Dui do on de Sell ( Die da und die Andere)

Wechseljahre

 

19.06.2015

Heute bin ich mal wieder in der alten Seminarturnhalle in Nagold und schaue mir zwei Frauen an.

Nein – nicht dass was sie jetzt wieder denken…wobei….wenn ich 10 Jahre älter wäre oder die Beiden 10 Jahre jünger…aber lassen wir das.

Schließlich sind Petra Binder und Doris Reichenauer, was die Familie angeht bereits reich beschenkt.

 

In gewohnter Tradition der Ahnungslosigkeit, die sich im Laufe der Zeit immer wieder bewährt hat, sitze ich in der ersten Reihe und harre der Dinge die da kommen mögen.

Ich schaue mir Künstler ganz gerne möglichst unbefangen an und habe mich daher nicht im Vorfeld über das Programm informiert.

Was weiß ich also ?

1. Es sind 2 Frauen

2. Es sind Schwäbinnen

3. Sie sollen lustig sein.

Da ich ein genügsamer Mensch bin, brauche ich für den Anfang nicht mehr zu wissen.

 

Also sitze ich da kurz vor 20 Uhr und plötzlich erlischt das Licht um kurze Zeit später die Bühne in ein Rotlicht zu tauchen, welches schönste Augenschmäuse erhoffen lässt.

Also so etwas wie Pamela Anderson in Strapsen.

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Eine geheimnisvolle Stimme kündigt verheißungsvolles an.

Ich höre Schritte und 2 Frauen betreten die Bühne.

Sie sind nicht Pamela Anderson und sie sind auch nicht in Strapsen.

Das rote Licht hat gelogen.

 

Stattdessen bietet sich meinem Auge, folgender Anblick:

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Dies sind Petra (links) und Doris (rechts) und in der Tat – es sind 2 Frauen. Und es sind Schwäbinnen.

Aber sind sie auch lustig ?

Um es vorweg zu nehmen – sie sind sau lustig und nach 15 Minuten ist man froh, dass das rote Licht gelogen hat.

Denn mal ehrlich, was will man mit einem amerikanischen Burger, wenn man Linsen mit Spätzle und Saitenwürschtle haben kann ?

 

Natürlich erzählen die Beiden an diesem Abend von Männern, die ganz anders sind als ich…hust.

Doris verkündet am Ende des Abends dass, falls ein Mann denkt, dass er anders wäre, als die Männer von denen Sie erzählt haben, er aufstehen möge und dieser Mann, dann von Ihr mit nach Hause genommen werden würde.

Vor meinem geistigen Auge, sehe ich die Schlagzeile: “ Junger, badischer, anschmiegsamer, einfühlsamer, eloquenter Radiomoderator, Journalist und zukünftiger sexiest Man alive, von zwei schwäbischen Putzfrauen geschändet !“

Aus Selbsterhaltungstrieb, bleibe ich sitzen.

 

Aber zurück zum Programm.

Die Wechseljahre, bilden hierbei den roten Faden.

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Wieso hört der Mann mit 7 Jahren auf geistig älter zu werden und wächst nur noch körperlich ?

Wieso fängt die Party an, wenn Petra ihren Frauenarzt besucht ?

Gibt es Engel mit Schwabbelarmflügel ?

Wieso haben Frauen heiße Körper und kalte Füße ?

Wieso steht nicht neben jedem Schuhgeschäft ein Baumarkt ?

Wie berechnet man als Frau seinen Marktwert, wenn man auf die 50 zugeht ?

Und hat sich der Elefant auf der Verpackung der “ Dick und Durstig “ Küchentücher, wirklich träumen lassen, einmal Achselschweiß aufzusaugen ?

Dies alles, wird im ersten Teil des Programmes erörtert – Na ja, fast alles.

Die letzte Frage ist mit gerade eingefallen, als ich mich gefragt habe, was wohl ein Küchentuch denken möge, wenn es die Achsel von Doris ziert.

Mit der Ankündigung, jetzt auf Männerfang zu gehen, geht es in die Pause.

 

Für das leibliche Wohl, ist in der alten Seminarturnhalle wie immer bestens gesorgt.

Es gibt unter anderem reichlich belegte Brötchen.

So reichlich, dass eine Scheibe Mozzarella, welche auf meinem Mozzarellabrötchen befindlich, und deren Bestimmung zu sein hat, erst das Brötchen, dann meinen Gaumen und zuletzt meinen Magen zu bereichern, versucht durch den Boden des, des Brötchen umschließenden Papieres zu entfliehen.

Jenes Unterfangen gelingt und die Tomatenscheibe, schaut ihrer flügge gewordenen Freundin traurig hinterher, als diese, die aus Weizenmehl modellierte Köstlichkeit, welche der Volksmund gerne “ Brötchen “ nennt, verlässt, und gleich einer fliegenden Untertasse, vom Mutterschiff abgekoppelt, gen Erde strebt.

Oder auf deutsch:

Mir isch die bleed Mozzarellascheib voll vom Weckle nondergehangelt.

 

Frisch gestärkt, geht es weiter mit Teil 2

Dieser beginnt mit einem Traum in Frottee.

Petra und Doris betreten mit einem Tablet bewaffnet und in Frotteebademäntel gehüllt die Bühne.

Petra hat sich dazu entschlossen, im Internet auf Männerfang zu gehen und eine Partnerbörse auszuprobieren.

Nun erörtern sie, ob dieses Unternehmen wohl von Erfolg gekrönt sein könnte und wir erfahren was für Männer die Beiden bevorzugen.

Heute suchen sie einen Holzfällertyp, dessen Haare von Kopf auf den Rücken gewandert sind.

Dazu wird im Saal das Licht angemacht und Doris huscht durch die Gänge.

Da – ein älterer Herr mit überschaubarem Haupthaar !

Schon hat sie ihre Beute gewittert und pirscht sich an.

Kurz überlege ich mir, ob ich ihm zu Hilfe kommen soll, aber eine alte Jägerregel lautet: Komme niemals zwischen das Raubtier und seine Beute.

Ich atme auf und bin froh, mir den Kopf heute morgen nicht wie geplant geschoren zu haben.

Anschließend reißen sie sich die Bademäntel vom Leib und stehen da wie Gott sie schuf….na ja….wenn Gott Putzfrauen erschaffen hätte.

Petra und Doris in ihrer Paraderolle als die zwei frechen Putzfrauen, die sie über die Landesgrenzen bekannt gemacht haben und mit der sie bei vielen Veranstaltungen aufgetreten sind.

Highlight des Auftritts ist, als sie von der Bühne herabsteigen um die Zuschauer zu putzen.

Da wird durchs weiche Haar gewuschelt, oder die Glatze des armen Mannes von vorhin poliert.

Beim Publikum kommt dies bombig an.

Am Ende des Abends, werden die Beiden dann noch eine Zugabe geben, bevor sie sich ihren Fans stellen, Autogramme schreiben und sich fotografieren lassen.

Nebenbei, gibt es auch noch ihre speziellen Schminkbrillen zu kaufen. Da ich mich aber selten schminke, sehe ich von einem Kauf ab.

 

Als dann auch noch der letzte Gast versorgt ist, treffe ich die Beiden in ihrer Garderobe zu einem kurzen Interview.

Wie gesagt, ich hatte mich mit Absicht nicht vorbereitet, weil ich Petra und Doris so erleben wollte, wie sie ein Zuschauer erlebt, der sie noch nicht kennt.

Und so habe ich dann auch das Interview gemacht.

Was würde jemand wissen wollen, der die Zwei nicht kennt ?

Wenn ich sie das nächste mal treffe, werden wir uns bestimmt über Weltpolitik, den demografischen Wandel, sexuelle Ausschweifungen und Skandale unterhalten *zwinker*

 

Nun aber erst einmal viel Spaß mit dem Interview:

 

Mein Fazit:

Petra und Doris sind zwei Prachtweiber, wenn ich das so sagen darf.

Voller Energie stehen sie auf der Bühne und zeigen das Leben.

Genau so können Unterhaltungen zwischen Frauen ablaufen.

Ich denke, gerade auch der Wiedererkennungfaktor ist hierbei ein wichtiger Bestandteil der Komik.

Frauen, sowie Männer, können sich in den Situationen wiederfinden.

Die Witze sind scharfzüngig und ich habe mir oft gedacht, was wohl wäre, wenn ein Mann, solche Witze über Frauen machen würde.

Vermutlich würden sie ihn mit Fackeln und Mistgabeln aus der Stadt reiben, oder ihn zur Kündigung seines Arbeitsplatzes nötigen. Gruß an Professor Hunt.

Was machen die Männer im Publikum ? Sie lachen darüber und nehmen es locker und sportlich.

Genau so würde man es sich öfters wünschen, denn manchmal ist ein Witz, einfach nur ein Witz.

In einer Zeit in der die Menschen sich immer wichtiger nehmen und sich immer schneller angegriffen fühlen, bedarf es solcher Frauen wie Petra und Doris, die keine Probleme damit haben als weibliche Chauvinisten aufzutreten.

Natürlich sollen Witze niemanden verletzten, aber ein wenig necken und sticheln muss erlaubt sein.

Genau dies ist das Spiel, zwischen Mann und Frau, welches seit Menschengedenken gespielt wird.

Und sind wir mal ehrlich – die Frauen waren immer schon die Sieger hierbei, aber sie waren klug genug, den Mann sich auch mal als Sieger fühlen zu lassen.

Daher – mehr solche Frauen auf die Bühne und mehr “ #Aufschrei-Frauen “ ins Publikum, damit sie merken, dass es auch anders geht und man als “ Opfer “ auch darüber lachen kann.

Natürlich ist es nicht ok, wenn Frauen diskriminiert werden, aber man hat so langsam einfach das Gefühl, dass die Empfindlichkeit sich in eine sehr ungesunde Richtung entwickelt.

Wenn man nicht mal mehr einen Scherz oder auch mal einen zotigen Witz machen darf, dann gehen wir wohl bald alle zum Lachen in den Keller.

 

Ich werde Petra und Doris auf jeden Fall wieder besuchen und mir auch ihre anderen Programme ansehen.

Die “ Wechseljahre “ kann ich schon einmal deutlich empfehlen.

 

Wer nun noch wissen möchte, wie, wo und wann die Beiden sind, der findet hier ihre Website: http://duidoondesell.de/