Horst Evers 

Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex

 

09.04.2016 – Karlsruhe

Heute bin ich im Tollhaus in Karlsruhe bei einem Künstler zu Gast, den ich schon lange einmal besuchen wollte. Horst Evers.

Es ist nun sicherlich 10 Jahre her, dass ich das erste Mal etwas von ihm hörte.

Mit seiner Art des Vorlesens und seinen kleinen Geschichten aus dem Alltag, hatte er mich sofort in seinen Bann gezogen.

Die Selbstironie, der Galgenhumor und dieser extrem trockene Humor, bei dem es schon fast staubt, all dies lag und liegt genau auf meiner Wellenlinie und trifft mein Humorzentrum frontal.

Ich bin sehr gespannt auf sein neues Programm “ Der Kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“.

Vielleicht erzählt er ja ein wenig darüber bei unserem Interview, welches mir sein sehr freundlicher Manager ermöglicht hat.

Nette Managmentkontakte freuen mich immer besonders, von daher an dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön.

Während ich im Foyer sitze und auf das Eintreffen von Horst warte, werde ich blendend unterhalten.

Denn im Tollhaus ist an diesem Tage noch eine andere Vorstellung bei der offensichtlich musiziert wird, denn es dringen sehr mitreißende Trommelsoli an mein Ohr.

Gegen 18:30 Uhr trifft Horst ein und ich werde in die Künstlergarderobe geführt.

Da steht er, Horst Evers, in Lebensgröße.

Es ist immer wieder spannend, wenn man einen Künstler Leibhaftig trifft, den man ansonsten nur vom Fernsehen her kennt.

Er ist wahnsinnig nett und fragt sofort ob es ok ist wenn er du zu mir sagt.

Ich sage:“ Klar, du bist der Ältere, ich richte mich da ganz nach dir.“

Dann lachen wir beide gelöst und verstehen uns sofort blendend.

So blendend, dass das Interview, welches eigentlich für ca. 15 Minuten angedacht war, am Ende knapp 35 Minuten gedauert hat.

Wenn Horst Evers erzählt, vergisst man einfach die Zeit.

Aber sehen Sie es sich am Besten selbst einmal an:

Nach dem Interview begebe ich mich beschwingt aus der Künstlergarderobe ins Foyer zurück, welches voller Menschen ist. So richtig voller Menschen.

So wird mein Plan mir noch eine Brezel zu kaufen bevor es los geht zu einem 20 Minütigen Schlagestehmarathon.

Während ich so warte, sehe ich den Korb voller Brezeln, dessen Inhalt bedrohlich abnimmt.

Als ich noch 5 Meter von der Theke entfernt bin, ist der Korb leer…..Mist

Aber Hoffnung naht. Ich sehe am Horizont einen zweiten, jedoch bedeutend kleineren Korb mit Brezeln.

In der Tat werden die Körbe getauscht und neue Hoffnung keimt in mir.

Ein Pärchen befindet sich noch vor mir, als auch dieser Korb seiner letzten Brezel beraubt wird.

19 Minuten anstehen und dann ohne Beute von Dannen ziehen ?

Ich heule innerlich auf, entschließe mich jedoch tapfer an die Theke vorzutreten.

Vielleicht tauscht ja einer seine Brezel um, weil er schon eine geschenkt gekommen hat.

Die Verkäuferin sieht mich an.

“ Eine Brezel bitte.“, sage ich mit einem optimistischen Gesichtsausdruck.

Sie blickt zum leeren Korb, dann zu mir, dann nochmal zum Korb, wieder zu mir und sagt mit von Trauer erfülltem Blick: “ Leider keine mehr da.“

Gerade als ich mir überlege ob ich laut schimpfend “ Also sowas – 20 Minuten und dann kein Laugengebäck – Skandal “ abrauschen, oder doch lieber leise weinend von Dannen ziehen soll, kommt mir die geniale Idee.

Ich sage: “ Schauen sie doch mal rüber an die andere Verkaufsstelle, da ist sicherlich noch was.“

Im Tollhaus ist die Verkaufsstelle in zwei Teile aufgespalten, da es oftmals am Abend zwei Vorstellungen gibt.

Da die andere Vorstellung von einer eher unbekannteren Band ist, habe ich die kühne Idee, dass dort der Brezelandrang etwas geringer ausfallen könnte.

Während Sie auf die andere Seite wechselt, harre ich bangend aus.

Da kommt Sie auch schon wieder und hat in der Hand – eine Brezel.

„Yes“, rufe ich im Geiste und klopfe mir anerkennend auf die Schulter.

Es sind die kleinen Siege im Leben, die einen glücklich machen.

Und wenn es nur der Erwerb einer verlorengeglaubten Brezel ist.

 

Da nun jedoch nur noch 5 Minuten Zeit bis zum Beginn der Vorstellung ist, begebe ich mich auf meinen Platz in Reihe 1 und beiße herzhaft in die Brezel.

Zum Glück ist es eine relativ geräuscharme Brezel, so dass sich die Dame neben mir nicht belästigt fühlt.

Das Licht erlischt und Horst Evers betritt die Bühne.

Er erklärt zunächst stehend dem Publikum, wieso das Programm so heißt wie es heißt.

Aber das wissen wir ja bereits.

Also Sie nur, wenn Sie sich das Interview weiter oben angesehen haben.

Danach geht es um W-Lan in Fernbussen, Rechthaben und Bauchredner bei der Polizei.

Eine extrem geile erste Geschichte !

Man verzeihe mir die Ausdrucksweise, aber ich kann es nicht anders sagen.

Ich habe bereits jetzt mehr gelacht als in manch anderen Vorstellungen über die komplette Zeit.

Horst setzt sich nun an den Tisch und kündigt Tipps fürs Leben an, die überall im Programm befindlich sind.

Naziheidelbeeren aus Übersee, Frauen anstarren und ein Job in Zwielichtiger Umgebung, sorgen für weite Lachanfälle im Publikum.

Und wir lernen, dass Geschenke die man vom Schicksal bekommt, oft ziemlich nachlässig ausgesucht sind.

Als Horst sich beim verrücken des heimischen Inventars, den „Rücken bricht“, muss er zur Rückenärztin.

Bei der Frage ob einem von den eigenen Schmerzensschreien das Trommelfell wohl platzen könne, bin ich nur noch am lachen.

Dieser trockene Humor gemischt mit Galgenhumor. Herrlich.

Mir tun schon die Wangenmuskeln vom lachen weh. Aua.

Das nächste Thema betrifft selbstaufräumende Wohnungen und ich erkenne. Horst und ich teilen einen Traum.

Kein Wunder finde ich diesen Mann so genial. Wir haben so viel gemeinsam.

Weg von den Wohnungen und hin zu den Entrauchungsanlagen beim hoffentlich künftigen Berliner Flughafen.

Nebenbei wieder ein Tipp fürs Leben, den ich herausziehen kann.

Künftig einfach nicht mehr wiegen, sondern das Gewicht schätzen. So hat man immer Idealgewicht.

Sehr gut. Genau so mach ich das ab jetzt.

Frage: “ Gewicht ?“ – Antwort: “ gefühlte 70 kg“

Passt.

Mit einem Gedicht für die brandenburger Wölfe, geht es in die Pause.

Also bereits im ersten Teil bin ich voll und ganz auf meine Kosten gekommen.

Ich höre mich in der Pause ein wenig im Foyer um und die Leute schätzen vor allem seinen lockeren Erzählstil.

“ Das wirkt nicht alles so auswendig gelernt wie bei Mario Barth oder Dieter Nuhr.“, höre ich wie ein Mann zum Anderen sagt.

Ich mag wie gesagt seinen Humor und die selbstironische Art total gerne.

So habe ich lange nicht mehr lachen müssen und bin nun sehr gespannt auf den zweiten Teil.

Als Horst die Bühne wieder betritt, kündigt er an, dass die zweite Hälfte noch privater wird.

Er erzählt nun unter anderem von seinem Besuch in Wilster in der Wilstermarsch und den tollen Sehenswürdigkeiten dort.

Urlaub auf dem Reiterhof steht als nächstes auf dem Programmpunkt und die “ Ach so Orte “ werden behandelt.

So gestresst geht es natürlich erst einmal zum online Massieren und wir bekommen mit den Spionage Pflanzen die beste Geschichte des zweiten Teils.

Klasse. Genau wegen solcher Geschichten hat es Horst Evers zu einem meiner Lieblingskomiker gebracht.

Ich fürchte es wird Tage dauern bis der Muskelkater aus meinem Gesicht wieder verschwunden ist.

Nun wieder Lebenstipps.

Es geht darum, wie man die Spontanität in einer Beziehung erhält.

2/3 der Familie, neben mir, zieht es vor Begeisterung sogar die Schuhe aus.

In diesem Moment bin ich sehr froh, dass die Klimaanlage von oben einen kontinuierlichen leichten Luftstrom auf mich niederblasen lässt.

Am Ende der Vorstellung erntet Horst Evers einen langen und begeisterten Applaus vom Publikum, welchen er mit zwei Zugaben quittiert.

In diesen trägt er unter anderem ein Lautgedicht vor und bedankt sich bei den Mitarbeitern vom Tollhaus.

Dann werden wir mit dem Hinweis auf sein baldiges Erscheinen am Büchertisch vor der Halle entlassen.

In der Tat sitzt Horst bereits an besagtem Büchertisch und schreibt Widmungen in seine Bücher, als ich aus dem Saal komme.

Also da war er aber extrem schnell.

Geduldig nimmt er sich Zeit, bis auch noch der letzte Fan ein Autogramm, eine Widmung oder ein Foto mit ihm gemacht hat und begibt sich dann auf den Weg in sein Hotel.

Mein Fazit:

Ich habe mir einen saukomischen Abend voller Gelächter versprochen und ich wurde nicht enttäuscht.

Für mich, wie schon des öfteren erwähnt, einer der ganz großen Komiker unserer Zeit.

Danke an Horst für den tollen Abend und das sehr angenehme Interview.

Ich bin rundum zufrieden und kann jedem, der ein Fan von trockenem und Galgenhumor ist empfehlen, die Vorstellung zu besuchen.

Auch der Kontakt zu den Mitarbeitern vom Tollhaus, allen voran zu Herrn Belschner, war wie immer sehr angenehm.

Mir bleibt nun nicht viel mehr zu sagen, also bin ich in diesem Fazit mal so minimalistisch wie Horst Evers bei der Bühnendeko und verweise sie auf die Website Horst Evers und des Tollhauses.

http://www.horst-evers.de/

https://www.tollhaus.de/