Christoph Sieber

 

13.05.2015

Heute bin ich bei Christoph Sieber im Tollhaus in Karlsruhe.

Als ich eintreffe, steigt er gerade aus dem Taxi.

Wir begrüßen uns und betreten den Künstlerbereich.

Nachdem eine Künstlerumkleide ausgesucht ist, kann es kurze Zeit später auch schon mit dem Interview losgehen.

Gegen 19:30 Uhr betrete ich den kleinen Saal uns suche meinen Sitzplatz.

So wie es aussieht, werde ich später mal wieder im Schein des Notausgangslichts schreiben, aber das kenne ich ja schon.

Egal – Wer schön sein will muss leiden.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

Das Leben ist kein Ponyschlecken.

(hier bitte beliebigen klugen Spruch einfügen)

 

IMG_472219:54 Uhr

Es ist brechend voll im kleinen Saal.

Ich beschließe die Fotos von hinten zu machen. Zum Glück habe ich wie immer mein Stativ dabei.

Die ersten 10 Minuten sind als Fotozeit angesetzt.

 

 

IMG_4723Meine Hoffnung, der Saal möge heute gut belüftet sein, stellt sich leider als unbegründet heraus.

Ich werde später noch mit Sebastian sprechen, der mir erklärt, dass die Klimaanlage bei Wortbeiträgen zu laut ist und man sie deshalb während der Vorstellung nicht laufen lassen kann.

Also werden in der Pause wieder alle Türen aufgerissen und die Klimaanlage auf voller Stufe laufen gelassen.

Leider ändert das nichts daran, dass in Laufe der Zeit der kleine Saal immer mehr zu einer stickigen Sauna wird.

Das Personal vom Tollhaus ist wie immer sehr freundlich.

Ich bin hier immer gerne zu Gast, auch wenn ich durchaus mal etwas kritisiere.

Aber das gehört nun einmal dazu. Schließlich kann Kritik auch etwas positives sein, da sie dabei helfen kann Probleme zu erkennen und diese zu beheben.

Vielleicht findet man ja irgendwann auch eine Lösung für das Hitzeproblem im kleinen Saal. Das geht nämlich mächtig auf den Kreislauf.

 

IMG_4725Um 20 Uhr betritt Christoph die Bühne und legt los.

Pegida, Rassenhass, moderne Technik mit tausend Knöpfen die überfordern, sind in den ersten Minuten die Themen.

Ein Ehepaar kommt 10 Minuten zu spät und wird natürlich promt in die Show eingebaut.

Christoph schüttelt ihnen die Hand: “ Entschuldigung, ich habe schon angefangen. Hätte ich gewußt, dass sie später kommen, hätte ich gewartet. Kommen sie einfach in der Pause in die Kabine, dann erzähle ich ihnen was passiert ist. – Nächstes mal kommt die Hälfte zu spät, weil sie alle in die Kabine wollen.“

 

Nach einer halben Stunde bittet Christoph darum, die Seitenstrahler dunkler zu machen, da er sonst zu Teil 2 einen Dachschaden wegen der Hitze hat.

Auf der Bühne muss es noch heißer sein als im Saal.

Ein Satz der mir sehr gut gefallen hat: “ Bildung ist all das, was man noch weiß, wenn man alles vergessen hat, was man gelernt hat.“

“ Fernsehen war früher besser – da lief nachts nix.“

Er spielt mit dem Publikum. Zieht sich ein Jacket an und lässt Volksmusik spielen um Frohsinn zu verbreiten.

Dann drehen sich die Themen um Hartz IV und Altersarmut.

Die Stimmung sinkt und das Publikum wird betroffen.

Und schon ist die Volksmusik wieder da um das Volk zu erheitern.

So wiederholt sich das noch einige Male.

Immer wenn die Stimmung im Keller ist, wird Volksmusik gespielt.

“ Kluges Kabarett „, denke ich mir, “ Schade, dass es wieder kaum jemand kapieren wird.“

Der Deutsche regt sich erst dann auf, wenn es ihm wirklich an den Kragen geht und dann ist es meistens zu spät.

Es ist schon so, wie Christoph es auf der Bühne sagt: “ Wir haben verlernt, zornig zu werden.“

„Der Gesellschaft ist der Zorn abhanden gekommen und sie ist zu einem Meer der Gleichgültigkeit geworden.“

„Kabarett muss Erwartungen brechen.“

„Keine Erwartungen zu haben macht glücklich. “

Er bietet sich an, stellvertretend fürs Publikum zornig zu werden.

Die Zuschauer sollen ihm Dinge zu rufen, die sie wütend machen.

Es Fallen Begriffe wie Bildzeitung oder Steuern.

Er fordert vom Publikum einen Urschrei, dass die U-Bahn einstürzt.

“ War eh eine blöde Idee. Geld übrig, also verbuddeln wirs. machen die in Stuttgart ja auch. “

Ein Urschrei fegt durch den Saal.

“ Lasst uns nicht Blind vor Wut werden “

“ Richtiger Zorn richtet sich immer nach Oben. Die Kleinen können nichts dafür “

Damit spielt Christoph aus die Medien, Politiker und die Lobbyisten an, die immer sehr gerne die Kleinen gegeneinander aufhetzen.

Arbeiter gegen Arbeitslose, Arbeitslose gegen Rentner etc.

Nun ist Pause.

Ich habe wieder Licht und hoffe meine “ Finsternisssauklaue “ heute Abend noch lesen zu können. ( Es wird mir nur mit Hilfe eine Graphologen gelingen, der meine Schrift zunächst einem frühen menschenähnlichen Volk zuordnet, das über riesige Gehirne und riesige Schw…  – ähm – sorry, ich träume schon wieder )

Ich bin sehr gespannt, ob Christoph nach der Show noch Autogramme geben wird.

Vor der Show, saß er mit den Zuschauern zusammen im Biergarten.

So etwas gefällt mir.

Ich mag es, wenn die Künstler normale Menschen geblieben sind.

Neulich sagte jemand zu mit “ Du magst vieles !“

Ich glaube so einen “ Vorwurf “ hört man nur in Deutschland.

Ja – ich mag vieles, weil ich ein weltoffener Mensch bin und eben nicht nur den Künstler, sondern den Mensch hinter der Bühnenfigur sehe.

 

So – es geht weiter mit Teil 2

Christoph kommt auf die Bühne und teilt den Zuschauern mit, dass er über sie nachgedacht hat und ihnen ein Feedback zur Qualität des Publikums geben möchte.

Den Vergleich zu Goddelau scheinen wir gewonnen zu haben. Er ist sehr zufrieden mit uns,

Draußen fängt es an zu Gewittern und Donner grollt so laut, dass man es bis in den Saal hören kann.

Christoph schaut erschrocken gen Himmel und ruft: “ Weselsky ich hab nichts gesagt !“

Er parodiert Poetrieslam und meint zum Punkt Visionen in der Politik: “ Die einzige Vision die umgesetzt wurde, ist der Abbau des Sozialstaates.“

Pharmakonzerne erfinden Krankheiten und schüren Ängste.

Er lebe lieber ein paar Jahre kürzer aber dafür erfüllt.

Ich bin beeindruckt, wie treffend er die Dinge auf den Punkt bringt, die mir schon länger im Kopf herumgehen:

“ Armut ist gewollt, weil der Mensch dadurch zum Bittsteller wird und damit leichter regierbar und dominierbar wird. “

“ Macht euch keine Illusionen. Wenn das was ich hier mache etwas bewirken würde, würde ich hier nicht stehen.“

Aus diesem Satz, spricht der Frust, den man als Kabarettist wohl öfters empfindet, wenn man den Menschen aufzeigt, was nicht stimmt und dann die Welle der Gleichgültigkeit über einen schwappt.

Um zu zeigen wie egal es ist was man wählt, fängt er an mit Bällen auf der Bühne zu jonglieren – Politikjonglage.

Ohne Brille und mit babyblauer Kappe, gibt er einen Hip Hop zum Besten.

Zum Abschluss gibt es dann noch Dressurreiten mit original Kommentar, bei dem er die Bewegungen des Pferdes nachmacht.

Die Vorstellung endet gegen 22:30 Uhr.

Christoph wird später noch ins Foyer kommen um ein paar Autogramme zu schreiben und setzt sich dann noch in den Biergarten und unterhält sich mir ein paar Fans, bevor es zurück ins Hotel geht.

 

Mein Fazit des Abends:

Christoph versteht es gut, Comedy und Kabarett zu mischen.

Er bringt die Leute anfänglich zum Lachen und zieht dann Vergleiche zur Realität, so dass einem das Lachen förmlich im Halse stecken bleibt und einen nachdenklich zurücklässt.

Auch wenn ich seine Einschätzung teile, dass es kaum etwas bewirken wird, da wir uns in einer Gesellschaft der Gleichgültigkeit befinden, so denke ich doch, dass diese Form des Kabaretts am Ehesten dazu geeignet ist, in den  Menschen etwas zu bewegen.

Zum Thema Gleichgültigkeit, sollte man sich einmal vergegenwärtigen, wie oft das Volk früher auf die Strasse gegangen ist und demonstriert hat und wie oft heutzutage.

Sicherlich ist auch Christoph Sieber nicht der Mensch, der alle Antworten hat und dessen Ansichten alle korrekt sind, aber er bringt die Menschen zum Nachdenken und das ist es, worauf es ankommt.

Mit hat das Programm gut gefallen und den Publikum auch.

Von daher kann ich dieses Programm all denjenigen empfehlen, die gerne einmal zum Nachdenken gebracht werden.

Allen, die einfach einen entspannten Abend haben möchten und herzlich lachen, muss ich abraten.

In diesem Fall, wäre ein reiner Comedian zielführender.

 

Das aktuelle Programm könnt ihr auf CD hier erwerben:

Christoph Sieber: Alles ist nie genug: WortArt

Zu seiner Homepage, geht es hier:

http://www.christoph-sieber.de/