Dobbelmord im Aldersheim

Badisch Bühn

 

04.06.2016

Heute lieber Leser, liebe Leserin, nehme ich sie mit auf eine Reise.

Ich würde ja sagen “ Schließen sie die Augen und stellen sie sich vor…“

Da dies aber für die Tätigkeit des Lesens hinderlich wäre, stellen sie sich das Folgende lieber mit geöffneten Augen vor.

( Anmerkung: Sie können alle Bilder im Text anklicken. Dann erscheint das Bild größer und sie kommen mit der Pfeiltaste nach links, links oben in ihrem Browser zurück zum Bericht.)

 

Der folgende Beitag führt sie in eine Welt von Sex, Tod, Erpressung, Waffen, lüsterner alter Männer und einem Holzfällersteak mit Schmorzwiebeln.

Und sie sind mitten drin !

Sie unternehmen eine geistige Reise zur Badisch Bühn,

Lehnen sie sich zurück, machen sie es sich bequem und stellen sie sich folgendes vor:

 

Kapitel 1: Lebendig begraben

Sie haben in der Zeitung davon gelesen, dass die Badisch Bühn ein neues Stück aufführt und beschlossen, dieses zu besuchen.

Da sie vor dem Stück, gerne noch die viel gerühmte Küche des Schupi, das die Veranstaltungen der Badisch Bühn bewirtet, genießen möchten, kommen sie gegen 19 Uhr an.

Eine attraktive und sehr freundliche Frau mittleren Alters mit mittellangen, rötlichen Haaren begrüßt sie an der Kasse.

Als sie ihre Karte für Tisch 8 entgegennehmen, wünscht ihnen besagte Dame, Frau Munz, viel Spaß und guten Appetit.

 

Sie betreten den Saal, welcher bereits gut gefüllt ist und setzen sich zu zwei  Damen und einem Herrn an Tisch 8.

Beim Blick in die, für die Vorstellungen reduzierte Karte, fällt ihnen sofort das Original Holzfällersteak (250g) mit Speck, Schmorzwiebeln und Spätzle für 15,90 € ins Auge.

Ihre beiden liebreizenden Bedienungen Jessica und Nicole, welche sich an diesem Abend um ihr leibliches und emotionales Wohl kümmern werden, bringen ihnen zuerst etwas zu trinken und dann besagtes Holzfällersteak mit einem kleinen gemischten Salat.

Ihnen bietet sich folgender Anblick:

Spätzle mit Speck und ein unter einem Berg Schmorzwiebeln, lebendig begrabenes Holzfällersteak.

Von Letztem sehen sie allerdings nur ein kleines Stück, das unter dem Berg Schmorzwiebeln hervorschaut, als hätte es mit einer Hand noch versucht nach Hilfe zu winken, bevor es erdrückt wurde.

Dazu ein kleiner Berg Salat auf einem seperaten Teller.

Nachdem sie sich mit einer Gabel voller Salat gestärkt haben, machen sie sich an die Bergung des Verschütteten.

Um zu sehen ob er noch lebt, stechen sie ihm mit der Gabel beherzt in die Hand und schneiden ihm die Finger ab.

3 Minuten später, haben sie jene Finger so weit zwischen ihren Zähnen zermalen, das sie in der Lage sind zu schlucken.

Sie stellen die kühne Theorie auf, dass das schiere Gewicht der Schmorzwiebeln, sämtliches Fett und sonstige zähe Stellen in eben jene, inzwischen verstümmelte, Steakhand gequetscht habe.

Ansonsten könnte dies ein langer Abend werden.

Nach einem Schluck von ihrem Getränk und einem verunsicherten Blick in die Runde, essen sie sich mit ein paar Butterspätzle Mut an und rücken nochmals dem Berg Zwiebeln zu Leibe.

Leicht gleitet die Gabel unter die aromatisch duftende, von zwei kross gebratenen Speckstreifen gekrönte, Zwiebelversammlung.

Unter Ausnutzung der Hebelgesetze, wuchten sie das Zwiebelgebirge einen Zentimeter nach oben und ihr Auge erspäht ein nicht gerade kleines Stück Fleisch.

Geschickt gelingt es ihnen den Patienten ein Stück weit unter dem Berg hervor zuziehen und sie beginnen sofort mit der Behandlung. Jede Sekunde zählt…signalisiert ihr Magen.

Ihr Messer gleitet mühelos in das weiche Fleisch.

Erleichtert atmen sie auf, als sie das herausgetrennte Stück Steak betrachten, in ihren Mund verbringen und erkennen: Es ist warm, weich, zart und unheimlich gut.

In Kombination mit den im Mund schmelzenden, butterigen Spätzle, dem krossen und würzigen Speck und den aromatischen, rauchigen Schmorzwiebeln, wird in ihrem Mund eine Willkommensparty, für das gerettete Steak gefeiert.

Jeder tanzt mit jedem und im Überschwang dieser Vereinigung werden neue, geschmackliche Kinder geboren, welche in ihrem Erbgut das Beste beider Elternteile vereinen.

Der hervorragenden Geschmack des Steaks, wird durch die Schmorzwiebeln rauchig, aromatisch, die Spätzle nehmen dem ganzen mit ihrem Buttergeschmack die strenge und der Speck intensiviert den Geschmack mit seiner Würze und dem zusätzlichen Salz.

Nachdem sie alles, bis auf die missgestaltete Steakhand gegessen haben, stellt sich ein angenehmes, lange vermisstes Sättigungsgefühl ein.

Die Menge war genau richtig.

Sie sind so voll, dass nichts, aber auch gar nichts mehr in ihren Magen passt. Die Tür ist zu, verbarrikadiert, zugemauert, wegen Inventur geschlossen….oh sieh mal…Eis.

Nun ja….voll ist ja ein dehnbarer Begriff, oder ?

Sie bestellen also ein Eis bei Jessica.

Klingt irgendwie wie ein romantischer Film „Eis bei Jessica“ …egal.

Sie ordern Schokolade, Walnuss und Joghurt Zitrone und bekommen….Schokolade, Walnuss und Joghurt Zitrone…na sowas.

Ist ihre heiße Eisromanze nun zu Ende ? Sind sie jetzt nur noch ein Gast wie jeder andere ? Ein Gast der bekommt was er bestellt ?

Eine Träne treut aus ihrem Augenwinkel.

Aber da naht sie – Jessica. Sie lächelt sie an und sie haben einen persönlichen Moment mit ihr, der die Zeit zum verweilen bringt und Äonen andauert.

Alles gut. Sie lächeln zufrieden und verspüren eine Woge des Glücks, die sich durch ihren Magen zieht.

Sekunde…..das ist kein Glück…

„Jetzt bressierts !“, denken sie sich, winden sich gewand von ihrem Stuhl und streben, zügigen Schrittes zum Ort an dem nicht nur jegliche Hoffnung fahren gelassen wird.

5 Minuten später, hat man sie zum Porzellankönig erhoben und sie versuchen ihr Amt mit so viel Würde wie möglich auszuüben.

Soweit dies mit heruntergelassenen Hosen funktioniert.

Es klingelt und sie wissen – jetzt geht gleich die Vorstellung los.

In ihrer Panik, ja schnell zurück in den Saal zu kommen um nichts zu verpassen, wird ihnen ihr nicht an seinem dafür vorgesehenen Platz befindliches Beinkleid zum Verhängnis.

Den weit ausladenden Schritt im Geiste schon abgeschlossen, stoppt es die mechanische Ausführung des selbigen so abrupt, dass sich ihr Körper, gleich dem schiefen Turm von Pisa nach vorne neigt und jäh in seiner zunehmenden Fallgeschwindigkeit von der am vorgesehen Ort befindlichen, aber leider noch geschlossenen Klotür gestoppt wird.

Oder um es für die weniger wortgewandten Menschen klar zu formulieren: Sie fallen über ihre noch heruntergelassenen Hosen und knallen mit voller Wucht gegen die Klotür.

Dies hat zur Folge, dass das Klingeln sich nun in ihrem Kopf befindet, aber stufenweise leiser wird.

Mit hoch in die Luft gerecktem, nackten, aber zum Glück sauberem Hintern, liegen sie vor ihren Thron und verlieren nach ihrer Würde auch noch ihr Bewusstsein.

Sie verabschieden sich in die Welt des Traumes…..

 

Kapitel 2: Isidor Riegele – Dobbelmord im Aldersheim

Ihr Gehirn beginnt bestehende Erinnerungen mit Satzfetzen zu verbinden, welche es dumpf aus dem Saal mitbekommt.

Da sie außerdem ein begeisterter Jerry Cotton Leser sind, entsteht in ihrem Kopf, folgendes Bild:

 

Begierig blättern sie die erste Seite um und stellen überrascht fest, dass der Krimigroschenroman bebildert ist und nicht wie sonst üblich nur aus Text besteht.

Träume können schon komisch sein, denken sie sich und beginnen zu lesen:

 

Isidor Riegele – Dobbelmord im Aldersheim

 

Als Frau Lukrezia Frühbeis am Morgen des 04.06.2016 mit ihrer Freundin Serafine Morgenwüst die Parkplatzsituation im Wohnzimmer des Seniorenstifts Waldfried diskutiert, ahnt sich noch nicht, dass ein Tag voller Schrecken vor den Bewohnern des Aldersheims liegt.

Frau Morgenwüst, ihrerseits leidenschaftliche Hobbyärztin und Kittelkleptomanin, greift sich den soeben angerollten Cornelius, Freiherr von Jause Höllburger um ihn einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen.

Da ihre Leidenschaft, bei Cornelius jedoch eher Leiden schafft, ist dieser nicht gerade erbaut über diese Fürsorge und erhofft sich Rettung von der inzwischen, wenn auch zu spät, eingetroffenen Annika Rehmüller, ihres Zeichens Pflegeschülerin.

Doch da naht bereits das Unheil in Gestalt von Asta Krätzele, Heimleiterin und Chefin der pünktlichkeitsdivergenten Annika, welche von ihr zuerst zur Rede und dann in den Senkel gestellt wird.

Während sich Frau Krätzele danach bei Frau Frühbeis nach ihrer Nacht erkundigt und Freiherr Cornelius sein Bedenken äußert, zu Tode gepflegt zu werden, hat Frau Morgenwüst einen alter Dudelsack mit vielen Löchern gefunden, der ihr an den Fingern kleben geblieben ist.

Da sie sich mit dem dudeln, alter Säcke ganz gut auskennt, würde sie Cornelius auf dem nun in ihrem Besitz befindlichen Sack, gerne etwas dudeln.

Grenzenlose Begeisterung trifft auf grenzenloses Entsetzen.

 

Herr Ingolf Viktor Fröhlich, macht seinem Namen heute keine Ehre.

Täglich besucht er seine Schäfchen um diese ins „Trockene“ zu bringen.

Aber alles gut zureden hilft nicht. Heute wird der Deckel noch nicht geschlossen.

Die Belegschaft des Aldersheims tritt geschlossen vor die Bewohner und verkündet dass der Bewohner Guntram Poltermann einem schändlichen Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Da der Verstorbene nicht gerade für seine Herzensgüte bekannt war, hält sich die Trauer bei den Bewohnern in Grenzen.

Freiherr Cornelius erleidet einen plötzlichen Anfall von Anhänglichkeit und Annika twittert ihm daraufhin ihre Meinung.

Sie wollen weiterlesen – aber da steht nichts mehr.

Hektisch blättern sie die Seiten durch…alle leer.

Sie werden von ihrem eigenen, Gefluchte wach.

Was ist passiert ?

Wieso liegen sie auf dem Boden ?

Langsam sickert die Erkenntnis in ihre dröhnende Denkmurmel..

Richtig – die Klotür.

Sie lachen sich innerlich selbst aus.

Manchmal sind sie schon ein Dummerle.

“ Hoffentlich habe ich noch nicht so viel vom Stück verpasst !“, denken sie sich, öffnen die Klotür und streben zügigen Schrittes gen Ausgang.

Sie lachen noch immer, als ihnen bewusst wird, dass ihre Hose sich noch immer nicht an der richtigen Stelle befindet, da sich ihr Oberkörper deutlich schneller bewegt, als ihre Beine.

Die Trägheit der Masse verfluchend, sehen sie wie das Waschbecken sich darauf freut, gleich von ihnen geküsst zu werden.

Während sie also wie in Zeitlupe fallen und sich innerlich bereits auf den kommenden Schmerz vorbereiten, fällt ihr Blick auf die nun geöffnete und gerade noch in Griffweite befindliche Klotür.

Geistesgegenwärtig, greifen sie nach der Klinke und atmen erleichtert auf, als sie diese zu fassen bekommen.

Zu früh.

Die durch die Unbeweglichkeit ihrer Beine und der Fallgeschwindigkeit hervorgerufene Beschleunigung wird, durch den neuen Drehpunkt umgelenkt und sie sausen statt Richtung Waschbecken, nun auf die benachbarte Klotür zu, welche sie auch passgenau mit ihrem Gesicht treffen.

Erneut wird es Nacht in ihrem Kopf und ihre Gedanken verselbstständigen sich.

In ihrem nun folgenden Traum, geht es darum, wie der gewitzte Kommissar Riegele sich zusammen mit seinem Häppchen durch einen Sumpf aus Erpressung, Habgier, Lust und Verfolgungswahn kämpft.

Jeder ist verdächtig, alle haben ein Motiv.

Was will der undurchsichtige Herr Fröhlich ?

Wieso schleppt Frau Frühbeis Waffen mit sich herum ?

Steckt mehr hinter Annikas Abkürzungen ?

Und wer ist Wendelin Föhnhaar ?

Als dann auch noch ein zweiter Mord passiert, liegen die Nerven blank und Riegele benötigt die Hilfe eines Huhns um den Fall zu lösen.

Von einer Stimme werden sie geweckt: “ Schau mal Nicole, da liegt einer mitm nackerden Arsch aufm Klo rum !“

Sie öffnen ein Auge und erblicken die Bedienung Jessica, die sie mit einem unidentifizierbaren Gesichtsausdruck ansieht.

Da schwingt die Tür auf und ihre Kollegin Nicole kommt herein.

Sie sieht sie erschrocken an, stürzt auf sie zu und fragt ob alles ok sei ?

“ ja ja, alles ok. Meine Religion will das so !“, antworten sie schlagfertig, “ Wir beten immer punkt 21:48 Uhr mich nacktem Arsch gen Rhein.“

Nachdem sie sich kurz vom ordnungsgemäßen Zustand ihres Körpers überzeugt haben, bis auf das dröhnen im Kopf ist alles ok, richten sich sich wackelig auf und bekleiden sich.

Dann setzen sie ein gewinnendes Lächeln auf und schreiten so würdevoll wie möglich an den beiden Damen vorbei zurück in den Saal.

Sie kommen gerade noch rechtzeitig um den Applaus des Publikums und die etwas uncoordiniert wirkenden Verbeugunsversuche der Schauspieler zu sehen.

Nächste Woche werden sie noch einmal versuchen sich das Stück anzusehen.

Dann sicherheitshalber direkt ohne Hose.

 

ENDE

Ich habe nach der Hauptprobe am Mittwoch vor der Erstaufführung ein Interview mit Jürgen Hörner, dem Regisseur und Autor des Stückes gemacht.

Danach kommen die Einzelkritiken und ganz am Ende mein Fazit.

Bevor wir nun zu den Einzelkritiken  kommen, sei folgendes gesagt:

Dieses Stück wurde erst zum zweiten Mal vor Publikum aufgeführt.

Da ist es völlig normal, dass die Nervosität und die Angst davor etwas falsch zu machen dazu führen, dass das Stück, für mein Empfinden, noch nicht so ausdrucksstark war, wie in der Hauptprobe.

Das Publikum verzeiht zwar Fehler und findet diese auch oftmals besonders lustig, aber als Schauspieler hat man den eigenen Anspruch, die Rolle eben so perfekt wie möglich zu spielen.

Fast alle Schauspieler waren nervös. Bei den einen merkte man es mehr und bei den anderen weniger.

Wie gesagt – das ist nicht schlimm und absolut nachvollziehbar.

Meine Einzelkritiken sind sozusagen “ Jammern auf hohen Niveau “ und in erster Linie dazu gedacht, den Schauspielern ein Feedback zu geben.

 

Kommen wir zur den Einzelkritiken:

Mario Scheib als Kriminalhauptkommissar Isidor Riegele

Hat mir in sehr gut gefallen.

In Kombination mit Susanne Reisinger als Häppchen ein absoluter Genuss.

So viel Text und eine tragende Rolle beim ersten Mal mit nur einem Aussetzer zu spielen ist respektabel.

Schauspieler sind oft wie guter Wein. Sie werden mit der Zeit, also je länger das Stück gespielt wird immer besser.

Vielleicht gehe ich in einem halben Jahr noch einmal hin und schaue mir die Entwicklung an.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir hier einen Wein haben, der ein guter Jahrgang ist und sein Aroma entfalten wird.

 

Susanne Reisinger als Julia Häppchen

Sie ist bereits ein guter Wein.

Dieses mal in einer Rolle, die den Korken eher im Hirn als in der Flasche hat.

Ihre Gesichtsausdrücke sind der Hammer.

Gut gespielt und gut den einen Aussetzer von Mario kaschiert.

Ich denke die beiden werden, je länger das Stück gespielt wird, immer besser mit einander harmonieren.

 

Gaby Heckenhauer als Serafine Morgenwüst 

Gaby war extrem nervös und hetzte durch den Text als wäre der Leibhaftige hinter ihr her.

Hatte zum Beispiel die Beissszene mit Nora Schwedes in der Probe noch 5 Sekunden in Anspruch genommen, so war sie heute bereits nach 1-2 Sekunden fertig.

Dabei gab es für Nervosität eigentlich keinen Grund.

Sie war wunderbar textsicher und hat absolut sympathisch und glaubwürdig gespielt.

Das Publikum mochte sie vom ersten Moment an.

Wenn sie es schafft die Nervosität in den Griff zu bekommen, dann läuft es wunderbar.

 

Nora Schwedes als Lukrezia Frühbeiss

Die Nervosität merkte man bei ihr daran, dass sie zweimal über das Publikum spielte.

Während die Zuschauer am lachen waren, machte sie bereits weiter im Text, so dass man die nächsten Sätze nicht mitbekam.

Besonders am Anfang des Stücks, war sie einige Male sehr leise und dadurch schwer zu verstehen.

Ansonsten war auch sie wunderbar textsicher und glaubwürdig.

Dem Publikum gefiel vor allem die Szene als sie Annika mit dem Messer bedrohte.

Ihr Ausruck, ihre Stimme, die Kraft und Entschlossenheit  dahinter waren so gut, dass eine Frau neben mit meinte:“ Das könnte Miss Marple sein.“

Und dabei war sie in der Probe nochmal eine Ecke ausdrucksstärker.

Ich glaube, wenn sie ihre Probenleistung auf die Livebühne bekommt, bauen sie ihr ein Denkmal.

Für mich einer der stärksten Charaktere in diesem Stück.

 

Wolfgang Güse als Freiherr Cornelius von Jause Höllburger 

Er hat mich am Meisten überrascht.

Vom Ausdruck, der Präsenz, dem Witz, Charme absolut herausragend.

Aber auch er, war in der Probe noch eine ganze Ecke ausdrucksstärker.

Als er heute beispielsweise von Gaby Heckenhauer untersucht wurde, vermittelte sein Gesichtsausdruck eher Unbehagen.

In der Probe war es die nackte Angst, Panik und Verzweiflung.

Diese Rolle wurde quasi für ihn geschrieben.

Alleine schon wie er Julia Häppchen anschmachtet und sich in hemmungsloser Liebe nach ihr verzehrt ist so hinreißend gespielt, dass man am liebsten auf die Bühne springen und ihn knuddeln will.

In einem halben Jahr werden alle Singlefrauen in seinem Alter nach der Vorstellung zu ihm kommen und sich mit ihm treffen wollen.

Und die Kinder werden ihn fragen ob er ihr Opa sein will.

 

Thomas Munz als Ingolf Viktor Fröhlich 

Was soll ich zu Thomas Munz sagen ? – Eine Naturgewalt. Egal ob auf oder neben der Bühne.

Textsicher wie immer, sehr gute Präsenz und Witz.

Er hat die Rolle zu jedem Zeitpunkt ausgefüllt.

Eine Dame in meiner Nähe meinte “ Also den finde ich am Besten !“

Das einzige Mal dass ich gemerkt habe, dass etwas anders war als bei den Proben, war bei der Szene mit dem Fieberthermometer.

Hier las ich aus seinem Gesichtsausdruck Irritation und leichten Ekel.

Bei der Probe waren es noch Entsetzen, Abscheu und massiver Ekel, kombiniert mit weit aufgerissenen Augen und Ungläubigkeit.

Aber wie ich bereits sagte – das wird sich alles noch einspielen.

 

Natalie Hill als Annika Rehmüller 

Natalie ist eine Rampensau ( Im Sinne des „leidenschaftlichen Bühnenkünstlers“)

Ausdrucksstark gespielt, wenn auch ebenfalls nicht ganz so ausdrucksstark wie in der Probe.

Textsicher, taff, extrovertiertes Spiel, glaubwürdig.

Sie hat diese Nebenrolle, wie eine Hauptrolle gespielt und ich war ein wenig traurig, dass ihre Bühnenzeit mit fortschreiten des Stückes weniger wurde.

Zusammen mit Susanne Reisinger, der sanfte Morgenwind, der durchs Stück bläst.

Ich glaube man könnte Natalie nachts um 3 Uhr wecken, zu ihr sagen: “ Spiel deine Rolle.“ und sie würde es ohne Probleme hinbekommen.

Mir persönlich waren es ein wenig zu viele Abkürzungen, die sie benutzt, aber so steht es nun einmal im Text.

 

Uwe Kaucher als Lars Pfaffelhuber 

Die kleinste Rolle im Stück.

Aber wie wir wissen, sind die kleinsten Dinge, oftmals die wichtigsten, damit das Uhrwerk funktioniert.

Auch bei Uwe konnte ich keinerlei Nervosität feststellen. Er war ebenfalls textsicher, glaubwürdig und hat seine Rolle einfach gut gespielt.

Was mir ganz besonders auffiel war, dass er in diesem Stück gut 10 Jahre jünger wirkt, als in “ So-e Affetheater“

 

Angela Saurano als Asta Krätzele

Das erste Stück in dem ich Angela gesehen habe.

Sie wirkte sehr nervös und war unsicher im Text.

Ich glaube, dass sie im realen Leben eine sehr liebe und zurückhaltende Person ist.

Leider schafft sie es noch nicht ganz, diese positiven Attribute in der Rolle abzulegen.

Ich hätte mir die Rolle der Heimleiterin, nach ihrem Text und ihrem Verhalten ein wenig arroganter und selbstgerechter gewünscht.

Sie wirkte oftmals eher wie ein Kumpeltyp, als wie eine Chefin.

Gegen Ende des Stücks, hat sie mir wesentlich besser gefallen, da sich dort der Charakter der Rolle hin zu zerknirscht, unterwürfig und trotzig verändert hat, was ihr meiner Meinung nach deutlich mehr gelegen hat.

Von ihr würde ich gerne mehr Ausdruck und Präsenz sehen.

 

Mein Fazit:

Zum Essen habe ich ja bereits weiter oben alles geschrieben,was gesagt werden musste.

Die Belegschaft des Schupi, allen voran meine beiden Bedienungshasen Nicole und Jessica, waren wie immer überaus liebreizend.

Das Einzige, was mich etwas irritiert und meinen Geschmack nicht so ganz getroffen hat, was das Walnusseis.

Es schmeckte irgendwie ein wenig nach Banane.

Schokolade war sehr gut und Joghurt-Zitrone wie immer auch.

 

Das Stück war sehr unterhaltsam und mit vielen Überraschungen versehen.

Das Publikum hat sehr viel gelacht und bei einem Blick in die Runde, sind mir nur fröhliche und erwartungsvolle Gesichter aufgefallen.

 

Ich würde mir das Stück gerne nochmal in einem halben Jahr ansehen, denn ich bin überzeugt, dass es noch eine Klasse besser wird, wenn das Ensemble die Nervosität abgelegt und sich auf einander eingespielt hat.

Dafür, dass das Stück erst zum zweiten Mal vor einem Livepublikum aufgeführt wurde, war es jedoch sehr gut.

Ich habe nach dem Stück mit drei Zuschauern gesprochen.

Zwei von ihnen waren sehr zufrieden.

Der Dritte meinte, dass es ihm zu wenig professionell gewesen wäre.

Ich kann diese Meinung nicht teilen.

Ein Theaterstück ist kein Film.

Man muss seinen gesamten Text und auch wichtige Stellen im Text der anderen kennen um zu wissen wann man dran ist, gleichzeitig die Nervosität bekämpfen und darauf achten, dass man lebendig spielt.

Das passiert nicht über Nacht.

Abgesehen davon, darf man nicht vergessen, dass die Schauspieler dies alles in ihrer Freizeit machen und nebenher noch Job und Familie haben.

Ich fand sicherlich nicht jedes Stück gleich gut, aber ich hatte immer Respekt vor der Leistung der Schauspieler, die unter den oben genannten Gesichtspunkten immer absolut zufriedenstellend und oftmals sogar herausragend war.

Das Bühnenbild war ansprechend gestaltet und die Figuren glaubwürdig, wenn auch bewusst überzeichnet,

Für den Zuschauer war das Stück ein absolutes Highlight, für mich als Schreiber dieses Berichtes jedoch nicht ganz einfach zu verarbeiten, da ich ja nicht zu viel verraten wollte.

Daher habe ich nur Akt 1 in eine Geschichte verpackt und Akt 2 und 3 nur noch als Bilderserie dargestellt, da einfach zu viele Highlights darin versehen sind, die ich nicht vorweg nehmen wollte.

Ich hoffe die Geschichte drum herum hat ihnen gefallen und die Bilder animieren sie dazu, sich das Stück einmal selbst anzusehen.

Es lohnt sich.

 

Zum Schluss wie immer hier noch die Website der Badisch Bühn: http://www.badisch-buehn.de/