Hella von Sinnen

Rantastic Baden Baden

 

19.03.2016

Heute besuche ich seit längerer Zeit einmal wieder das Rantastic in Baden Baden.

Mein Horoskop meint, dass ich mich unbedingt mehr mit dicken, homosexuellen Frauen treffen sollte bei denen die Gefahr besteht, dass sie mir den Kopf abreißen, kann ich mir einen Abend mit Hella von Sinnen keinesfalls entgehen lassen.

Das Publikum besteht im wesentlichen aus Frauen in den mittleren Jahren.

Also genau die Jahre in denen sie dazu neigen über jüngere Männer herzufallen, sie gefügig zu machen und dann schlimme Dinge mit ihnen anzustellen.

Obwohl dies seinerzeit bei Lisa Fellers Publikum, welches auch überwiegend aus Frauen bestand, leider nicht geklappt hat, bin ich auch dieses mal wieder zuversichtlich, denn die Ladys wirken hungrig und ich sehe heute verboten gut aus.

Also entweder in Baden Baden wohnen überdurchschnittlich viele Frauen, oder ich erwische in der Tat immer die Vorstellungen, welche meine feminine Seite ansprechen.

Heute geht es um Märchen.

Genauer gesagt um Märchen von Hans Christian Andersen.

Ich bin sehr gespannt, ob Hella von Sinnen nur Märchen vorlesen wird, oder auch noch etwas persönliche Note mit einbringt.

Um es vorweg zu nehmen – ja Sie wird.

Hella betritt um kurz nach 20 Uhr, wie meistens in einen bunten Overall gekleidet, die Bühne, begrüßt das Publikum und setzt sich an einen Schreibtisch.

An diesem Abend werden wir wirklich viel über Hans Christian Andersen erfahren.

Das Publikum wird direkt von Anfang an mit einbezogen und Frau von Sinnen kündigt an, nach der Lesung und einer kleinen Pause noch vorbei zu kommen und unter anderem Autogramme zu schreiben.

Hella beginnt zu erzählen, wieso sie Märchen liest und von den Wechseljahren.

Die Märchen, welche wir heute hören werden sind:

  • Die Prinzessin auf der Erbse
  • Die Stopfnadel
  • Die glückliche Familie
  • Geldschwein
  • Die Teekanne
  • Der Flachs
  • Der Rosenelf
  • Die kleinen Grünen

Also jede Menge Märchen an diesem Abend.

Besonders “ Der Rosenelf “ ist ein heftiges Märchen.

Wir hören von bösen Brüdern, Denunziantenelfen und abgetrennten Köpfen.

Ich fühle mich ein wenig wie bei CSI Elfenwald.

Also ich würde diese Märchen nur bedingt Kindern empfehlen.

Auch viele der Zuschauer können mit Ihnen wenig anfangen und so enden die Vorlesungen eher mit höflichen Applaus.

 

Ganz anders verhält sich dies, wenn Hella zwischen den Märchen aus ihrem Leben erzählt.

Hier johlen, lachen und klatschen die Zuscheuer begeistert.

Bettgeschichten mit Mohnbrötchen, wohnen über einem Supermarkt, Tante Henriette und Geschenke, oder wie Hella in der Dusche ist und auf Kritik reagiert sind nur einige ihrer Geschichten, die das Publikum begeistern.

Dazu kommen ihre mannigfaltigen Gesichtsausdrücke.

Hier eine Kostprobe:

Am Ende der Vorstellung gab Hella noch ein Interview für eine Zeitung und erfüllte danach geduldig alle Autogramm- und Fotowünsche der Besucher.

Ich finde es immer sehr wichtig, dass sich ein Künstler danach auch seinen Fans stellt.

Bei Hella war dies an diesem Tage besonders beachtlich, da sie ein wenig gestresst wirkte.

 

Fazit:

Ein schöner und gemütlicher Abend.

Allerdings merkte man, dass die meisten Menschen wegen Hella und ihren privaten Geschichten und weniger wegen der Märchen gekommen waren.

Würde sie den Abend ausschließlich mit diesen Geschichten füllen, wären sicherlich noch einige Menschen mehr gekommen.

Die Märchen sind schon teilweise sehr speziell und mit Formulierungen gespickt, die heutzutage nicht mehr gebräuchlich sind.

Außerdem hatte ich am Ende der Märchen sehr oft das Gefühl als müsste da noch etwas kommen.

Man wartet das ganze Märchen über auf den Höhepunkt und dann ist es plötzlich vorbei – ohne erkennbaren Höhepunkt oder Lehre die man daraus ziehen könnte.

Nichtsdestotrotz ist Hella von Sinnen eine ausgezeichnete Vorleserin.

 

Kann ich diesen Vorleseabend empfehlen ?

Eine schwierige Frage.

Lassen sie sie mich wie folgt beantworten.

Wenn sie ein Fan der Märchen von Hans Christian Andersen sind – ja, eindeutig.

Wenn sie ein großer Fan von Hella von Sinnen sind und sie einfach mal live erleben möchten – ebenfalls ja

Wer mit den Märchen von Hans Christian Andersen nicht so viel anfangen kann, für den stellt sich die Frage ob ihm 50 % exzellente Unterhaltung mit Hellas privaten Geschichten ausreichend sind.

 

Trotzdem war es im Rantastic in Baden Baden sehr gemütlich, die Leute waren freundlich und ich habe am Ende auch noch ein Bild zusammen mit Hella gemacht.

Da kann man nicht meckern.

Und meinen Kopf habe ich auch noch.

Einziger Wermutstropfen – ich bin wieder alleine nach Hause.

Egal, die nächste Frauenveranstaltung kommt bestimmt.

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