nie überschreitet.

Den Doktor, der so gerne Chefarzt werden möchte, dass er immer skrupelloser wird, alle Menschen auf seinem Weg zurücklässt und sogar vor Mord nicht zurückschreckt kauft man ihm ab.

Das er eigentlich relativ harmlos wirkt, macht diese Verwandlung zum Monster nur noch beklemmender.

 

Unterm Strich muss ich sagen, dass wieder einmal alle Schauspieler überzeugt haben.

Andrea Riehm in der Rolle der Dumpfbacke Frau König, bei der ich am Anfang dachte es stünde Mirja Boes auf der Bühne.

Vom Aussehen, nicht von der Intelligenz.

Nora Schwedes als Karin Kehrer spielt eine starke Rolle und füllt diese wunderbar aus.

Monika Leitner muss man alleine schon für ihren wahnsinnigen Gesichtsausdruck lieben, als Dr. Meister die Gräfin küsst.

Natalie Hill als Kampflesbe in Uniform animiert einen zu Straftaten, weil man so gerne mal von ihr verhaftet werden möchte.

Marina Menz spielt die Gräfin so überzeugend als hätte sie blaues Blut.

 

Mein Fazit:

Nun es steht eigentlich schon alles wichtige weiter oben.

Ich fand die Umsetzung dieses Stückes sehr gelungen, die Schauspieler waren toll, das Publikum hochzufrieden, das Essen lecker, die Bedienung freundlich.

Ein sehr schöner Abend.

Wer Mundarttheater mag, der kommt um die Badisch Bühn nicht herum.

 

Schauen sie einfach auf der Website vorbei: http://www.badisch-buehn.de/

 

So nun noch wie versprochen die Bilder des Abends:

(Um die Bilder zu vergrößer, einfach drauf klicken)