Die Pfann war sei Schiggsal

 

Freitag, 06.05.2016

An diesem schönen. milden Sommertag im Frühling, entschließe ich mich dazu die Badisch Bühn zu besuchen.

Da ich inzwischen in die Jahre gekommen bin, erwähle ich ein Stück, dem es genauso geht und schaue mir “ Die Pfann war sei Schiggsal “ an.

Am Eingang begrüßt mich freudig die Fee des Sommers.

Ach ne….Moment…es ist Fräulein Hill in einem luftigen Sommerkleid.

Und der Winterschmied, tanzte mit der Sommerfrau um den Sommer einzuläuten.

Ach ich Schelm, jetzt bin ich doch tatsächlich in der Welt von Terry Pratchett abgedriftet.

Zum Glück, denn nach dem Tanz mit dem Winterschmied verschwindet im Roman die Sommerfrau normalerweise in der Unterwelt.

Und das wäre doch in diesem Fall jammerschade.

 

Ich betrete den Saal, welcher noch überschaubar befüllt ist.

Bis zum Beginn des Stückes, wird er ungefähr zu zweidrittel belegt sein.

Selbstverständlich bin ich auch heute wieder zum Essen gekommen und schaue mir interessiert die Speisekarte an.

Mein Blick wandert direkt zum Gericht des Monats, welches sich wie folgt präsentiert:

“ Gebackene Ochsenschwanz Pralinen vom Hohenloher Rind auf Spargel-Kartoffelragout. – 16,99 € “

Und da ist sie wieder – die Unsicherheit.

Soll ich mein, in zahllosen Vorstellungen erprobtes, Schnitzel mit Pommes nehmen, welches Gaumen- und Magenfreuden, sowie ein angenehm sättigendes Gefühl nach sich gezogen hat, oder mutig sein und meine Zähne in die unbekannten Welten von Spargel und Ochsenschwanz schlagen ?

Ich frage Emanuella, welche mich heute bedient, was denn Ochsenschwanz Pralinen sind und ob die Portion ausreichend ist um meinem Magen Wohlbehagen zu verschaffen.

Mit großen Augen sieht sie mich an..ach ne…das ist nur die Brille. Eine schöne Brille. Aber irritierend groß.

Trotzdem passt sie gut zu ihr. Eine zierliche Person mit einer großen Brille und netten Augen.

Jessica, jetzt musst du sehr stark sein. Emanuella ist dabei mein Konsumentenherz zu erobern.

Sie erklärt mir, dass Ochsenschwanz der Schwanz vom Ochsen ist und das Fleisch davon paniert und zu so Kugeln gemacht wird.

Bei der Antwort, die Größe der Portion betreffend, lächelt sie mich an.

Irgendwo in meinem Gehirn merke ich, wie das Wort “ Ja “ gegen meine Gehirnwand platscht, aber ich bin gefangen von diesem Lächeln.

Wie in Trance sage ich “ Ja dann nehme ich das doch“, und lächel schwachsinnig.

Das ist also das Geheimnis vom Schupi* – nette und sympatische Bedienungen.

Leider bedenke ich nicht, dass Emanuella von wesentlich zierlicherer Gestalt ist als ich und “ ausreichend “ bei ihr eine andere Dimension darstellt.

Bei ihr sind sozusagen die Augen größer als der Magen.

 

Ich bekomme meine Ochsenschwanzpralinen in einem obszön großen Teller, in dem die Portion noch kleiner aussieht als sie ist.

Aber beurteilen sie selbst.

Wir haben hier:

Ochsenschwanzpralinen, Kartoffeln, weißen und grünen Spargel.

Ich probiere alles zunächst einmal getrennt.

Die Kartoffeln sind weich, sämig und aromatisch. Genau richtig. So sollen Kartoffel sein.

Der grüne Spargel, schmilzt auf der Zunge in hinterlässt einen feinen Buttergeschmack. Wunderbar

Der weiße Spargel ist knackig, bissfest und von einem kräftigen Geschmack mit einer leichten Butternote. Deutlich weniger als beim grünen Spargel.

Das einzig unangenehme ist der leicht bitter Geschmack im Abgang,

Kommen wir nun zu den Ochsenschwanzpralinen.

Eine knackige Panade, perfekte Konsistenz. An keiner Stelle, weicht sie auf oder wird labberig, wie man es oft von Panaden kennt.

Der Inhalt setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf.

Das Ochsenschwanzfleisch ist zart, und hat einen kräftigen Rotweingeschmack, welcher dazu führt, dass die Praline an Wild erinnert.

Mit einem angenehm feinen Nachgeschmack, tritt sie von der Zungenbühne ab.

In Kombination auf der Gabel, ergänzen sich die Einzelnen Zutaten wunderbar.

Nur der bittere Geschmack des weißen Spargels, stört die Harmonie der Aromen ein wenig.

Das ganze Gericht ist gut gewürzt und nicht aufdringlich.

Zur Menge sei folgendes gesagt.

Für einen Menschen, der anständig zu Mittag gegessen hat, ist die Portion ok.

Für einen hungrigen Menschen, hätte es 1/3 mehr sein können.

Es hat sehr sehr lecker geschmeckt, aber mir fehlte einfach dieses zufriedene, satte Gefühl am Ende.

Ich hatte immer das Gefühl: Da geht noch was rein.

Jessica weiß natürlich, dass ich meistens zwischen Akt 2 und 3 noch ein Eis zu mir nehme.

Dieses Vorteil nutzt sie und erscheint an meinem Tisch.

Ich bestelle dieses mal 3 Kugeln Eis mit Sahne.

Heidelbeer, Joghurt-Zitrone und Schoko.

2 Minuten später kommt Jessica zurück und fragt ob es Heidelbeer, Joghurt Zitrone und Walnuss war ?

Ich sage: “ Nein, Heidelbeer, Joghurt-Zitrone und Schoko,“

Nach ca. 5 Minuten bringt sie mir Heidelbeer, Joghurt-Zitrone und Vanille…

Ich bin verwirrt und beschließe zu Hause im Internet nachzusehen ob es vielleicht ein geheimer Code ist, wenn einem die Bedienung statt Schoko, Vanille bringt.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Bravo Girl, die rät: “ Wenn dir ein Boy sympathisch ist, bringe ihm das falsche Eis um seine Aufmerksamkeit zu erregen.“

Tadelnd sage ich zu mir: “ Manchmal kannst du so begriffsstutzig sein.“, und wende mich wieder der riesen Kugel Vanille zu, welche mir Jessica in bester Absicht brachte.

Vermutlich hat Sie mir noch eine geheime Botschaft in die Kugel gesteckt und ich habe sie gefressen.

Nehme mir fest vor ab jetzt Frauenmagazine zu lesen, damit ich weiß wie der Hase läuft.

 

Um 20:15 Uhr beginnt das Stück “ Die Pfann war sei Schiggsal “

Im Flyer steht dazu folgender Text:

Erich Kleinschmid ist ein echter “ Dipfelesscheißer „. Schon deshalb ist am Tag seiner Pensionierung seine Frau Klara äußerst beunruhigt.

Erich hat angekündigt, den Haushalt ab sofort minutiös durchzuplanen.

Erichs Plan scheint perfekt.

Aber das Leben lässt sich nicht planen: Sohnemann Wolfi verknallt sich in Erichs junge Kollegin Jule, Nachbarin Nebelhorn hält sich grundsätzlich nie an Pläne und ein Banküberfall wird Nachbar Jupp zum Verhängnis.

Und das Pfannenset im Sonderangebot hätte Erich besser auch nicht gekauft…

 

 

Wolfi Kleinschmid kommt nach Hause und wird dort von seiner vorfürsorglichen Mutter in Empfang genommen. Obwohl er bereits über 20 Jahre alt ist, traut ihm diese noch nicht einmal zu sich alleine anziehen zu können.

Die überaus neugierige und tratschbegeisterte Nachbarin Frau Nebelhorn schneit herein und bringt Unruhe ins Wohnzimmer.

Wolfis Vater Erich,, feiert heute seine Pensionierung und lässt sich zum ersten Mal auf Alkohol ein.

Eine fatale Kombination.

Frau Nebelhorn erkennt die momentan geistige Wehrlosigkeit Erichs, macht ihm schöne Augen und springt ihn vor den Augen seiner Frau an.

Er wehrt sich mehr oder weniger nach Leibeskräften dagegen und ist schwer schockiert….wie man auf den Bildern deutlich sieht…

Kaum sind Ehemann und Ehefrau aus dem Weg geräumt, werden Kaffee und Kuchen to go geordert.

Jedoch hat die lockengewickelte Kuchenenteignerin nicht mit der Staatsgewalt in Form von Jule, der ehemaligen Kollegin von Erich gerechnet.

Jule jedoch hat bereits ein anderes süßen Stückchen ins Auge gefasst und lässt die Kuchendiebin entkommen.

Jupp Koslowski, der Nachbar Erichs schneit herein und klärt die uralte Frage: “ Ich trink Ouzo, was trinkst du so ? “

Klara schließt sich Jupp an und promt, findet sich dieser als Qualitätsgutachter längst vergessener Lustareale wieder.

Als Erich diesem Treiben gewahr wird, ist er nicht begeistert, dass jemand in seinem Obstgarten rumgruschtelt.

Klara kann ihr Glück kaum fassen, dass ihr Erich ab jetzt jeden Tag zu Hause sein wird und könnte heulen vor Glück.

Bereits am nächsten Tag sieht sie sich einem straffen Putzplan gegenüber, welchen sie verzweifelt versucht einzuhalten.

Erich indes nutzt die neu gewonnene Zeit dazu, auf Schnäppchenjagd zu gehen und kauft absurd große Mengen an Zahnpasta und Klopapier ein um ein paar Cent zu sparen.

Außerdem hat er für Klara ein tolles Geschenk mitgebracht, welche die Begeisterung Erichs aber nicht so recht teilen kann.

Auch Jule erschließt sich der Sinn des Geschenks nicht so richtig. Zitat: “ Danke, aber ich esse aus Tellern.“

Jule hat aber sowieso andere Dinge im Kopf.

Nun wird die Beute Wolfi fachkundig angetanzt und verführt, so dass sich dieser in wilder, animalischer Lust beginnt die Kleider vom Leib zu reißen.

Bar jeglicher Selbstkontrolle und zum Äußersten entschlossen entbrennt ein erotischer Reigen, der erst zum Erliegen kommt, als das Mutterherz in tausend Stücke zerspringt.

Nun ist aus Wolfi endgültig ein Wolf geworden.

Das erfreut Frau Nebelhorn ungemein, welche auch gerne mal wieder eine Portion “ jung und knackig “ mit nach Hause nehmen würde.

Doch da schreitet die Staatsgewalt erneut ein und entführt den bösen Wolf zu einer Vernehmung und Leibesvisitation.

Die Sparkasse im Ort wurde überfallen und Jupp ist in Verdacht geraten.

Er bittet Klara ihm zu signalisieren wenn die Luft rein ist.

Erich hat dies natürlich mitbekommen und nötigt seine Frau zur Mithilfe bei der Ergreifung von Jupp.

Zu ihrem Pech klappt die Koordination nicht ganz und sie muss sich unter die Arme greifen lassen.

Frau Nebelhorn war fleißig und hat Jupp mit ihrer alten Wäsche beworfen.

Dieser ist ein wenig irritiert und gar entsetzt, als die Männerfresserin im Morgenmantel ihn nur gegen Gewährung von Liebesdiensten nicht verraten will.

Doch der Häscher ist bereits im anrollen und so entbrennt eine wilde Schlacht, an dessen Ende Pfannendavid den Goliath niederwirft.

Wie es aber nun weitergeht, sollten sie sich live ansehen.

Nur noch 4 Mal haben sie dazu die Möglichkeit, bevor dieses 10 Jahre alte Stück nicht mehr zu sehen ist.

Freitag den 13.05.2016

Samstag den 14.05.2016

Freitag den 20.05.2016

Samstag den 21.05.2016

Lassen sie sich diese Chance nicht entgehen.

 

Bevor ich nun zur Einzelkritik der Schauspieler komme, hier noch ein paar Bilder vom weiteren Verlauf zum ordentlich Appetit machen.

Kommen wir zur Einzelkritik:

Thomas Munz als Erich Kleinschmied

Ich habe ja schon des öfteren gesagt, dass ihm kaum jemand das Wasser reichen kann, wenn er wütende und aufbrausende Charaktere spielt.

Dass er aber auch sehr gut Situationskomik mimisch transportieren kann, ist eine weitere Bereicherung.

Gerade den Gesichtsausdruck und die Begeisterung, als er seiner Frau Klara, Hammer und Schuhkartons präsentiert hat, kannte ich von ihm bisher so nicht.

Ich vermute, dass Thomas und Nora während der Proben das ein oder andere Mal herzlich gelacht haben.

Man sieht zum Beispiel auch auf dem Bild, als Thomas sie unter den Armen packt und von der Bühne schleppt, dass Sie nahe am Lachen war.

 

Nora Schwedes als Klara Kleinschmied

Wie für diese Rolle gemacht, verkörpert sie die überfürsorgliche Mutter und devote Ehefrau absolut überzeugend.

Wenn sie weint und klagt, erinnert sie mich ein wenig an Stan Laurel (Dick und Doof)

Der Größenunterschied zwischen ihr und Thomas Munz, gibt vielen Szenen nochmal eine ganz eigene Komik.

Auf den Bildern, als er sie mit der Pfanne schlägt, könnte man meinen er stünde auf einem Stuhl.

Die Beiden haben wunderbar zusammen harmoniert.

 

Rita Grimm als Frau Nebelhorn

Als wollüstige, mit Bademantel und Lockenwicklern bestückte Nervensäge, top besetzt,

Wie sie in aller Seelenruhe den Kaffeetisch einpackt, ihr die Augen bei Wolfi in Unterwäsche überquellen, oder sie den armen Jupp berechnend zu ihrem Lustsklaven machen will ist sehenswert.

Selten wurde eine unsympathische Person, sympathischer gespielt.

 

Andreas Stark als Jupp Koslowski

Ich nenne ihn ja immer wieder mal gerne den badischen Hannes.

Allerdings wird ihm dies nicht gerecht, da er was Ausruck in Spiel, Gestik und Mimik betrifft sehr viel mehr zu bieten hat als Albin Braig.

Nach dem Dialekt zu gehen, den er Jupp Koslowski gegeben hat, würde ich sagen, dass dieser Kölner ist.

Da es aber im Stück nicht zur Sprache kommt, ist dies eine Vermutung.

Es bleibt mir nicht viel mehr zu sagen als: Wie immer sehr gut.

 

Susanne Reisinger als Jule

Man sollte nicht glauben, welch Potenzial in dieser zierlichen Person steckt.

Sie hat Wolfi um den Finger gewickelt, manipuliert, animiert, kurzgehalten und dann fachkundig zerlegt.

Das Ganze war so gerissen und perfekt gespielt, dass mir fast die Worte fehlen. Aber nur fast.

Wenn sie im echten Leben nur klein bisschen so ist wie in ihrer Rolle, dann muss ihr Freund ein sehr willenloser aber sehr glücklicher Mann sein, denn gegen diese Frau ist kein Kraut gewachsen. Was sie will, das bekommt sie und sie weiß genau wie sie es sich holen kann.

Schauen Sie sich die Bilder an auf denen sie Wolfi dazu animiert sich auszuziehen. Dieser Blick.

Das hat man oder man hat es nicht.

Ich bin sehr gespannt darauf sie in „Dobbelmord im Aldersheim “ zu sehen,

 

Felix Gittinger als Wolfi Kleinschmid

Ein für mich neuer Schauspieler, den ich bisher noch nicht gesehen habe und promt hat er mich überzeugt.

Leidenschaftlichen und kraftvolles Spiel mit toller Mimik und Gestik.

Ich habe ältere Bilder dieses Stückes gesehen, als er den Wolfi noch glattrasiert gespielt hat und muss sagen, dass der Bart den er nun trägt, deutlich besser passt.

Den genervten Sohn im Zusammenspiel mit Nora Schwedes bringt er genauso glaubwürdig rüber wie den, von hormonellen Schüben in einen Strudel animalischer Lust geschleuderten Spätzünder zusammen mit Susanne Reisinger.

Selbst das Zusammentreffen mit der von Rita Grimm gespielten Frau Nebelhorn hat seine ganz eigene Magie.

Ich würde mich freuen Felix Gittinger auch künftig in Stücken der Badisch Bühn sehen zu können.

 

Unterm Strich bleibt zu sagen, dass mir während des Stückes nicht aufgefallen ist, dass es mit nur 6 Schauspielern gespielt wurde.

Alleine das spricht schon für die Qualität und enorme Bühnenpräsenz dieser Sechs.

 

Mein Fazit:

Essen toll, Bühnenstück kurzweilig, gut besetzt und lustig = hingehen !

Vergessen sie nicht, dass sie nur noch 4 Mal die Gelegenheit haben werden dieses Stück anzusehen.

Mein Dank geht natürlich an die Schauspieler, die reizende Kartenverkäuferin und das Küchen- sowie Bedienungspersonal vom Schupi.

Ihr wart wie immer freundlich und ich habe mich sehr wohl gefühlt.

 

Die Website der Badisch Bühn finden sie hier : http://www.badisch-buehn.de/