Gerhard Polt und die Well Brüder

 

Montag 13.04.2015

 

Ich treffe gegen 18:30 Uhr beim CCP in Pforzheim ein und besuche Gerhard Polt und die Well Brüder in ihrer Garderobe.

Ein Interview möchte Gerhard Polt leider nicht machen, jedoch lädt er mich ein, mich zu ihnen zu setzen.

Selbstverständlich nehme ich diese Einladung an und werde nun eine knappe Stunde Zeuge, wie sich die Well Brüder auf die erste Nummer vorbereiten.

In jeder Stadt, in die sie auftreten, gibt es zuerst ein Lied, in dem in Reimform auf lokale Ereignisse und Besonderheiten eingegangen wird.

Dafür erkundigen sie sich, was es in Pforzheim so gibt und was so passiert.

Fischotter Otti, der Nationalpark für Schwaben und Badener sowie Stefan Mappus, sind nur einige der Themen, welche den Weg in das Lied finden werden.

Da ich in Pforzheim quasi aufgewachsen bin, schlage ich vor, doch auch die Calwer mit ins Programm zu nehmen.

Bei uns, gelten die Calwer als ziemlich….. naja, sagen wir mal als, etwas abenteuerliche Autofahrer.

Daher hat man das Autokennzeichen für Calw “ CW “ kurzerhand als Kurzform für kurvende Wildsau genommen. Das C wurde hierbei ohne Probleme in ein K verwandelt.

Ihnen gefällt dieser Vorschlag und tatsächlich, findet sich später beim ersten Lied eine Zeile die sich um die curvenden ( ja dieses mal mit c ) Wildsäue dreht.

 

19:50 Uhr, mache ich mich auf den Weg in die Halle. Schließlich soll es um 20 Uhr losgehen und ich muss noch meinen Platz suchen.

Der Saal ist extrem gut besucht für einen Montag Abend.

Kurz nach 20 Uhr, wird ein bayrischer Abend mit Gerhard Polt und den Well Brüdern angekündigt, welche im Anschluss auch direkt die Bühne betreten und mit einem warmen Applaus empfangen werden.

Gerhard Polt setzt sich auf einen Stuhl und die Well Brüder beginnen mit dem bereits erwähnten ersten Lied über lokale Gegebenheiten.

Die curvenden Wildsäue aus Calw, ernten den größten Applaus und ich bin ein ganz klein wenig stolz auf mich.

Stefan Mappus, der Stau, die Westtangente und Otti kommen natürlich auch noch dran.

Als Pforzheim als die “ Goldstadt Schwabens “ bezeichnet wird, gibt es Buh-Rufe.

Damit muss man in Baden rechnen.

Danach ist Gerhard Polt dran.

Er verkörpert plastisch einen Menschenschlag, den vor allem Die kennen, die in einem Dorf aufgewachsen sind.

Die Menschen, deren Dorf ihre Welt ist.

Da werden unbekannte Blaskapellen, zu Weltevents und der Metzger zum Prominenten.

Ein Straßenfest ist wie eine Oscarverleihung und bringt das ganze Dorf in Aufruhr.

Die kleinsten Ereignisse bekommen hier ein Gewicht als würde es sich um Weltpolitik handeln.

Wie viel Rollbraten wird gefressen ? Und von Wem ?

Gerhard Polt, trägt es so vor, als wäre es selbstverständlich, dass sich jeder normale Mensch, völlig logisch solche Fragen stellen muss.

Gekonnt wird musikalisch der Ablauf eines Dorfereignisses, wie die Enthüllung eines Feuerwehrwagens, als Staatsakt aufs Korn genommen.

Danach gibt es bayrisch derbe Stammtischweiheiten vom Feinsten. Zum Beispiel: “ Karl der Große hat die Sachsen umgebracht, damit es Christen werden.“

Gerhard Polt und die Well Brüder, wechseln sich mit Kabarett und Musik ab.

Besonders die fülle an Instrumenten, welche gespielt wird, finde ich faszinierend.

Neben eher gewöhnlichen wie Gitarre und Akkordeon, gibt es dann noch Klarinette,  Kontrabass, Harfe, Zitter, Querflöte, Alphörner etc. etc.

 

Bei kritischen Texten über die Ordnungsmacht, fühle ich mich an Hans Söllner erinnert.

Das Publikum wird zum jodeln animiert und es gibt Bier auf der Bühne.

Ja – so muss ein bayrischer Abend wohl aussehen.

Vor der Pause folgt nun noch ein Musikalischer Schnelldurchlauf der bayrischen Geschichte.

 

In der Pause esse ich eine Bretzel vom Vortag, die jemand unter einem halben Kilo Butter versteckt hat.

Wenn die Masse an Butter mich nicht umbringt, dann werden es die 2 € tun, die ich dafür berappen muss.

 

Zu Beginn des zweiten Teils, packen die Well Brüder ihre Alphörner aus und spielen verschiedenste bekannte Lieder auf ihnen. Unter anderem “ Es tanzt ein Bi Ba Butzemann“, oder auch “ Freude schöner Götterunken “

Gerhard Polt jodelt dazu oder spielt Kuh und Schaf indem er “ Möh “ ins Mikro blökt oder eine Kuhglocke simuliert.

Die Alpenillusion ist perfekt.

 

Nun macht sich Gerhard Polt über die ganzen neumodischen englischen Ausrücke in der deutschen Sprache lustig.

Das überwiegend ältere Publikum lacht, da viele von ihnen genau diese Situationen kennen, in denen einem im Alltag Anglizismen begegnen und man sie nicht versteht.

 

Hiernach folgt ein Musikstück bei dem den Zuschauern Schuhplattler,  Bauchtanz und irischer Volkstanz näher gebracht werden.

Mittelalterliche Musik folgt, mit einem Instrument an dessen Seite sich eine Kurbel befindet, das ich aber nicht kenne.

Gerhard Polt mit Frauenstimme sinniert über Erziehung und ein Lied für den Bund der Milchbauern wird in einer Art Gangsterrap vorgetragen bei dem der Sänger eine rote Wollmütze trägt, die seinem Street Cred sicherlich zuträglich sein dürfte.

Am Ende, bedanken sich die Künstler beim Publikum, das viel schöner, klüger und besser angezogen ist als in Stuttgart.
Und noch ein kleiner Seitenhieb gegen Stefan Mappus: “ Ist ein schöner Mensch, von den Füßen bis zum Hals, dann kommt der Kopf und versauts. “

Als Zugabe gibt es dann noch einen “ Earworm “

Mein Fazit:

Ein überaus bayrischer Abend, bei dem ich oftmals sehr genau hinhören musste, da der Dialekt schon mitunter heftig war.
Dazu hatte man das Gefühl dass die Akustik in Saal an den Seiten ein wenig problematisch war.
Ich habe mich in der Pause mit dem Paar neben mir unterhalten, die selbiger Meinung waren.

Meines Erachtens nach, ist die Zielgruppe des Humors von Gerhard Polt von Mitte Ende 40 bis zum Grabe angelegt, da jüngere Menschen mit vielen der Witze wenig anfangen können.
So verstehen sie z.b. den Part mit den Anglizismen nicht, da sie mit dieser Sprache bereits aufwachsen.
Genauso ist das Thema “ Hierarchie im dörflichen Bereich “ auch etwas mit dem sich eher ältere Menschen identifizieren können und dies durch die Wiedererkennung dann auch lustig finden.
Ich kann daran aber nichts schlimmes finden.
Es gibt genug Comedy und Kabarett für junge Menschen, wieso also nicht auch etwas für ältere Menschen.
Es es ist ihm hoch anzurechnen, dass er nicht krampfhaft versucht für die Jungen lustig zu sein.
Das haben schon manche ältere Komiker versucht und es kam dann meistens sehr bemüht und unlustig rüber.

Ich kann sein Programm Menschen empfehlen, die des bayrischen einigermaßen mächtig sind und vor allem Menschen des zweiten Lebensabschnitts, die idealerweise auf dem Dorf leben und dort die Vereinsmeierei hautnah kennen.

Auch Freunde der bayrischen Musik kommen bei den Well Brüdern voll auf ihre Kosten.

Ich wünsche Gerhard Polt und den Well Brüder, dass sie gesund bleiben und noch lange die Menschen auf der Bühne unterhalten können.

Demnächst werde ich hier ein Buch von Gerhard Polt näher betrachten und dann ein paar Zeilen dazu schreiben.

 

Hier eine kleine Auswahl von DVD´s, CD´s und Bücher von Gerhard Polt:
( wenn sie das Karusell nicht sehen – Adblock aus ! )

 

und hier geht es zu seiner Website:

http://www.poltseite.de/