Er ist wieder da

Marotte Figurentheater 

30.10.2015

Bei meinem zweiten Besucht im Marotte Figurentheater, treffe ich auf den Führer.

Übermächtig und in Lebensgröße steht er vor mir und ich ertappe mich dabei, wie ich tatsächlich Sympathie und Mitleid für ihn entwickel.

In diesem Stück wirkt er wie ein zu groß geratenes Kind, welches die Konsequenzen seines Handelns nicht abschätzen kann.

Ich merke während des Stückes immer wieder, wie auch die restlichen Zuschauer wie gebannt an seinen Lippen kleben und sich von ihm gefangen nehmen lassen.

Erst gegen Ende, wird Ihnen und auch mir bewusst, über wen wir da die ganze Zeit lachen und es wird sehr ruhig im Saal.

Aber beginnen wir am Anfang.

Kurz nach 21 Uhr geht es mit bayrischer Musik los.

Die beiden Puppenspieler Carsten Dittrich und Jan Mixsa treten in die Kulisse.

Einer schuhplattelt und der andere spielt auf einem Mini Akkordeon dazu.

In der ersten Szene, taucht Adolf Hitler, so wie wir ihn kennen, in der Innenstadt von Berlin auf und läuft etwas irritiert durch den Verkehr.

An einem Kiosk bleibt er stehen und bekommt als erstes die Thekenklappe an den Kopf.

Der Verkäufer hilft ihm hoch und denkt zunächst, dass er einen Dieb erwischt hat.

Hitler empört: “ Sehe ich aus wie ein Verbrecher ?“

Kioskbesitzer: “ Sie sehen aus wie Adolf Hitler !“

Die beiden unterhalten sich ein wenig.

Dann wird es dunkel und die Titelmusik zu “ Er ist wieder da “ setzt ein.

Das Licht geht an und Hitler betritt die Bühne. In Lebensgröße. Nein – in Überlebensgröße.

Sicherlich, es ist eine Halbpuppe, aber sie ist so gut gemacht, dass man diese Tatsache vergisst.

Selbst der deutlich sichtbare Puppenspieler, wird irgendwann zur Nebensache.

Hitler erzählt wie er in die Wäscherei Yilmaz gehen musste, “ Ein Deutscher klingelt nur einmal !“, spielt mit einer Hitlerpuppe und wird zum Dönerverzehr genötigt.

 

Schließlich trifft er den TV Produzent Sensenbrink, der sich zunächst von Hitler Geschichtsunterricht geben lassen muss, in aber dann als mögliche Fernsehsensation entdeckt.

Er lernt die Senderchefin Frau Belini kennen: “ Das Thema Juden ist nicht witzig.“

Hitler: “ Da haben sie absolut recht !“

Eine Laubbläsereinlage sorgt für ein wenig Slapstick. Sehr gut gemacht.

Nachdem Adolf bereits bei dem Versuch, sich telefonisch einen Personalausweis erstellen zu lassen, Probleme hat. “ Ich heiße Schmul Rosenzweig……nein das war ein Witz, natürlich heiße ich Adolf Hitler !“; “ Sehen SIE nicht so aus wie sie heißen ?“, bekommt er Fräulein Krömeier an die Seite gestellt, welche sich um ihn kümmert und ihm unter die Arme greifen soll.

Mit ihr zusammen versucht er einen E-Mail Account zu bekommen, was sich aber aufgrund seines Namens als nicht gerade leicht herausstellt.

Nebenher erklärt er in faszinierendere Weise den Computer und das Internet.

Als Marketing, soll er bei Ali Witzgür in der Sendung auftreten und ich nicht besonders begeistert.

Der am Anfang noch sehr selbstverliebte und überhebliche Ali, wird mit der Zeit immer wütender über das was Hitler auf der Bühne abliefert,

Der  schwingt sich auf zu einer Hetzrede im Fernsehen und zeigt sich entsetzt von den Zuständen in Deutschland: “ Der Deutsche trennt seinen Abfall gewissenhafter als seine Rassen !“

Dann ist erstmal Pause.

Nach der Pause geht es weiter mit – Kasperletheater..

“ Seid ihr alle da ?“

“ Zicke zacke zicke zacke “

“ Sieg “

Publikum (nicht alle): “ Heil !“

Ich denke mir – uiuiuiui – die Bereitschaft ist da,,,,

Hitler spricht über “ Göring – oder diese Kanzleramtsmatrone, die ihm ähnlich sieht.“

Eine Frau im Publikum buht – Angela, bist du es ?

Die BIldzeitung macht Probleme.

Hitler: “ Mein nationalsozialistischer Hintergrund ist einwandfrei !“

Adolf findet gefallen an der Bildzeitung: “ Ansprechende Mischung aus Volkszorn und Gehässigkeit.“

Ute Kessler von der Bild bittet zum Interview: Sind sie Nazi ? “

Hitler: “ Natürlich !“

Als nächstes führt den Führer der Weg zur NBD.

Mögliche Verbündete ?

Er trifft einen Nazi mit sächsischem Dialekt und weist diesen an, seinen Chef zu holen.

“ Holger…Holger….“

Holger Apfel kommt um die Ecke.

Irgendwie hat er ein wenig Ähnlichkeit mit Frau Merkel. Aber entscheiden sie selbst.

Hilter nimmt sich die beiden Nazis zur Brust und schimpft sie aus.

 

Noch einmal wird über die Bildzeitung sinniert:“ Niemand liest dieses Blatt, aber Millionen kaufen es.“

Eine kleine Gesangseinlage gibt es auch noch.

Dann erfährt die Geschichte eine Wendung.

Fräulein Krömeier will kündigen.

Sie hat ihrer Oma erzählt für wen sie arbeitet und da meinte ihre Oma stinksauer: “ Er sagt das gleiche wie früher. Damals lachten die Leute auch.“

Sie reicht Hitler eine Fotografie auf der die Familie ihrer Oma zu sehen ist, welche in der Nazizeit vergast wurde.

Adolf weiß nicht so recht wie er reagieren soll und versucht sich zu rechtfertigen.

Nachdenklich streift er durch die Strassen von Berlin und trifft den Nazi der NBD wieder, der ihn verprügelt.

Kurz danach erwacht er in Krankenhaus.

Der Arzt ist ein kleines Spaßvogel: “ Heile Hitler “

Kaum ist er entlassen, werben die verschiedensten Parteien um seine Gunst und er bekommt sogar ein Angebot ein Buch zu schreiben.

“ Das habe ich doch schon getan.“

Am Ende des Stücks, sieht man wie Hitler mit einem Ballon, der wie die Erde aussieht spielt und ihn in die Luft wirft.

Da tauchen am Horizont Gestalten wie Stalin, Honecker, Kim Jong un und Mickey Maus auf, er wirft ihnen die Welt zu und sie werfen sie zurück.

Dann platzt die Welt.

Ende.

Sehr viel Beifall vom Publikum, welches zum Ende des Stücks immer ruhiger geworden ist.

Das Lachen vom Anfang ist ihnen inzwischen im Hals stecken geblieben.

Die beiden Puppenspieler treten noch einmal auf und verbeugen sich.

Mein Fazit:

Ein herausragend inszeniertes Stück.

Hitler wirkt zu keinem Zeitpunkt gefährlich und man ertappt sich immer wieder dabei, wie man ihn nicht ernst nimmt und sich über ihn amüsiert.

Selbst in der Szene mit Fräulein Krömeier, als sie ihm das Foto der Familie ihrer Oma zeigt, nimmt man ihn nicht als Gefahr wahr, sondern eher als Kind dass eben eine Dummheit gemacht hat.

Ich denke genau hier liegt die Stärke dieses Stückes.

Man empfindet Sympathie mit einem Massenmörder und kann sich nicht dagegen wehren.

Der Kopf sagt nein, alles in einem will sich dagegen wehren – aber er ist doch so unschuldig….und so hilflos….

Wie ein böses Hundebaby das ausgesetzt wurde.

Man weiß es wird einen eines Tages totbeißen, aber man will es mitnehmen, will etwas in ihm suchen, dass nicht abgrundtief böse ist und klammert sich an die Hoffnung dieses Etwas zu finden.

Und dennoch weiß man. Hätte er eine zweite Chance, er würde es wieder genauso machen wie damals.

Trotzdem ist der Drang an das Gute im Menschen zu glauben stärker als die Vernunft.

Kommen noch Charisma und Redegewandtheit dazu, sind wir nur noch Fliegen, die auf eine fleischfressende Pflanze zufliegen.

Es ist unser Tod, aber dieser Duft ist so verführerisch,

Ich glaube das was die Zuschauer irgendwann hat verstummen lassen, war die Erkenntnis, dass sie sich alle von Ihm haben mitreißen lassen.

Und würde er tatsächlich in der heutigen Zeit wieder auferstehen…..

 

Pegida und AfD zeigen wo die Reise hingeht und unsere Regierung schaut zu,

Anstatt den Menschen die Angst vor Flüchtlingen und Ausländern zu nehmen indem sie sie aufklären, erklären sie sie zu “ besorgten Bürgern “ und treiben sie den Extremisten in die Arme.

Christoph Sieber hat vor kurzen etwas sehr kluges dazu gesagt:

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Ich bin sehr gespannt, wie das wird, wenn die Flüchtlinge ihre Familien nachholen und sie in Lohn und Brot gebracht werden.

Wenn dann aus den vermuteten 1,5 Mio. 2 oder 3 Mio werden.

Erinnert sich noch jemand an die Wiedervereinigung ?

Damals waren zunächst auch alle euphorisch und wie hat es geendet ?

“ Die kosten unser Geld „, “ Scheiß Ossis „, “ baut die Mauer wieder auf „, “ Solidaritätszuschlag wollen wir nicht.“

Und das waren Deutsche !

Wie wird das wohl dann bei den Flüchtlingen werden.

Damit wir uns nicht missverstehen. Ich bin dafür, dass den Flüchtlingen geholfen wird.

Aber so wie es im Moment läuft ist es einfach kopf- und planlos.

 

Und ich bin mir sicher, die Bildzeitung hat bereits passende Schlagzeilen in der Schublade, wenn die Stimmung umschlägt.

Es ist wie bei dem Witz, der eigentlich nicht wirklich witzig ist:

Sitzen ein Ausländer, ein Arbeitsloser und ein Reicher am Tisch, Auf dem Tisch steht eine Torte mit 20 Stücken.

Da schnappt sich der Reiche 19 Stücke und sagt zum Arbeitslosen: “ Pass auf, der Ausländer will dir dein Stück wegnehmen.“

 

Das Fernsehen arbeitet schon seit Jahrzehnten daran, das Volk zu verdummen.

Die Regierung schaut zu, denn sie machen sich die Hoffnung, dass dumme Menschen leichter zu regieren sind.

Ja- das sind sie in der Tat.

Nur wählen dumme Menschen aber auch dumme Parteien und lassen sich viel leichter manipulieren.

Der Versuch ein Volk mit Angst und Panik zu regieren, geht meistens nach hinten los. Na ja, außer vielleicht in den USA,

 

Dieses Bühnenstück ist so aktuell wie niemals zuvor und auch die Gefahr ist so aktuell wie niemals zuvor.

Denken sie nur mal es käme plötzlich ein Führer einer rechts-konservativen Partei, der mehr drauf hat als zu grölen und hohle Phrasen zu dreschen. Einer der klug und listig ist, charmant und gut aussehend. Der Lösungen anbietet, die irgendwie gut klingen.

20 % + X sage ich da.

Und wenn dieser Führer dann auch noch “ gute Politik “ macht und guten Gewissens wählbar wird.

Dann Gute Nacht Deutschland.

 

Meine Empfehlung: Gehen Sie in dieses Stück und hören Sie tief in sich hinein. Und achten sie mal darauf, wie viele Leute auf “ Sieg “ – “ Heil “ antworten.

Diese Menschen sind nicht böse. Sie haben sich einfach mitreißen lassen.

Dieses Stück ist wichtig, weil es uns daran erinnert, dass wir keineswegs vor der Verführung eines Demagogen sicher sind. Der Moment indem man als Zuschauer erkennt, wem man da Sympathie entgegen bringt, ist schockierend, aber hoffentlich trägt er dazu bei dass sich jeder einmal hinterfragt was er tun würde, wenn diese Zeit wiederkommt.

Und vor allem, was er tut damit diese Zeit nicht wiederkommt.

Aufklärung, Zusammenhalt und die Vermittlung von Wissen sind wichtige Waffen im Kampf gegen Dummheit, Ignoranz und Intoleranz.

Oder wie Sebastian Pufpaff so richtig sagt: “ Es gibt nur Arschlöcher und Nicht-Ärschlöcher.“

Also schnappen sie sich die Nicht-Arschlöcher, egal welcher Rasse und helfen sie mit Vorurteile auszuräumen und Ängste zu zerstreuen.

Mit ein wenig Aufklärung, wäre Pediga nur noch halb so groß.

 

Hier geht es zur Website vom Marotte Figurentheater: http://www.marotte-figurentheater.de/