Bernd Gnann – Die Made mit Speck

 

11.10.2015

 

Ich bin gegen 18 Uhr im alten Schlachthof in Karlsruhe.

Heute gibt es “ Made “ mit Speck.

Nein, die Gäste müssen keine Maden essen. Es handelt sich hierbei um den Titel des Heinz Erhardt Abends, der heute, hier von Bernd Gnann zum Besten gegeben wird.

Der “ Speck “ bezieht sich auf ein reichhaltiges Buffet, welches an diesem Abend im Eintrittspreis enthalten ist.

Es gibt verschiedenste Salate, Fisch, Schnitzel, Nudeln und eine Pilzsauce.

Die Gäste bummeln im Kreis um den Tisch herum und wuchten sich die Köstlichkeiten auf den Teller.

Moment mal – war dieser ältere Herr nicht gerade schon einmal da ?

Ich werde später auch noch eines dieser Schnitzel mit Nudeln, Kartoffelsalat und Sauce essen.

Wird mir ausgesprochen gut schmecken. Das Essen kann ich also schon mal empfehlen

Das weiß ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht und der Duft der an meinen Nasenflügeln zerrt, lässt mich phantasieren.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich schwäbische Ehepaare im gehobenen Alter die sich mit einander unterhalten:

“ Herrmann, ich bin satt !“

“ Halt dei Gosch, des isch oll ikusiff also stopf nei was nei god, Next zwoi Dog misse mer Schwarzborkande fresse.“

Im Hungerwahn versuche ich mich abzulenken und blicke mich in der Schankstube um.

Gefällt mir gut. Sehr stimmungsvoll eingerichtet.

Holzboden, Holztische, Holzstühle und eine Holzbar mit Marmor verkleidet.

Nur die Säulen im Raum scheinen massiv zu sein. – Hoffe ich.

An der Decke hängen alte Schachteln….

Nein, ich rede nicht von Damen im fünften Frühling, sondern in der Tat von Schachteln, in denen wohl einmal Whiskey gesteckt haben möge.

Der ehemalige Inhalt dieser Schachteln, ist einladend hinter der Bar in Reih und Glied aufgestellt und effektvoll beleuchtet.

Der Whiskey schreit mir förmlich entgegen: “ Trink mich, ich bin ein verzauberter Hochgenuss.“

Stark bleiben.

Ich bin sehr gespannt was mich heute Abend erwarten wird.

Das Publikum ist zahlreich und überwiegend älteren Semesters. Hier und da, haben sich aber tatsächlich auch einige jüngere Heinz Erhardt Fans eingefunden.

Um kurz nach 19 Uhr beginnt die Vorstellung.

Ernst Kies sitzt auf der Bühne und spielt das Akkordeon. Im Verlaufe des Abends, wird er dem Publikum als Igor aus Kasachstan vorgestellt und schmettert ein ums andere Mal russische Lieder, die in einem den Wunsch nach einer Pelzmütze und Wodka aufkeimen lassen.

Bernd betritt mit einem Bund Karotten in der Hand den Saal und verteilt sie an einige Zuschauer.

Er stellt sich kurz vor und offenbart ein schweres Schicksal, dass er aber gut verbergen kann. Er ist Oberschwabe !

Mir kommt der Bericht vom Auslandsjournal in den Kopf, den ich neulich gesehen habe in dem es darum ging, dass Islamisten die öffentlichen Schulen unterwandern und den Kindern ihre Lehren aufzwingen.

So fühlt sich das also an !

Ein Schwabe – im Herzen Badens,

Innerlich kreische ich wie ein Schulmädchen. Äußerlich bin ich gelassen und stoisch.

Er sieht mich an.

Er weiß es…

Weiß dass ich ihn durchschaut habe.

Geschickt versucht er abzulenken indem er mich in den Nebenraum schickt um die Lüftung im Raum aktivieren zu lassen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück seine Bedienungen zu opfern indem er mir vorschlägt sie von hinten zu umarmen und ihr: “ Schatz – Lüftung “ ins Ohr zu flüstern.

Dieser Fuchs !

Kaum habe ich mich umgedreht, umgarnt er das Publikum mit einem Schwabenwitz und macht ihnen den Mund wässrig indem er die Made deluxe im Erbprinzhotel ankündigt – mit noch besserem Essen.

Verflucht – er hat die zwei Schwachpunkte der Badener geschickt ausgenutzt – Schwabenwitze und Essen.

Für heute hast du gewonnen Schwaben-Bernd. Aber meine Zeit wird kommen.

 

Generell ist Bernd Gnann´s Mienenspiel in Teil 1 des Programms unbeschreiblich gut.

Kleine Kostprobe gefällig ? Bitteschön:

Nicht nur Gedichte und Lieder von Heinz Erhardt werden vorgetragen, sondern auch andere aus dem schwäbischen und badischen Raum.

Man merkt, dass er eine Schauspielausbildung hinter sich und lange Zeit an Theatern gespielt hat. Stimmlage, Betonung, Gestik und Mimik – alles ansprechend und stimmungsvoll.

In seinem Programm geht es unter anderem auch um niesende Menschen in der Straßenbahn. da spricht er mir aus dem Herzen.

Beim Lied “ Horst der Hahn “ verteilt er an alle Zuschauer in Raum Karotten.

Nun weiß ich auch, wozu er eine ganze Kiste neben mir an der Theke deponiert hat.

Das Publikum soll auf ein Signal hin synchron in die Karotten beißen.

Dies klappt auch bereits beim zweiten Mal überraschend gut und beim dritten Mal beißen sie in die gelben Rüben, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

In der Pause nimmt sich Bernd Gnann kurz Zeit für ein kleines Interview:

Danach geht es mit Teil 2 des Programms weiter.

In Verkleidung eines…ja was eigentlich ? Ich vermute es ist ein Bayer….betritt Bernd den Saal und sucht offenkundig seine frisch angetraute Gattin.

Zwischendurch lernen wir etwas über Romantik am Baggersee und der schnellsten Zuge des Südens.

Nachdem er sie aber weder im Saal, noch im Außenbereich finden kann, beginnt er sich an einer Maß Bier fest zu halten und leert diese in einem Zug.

Er ist nun sozusagen – maßlos.

Es folgt das Lied: “ Schön ist die Jugend. Sie kommt nie wieder “ und die alten Menschen im Saal singen mit.

Jetzt ist aber mal so richtig Stimmung im Saal !

Nun fehlen eigentlich nur noch Fässer voller Bier und eine halbe Sau am Spieß, damit mindestens 50 % der Menschen hier nie wieder weg gehen.

Danach folgen traurige russische Volkslieder ( zumindest hört es sich so an ) Gedichte von Hugo Breitschmid und die aktuellen Länderspielergebnisse.

Die zwei Stunden bis 21 Uhr gehen wie im Fluge vorbei und es ist Zeit für das letzte Lied: “ Ich steh mit Ruth gut “

Als Igor danach auf dem Akkordeon “ Auf wiedersehn “ spielt, fühle ich mich romantisch beseelt und will ein Viertele schlotzen – dabei mag ich gar keinen Wein !

Was nun folgt, ist eine Zugabe, welche ich nur als gigantisch beschreiben kann.

Eine Frau betritt des Saal.

Mirree – ein Mannweib.

Die stimmt “ Santa Maria “ an.

Also ganz ehrlich – bei dem Anblick wünsche ich mit eher Santa Mariacron.

Ich behaute jetzt einfach mal: Von der Lippensynchronität mit der das Lied vorgetragen wird, kann sich mancher Schlagersänger eine dicke fette Scheibe abschneiden. Perfekt.

Sogar als das Playbackband mal schneller und mal langsamer wird, sieht es aus wie live gesungen.

Dazu die Gesichtsausdrücke, die Bewegungen…ganz großes Kino.

Für mich das absolute Highlight, eines sowieso schon guten Abends.

Danach ist der Abend um 21:30 Uhr dann aber endgültig vorbei.

 

Mein Fazit:

 

Das Essen war hervorragend und Bernd Gnann ist eine Naturgewalt.

Er schaffte es immer wieder das Publikum mit in sein Programm einzubinden und zog die Menschen vom ersten Moment an in seinen Bann.

Das Programm war abwechslungsreich und bestach durch eine hohe Gagdichte.

Ich glaube an diesem Abend ist kein Zuschauer enttäuscht nach Hause gegangen, sondern hat ein Programm bekommen, dass einen auf einer Welle der Harmonie entlassen hat.

Also ich war danach mit mir und der Welt im Reinen und habe mich blendend unterhalten gefühlt.

Der schön gestaltete Schankraum und das Nebenzimmer mit den netten Sofas, haben dazu beigetragen, dass ich mich irgendwann wie zu Hause im Wohnzimmer gefühlt habe.

 

Wenn Sie also einen gemütlichen und lustigen Abend bei gutem Essen verbringen wollen, kann ich ihnen die Made mit Speck wärmstes ans Herz legen.

 

Wer Bernd Gnann gerne einmal selbst erleben möchte, kann auf seiner Homepage nach aktuellen Terminen schauen: http://www.berndgnann.de/