C.Heiland

Ich bin in der Brigitte

 

24.09.2015

 

Heute Abend habe ich spontan zum Glauben gefunden.

Ich glaube, dass ich heute gut unterhalten werde.

Wieso glaube ich das ?

Ganz einfach – mir wird der Heiland erscheinen.

Genauer gesagt C.Heiland mit seinem Programm: “ Ich bin in der Brigitte “

Außer mir haben sich noch ca. 40 andere Pilger im Jubez Tempel in Karlsruhe eingefunden.

Uns eint der Glaube.

Wem sich erschließt, dass mit “ der Brigitte “ nicht etwa die Frauenzeitschrift gemeint ist, sondern eine Frau namens Brigitte, der bekommt alleine von Titel her schon einen Vorgeschmack auf den Abend.

Er wird schmutzig, schwarz und böse.

Das weiß ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Ich hoffe diese Show wird so interessant, wie die Unterhaltung meiner Sitznachbarn.

Da geht es um den 1.FC Köln, die Wise Guys, von denen Refrains vorgesungen werden, gestresste Arbeitnehmer und “ Bühnenzeugs „.

Na da muss der Heiland wirklich was bieten um das zu toppen.

 

Ich sitze also in der ersten Reihe und erwarte einen Mann, den ich bis jetzt nur von seinen Plakaten her kenne, auf denen er aussieht als wäre er gerade bei der Schwiegermutter zum Kaffee eingeladen gewesen oder hätte seine Weihung zum Pfarrer abgeschlossen. Harmlos eben.

Wieder einmal ein Beispiel dafür, dass die Verpackung nichts über den Inhalt verrät.

Während der Show, werde ich erkennen, dass wir einem falschen Heiland gefolgt sind und sich in Wahrheit der Beelzebub hinter diesem harmlosen Gesicht verbirgt, der mit einem Mundwerk, bei dem man schon die Mutter mit der Seife rennen sieht und einer Zunge, welche wie ein Drache, Flammen bitterbösen, schwarzen Humors ausspeit.

Wenn seine Lieder beginnen, denkt man noch: “ Da kommt jetzt was Nettes.“ – Aber da kommt nichts Nettes !

Da wird zum Beispiel über die im Rollstuhl sitzende Mandy gesungen, die er unter einem Heizpilz kennengelernt hat und welche zum Glück nicht reden kann, oder über den Kopernikus Kinder Khor der treffender weise in langen Kutten auftritt.

Das Publikum ist gefangen zwischen Lachen und nicht wissen ob sie darüber lachen dürfen.

Mit seinem Omnichord ist dieser Teufelsgeiger ohne Geige voll in seinem Element.

Das Omnichord ist ein japanischen Instrument, welches Anfang der achtziger Jahre für die frühkindliche Musikerziehung konzipiert wurde, erklärt er uns.

Die Pilger und eine Säule, welche er zu Beginn des Programmes begrüßt hatte, tauen so langsam auf.

Kein Wunder, bei gewissen Flötenstunden, Möses und Spritzgebäck vom Fickolaus, was mit positiven “ Ja “ Rufen vom Publikum garniert wird.

Ich werde gezwungen zu schreiben: “ Die Stimmung ist geil !“

Der rote Faden dieses Abends ist aber Brigitte.

Sie ist…Verzeihung…sie war, seine Freundin. Bis sie mitten in Berlin von einem Meteor erschlagen wurde.

Die Trauer über diesen Verlust scheint ihn Wahnsinnig gemacht zu haben, was diesen Abend erklärt. – Wahnsinnig gut !

Er sieht mich schreiben und meint: “ Du kannst schreiben was du willst. Ich war gestern in München und schlimmer als die Süddeutsche geschrieben hat, kann es nicht werden.“

Als er mir ins Gesicht sieht, scheint er seinen furchtbaren Irrtum zu bemerken, kommt von der Bühne und umarmt mich.

Aha – er will mich also mit körperlicher Zuneigung gefügig machen.

Das klappt.

Zum Abschluss bedankt er sich beim Publikum und der Säule, tanzt noch eine Runde und geht links ab.

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Nun – links ist kein Ausgang.

Was mag da noch kommen ?

Ich gebe zu, ich bin auf einiges gefasst.

Worauf ich nicht gefasst bin, ist ein ausgewachsener Mann, der im blauen Hundekostüm mit einem Batmanaufnäher auf der Brust die Bühne betritt und Country Musik spielt.

Er ruft mir zu : “ Die Leute sind immer unzufrieden ! Schreib das ! “ – und ich gehorche.

Zu dem Klängen von “ This is the End „, sitzt er apathisch neben seiner Merchandise Box und schreibt Autogrammkarten vor.

Das Publikum ist irritiert.

Kommt da noch was ?

Nein, This is wirklich the End.

Eine Zuschauerin erhebt sich und holt sich ein Autogramm.

Das ist das Signal für die Herde und die Verkaufswelle beginnt zu rollen.

 

Am Ende habe ich noch ein Interview mit Ihm geführt. Danach mein Fazit vom Abend.

Mein Fazit:

Um es in einem Satz zu sagen: Wo Rainald Grebe aufhört, fängt C.Heiland an.

Um es mit einem anderen Satz zu sagen: Musikkabarett, bei dem man sich fühlt, als würde Rotkäppchen eine Schrotflinte auspacken und die Großmutter erschießen.

Beißender, schwarzer und dreckiger Humor – Passt !

Das Publikum hat sich bestens unterhalten gefühlt und ist zufrieden nach Hause gegangen.

Der Künstler würde mit viel Applaus und Gelächter belohnt, auch wenn es nicht immer einfach für ihn war, das Publikum aufzutauen.

Meiner Meinung nach, ein Programm, welches man unbedingt sehen muss, wenn man sich für schwarzen und dreckigen Humor begeistern kann.

Von den Liedern her erinnert er sehr an Rainald Grebe, wobei die Texte wie gesagt noch böser sind.

Wem also Grebe nicht ausreicht, der ist bei C.Heiland genau richtig.

Leider ist er im südlichen Raum Deutschlands noch nicht so bekannt, wie im Norden.

Wenn er so weitermacht, sollte sich das aber bald ändern.

 

Wer wissen möchte, wie es mit Brigitte endet, b.z.w. wie er über diesen tragischen Verlust hinwegkommt, der sollte unbedingt sein Programm “ Ich war in der Brigitte“ besuchen.

Die Veranstaltungsorte sind auf seiner Homepage zu finden: http://www.c-heiland.de/

 

 

 

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