17, blond und scharf wie Rettich

 

22.10.2015

Heute besuche ich zum ersten Mal das Marotte Figurentheater in Karlsruhe.

Für diese Premiere, habe ich mir ein Stück herausgesucht, dessen Titel zu schönsten Hoffnungen nach hartem Sex, blutjunger Mädchen anregt.

Wer meine Texte kennt, weiß natürlich, dass ich normalerweise ein Ausbund an Tugend, Keuschheit und Moral bin, der niemals auch nur einen Gedanken an Sex verschwenden würde. Aber man opfert sich eben für die Kultur. *hust*

Ok – ich will ehrlich sein. ich habe den Titel gelesen und gewusst: Da muss ich rein !

Ich hatte keine Ahnung was mich erwarten würde.

Es ist 19:40 Uhr, als sich die Türen des Marotte Figurentheater in Karlsruhe öffnen und mir Einlass gewähren.

Ein Blick in den Raum und ich bin verliebt.

Die Wände sind sehr schön bemalt und die Sitze in ihrem dunklen Weinrot wirken einladend.

An der Decke hängt ein Ventilator und neben dem Eingang ist ein kleiner Ausschank an dem es etwas zu knabbern und zu trinken gibt.

Unmittelbar vor der Bühne, stehen zwei Bistrotische mit ein paar Stühlen.

Das Einzige, was irgendwie nicht so ganz ins Bild passt, sind die deutschen Schlager der siebziger Jahre, welche mir aus den Boxen links und rechts neben der Bühne entgegenschallen.

20 Uhr.

Aus den Boxen singt es:“ Du kannst nicht immer 17 sein…“, dann hebt sich der Vorhang.

Ich denke mir: “ Huch – was ist das denn ? “

Auf der Bühne steht ein Kasperletheater, welcher zwar sehr kunstvoll bemalt ist, jedoch irgendwie zu klein für die Bühne zu sein scheint.

Die beiden Puppenspieler Charsten Dittrich und Thomas Hänsel betreten die Bühne und begrüßen das Publikum.

Dann verschwinden sie im Kasperletheater.

Ich informiere mich ja meistens mit Absicht nicht mehr als nötig über die Stücke, welche ich besuche um das Ganze möglichst neutral und unvoreingenommen zu erleben.

Daher habe ich irgendwie Marionetten erwartet.

Umso gespannter bin ich nun, was da kommen wird.

Direkt in der ersten Szene wird klar – das hier ist kein normales Kasperletheater.

Kasper möchte mit Würsten und Dosenbier die Gretel klarmachen um dann…na ja….sie wissen schon…

Lehmann der Polizist kommt an und wird vom Kasper erst einmal lautstark verprügelt.

Als das Krokodil auftritt, wird das Publikum aufgefordert mehr mitzumachen. Das hier ist schließlich Kasperletheater.

Stimmt. Ich merke es bei mir. Ich bin noch zu perpelx von dem was ich da sehe, dass ich vergesse mitzumachen.

Dies ist das erste Kasperletheater seit meiner Kindheit.

Und damals war das alles irgendwie anders.

Seppel fehlt auch.

Ich vermute Kasper hat ihn umgebracht um Gretel für sich zu haben. Aber ich kann es nicht beweisen.

Vom Polizisten wäre da wohl auch keine Hilfe zu erwarten.

Gottfried John betritt die Bühne….Ne Moment…das ist der Teufel ! Er sieht nur aus wie Gottfried John.

Er klagt dem Kasper sein Leid und so langsam wird es klar um was es überhaupt geht.

Der Kasper ist ein Theaterintendant, der seit ewigen Zeiten immer wieder das gleiche Bühnenstück aufführen lässt.

Immer ist alles gleich. Und das geht den Schauspielern auf die Nerven.

Kasper schlägt dem psychisch angeschlagenen Teufel ein Mitarbeitergespräch vor.

Plötzlich klingelt der Bote von UPS an der Tür und bringt dem Kasper ein Paket.

Dessen Inhalt muss natürlich hinter der Bühne auf seine Funktionalität überprüft werden.

Kräftig pusten Kasperle !

Während der Kasper sozusagen an 3 Baustellen gleichzeitig arbeitet, betritt ein neuer Protagonist die Bühne.

Der Psychotherapeut Lutz Ifer.

Als erstes versucht er der Gretel an die Wäsche zu gehen.

Dann beginnt er damit den Schauspielern einzureden, dass sie unbedingt ein Problem bräuchten um keine Außenseiter zu sein.

Nun will jeder ein Problem haben und das Problem soll selbstverständlich größer sein als das der Anderen.

Helga die Hexe, Kroko das Krokodil und Lehmann der Polizist werden also mit Problemen ausgestattet.

Der Kasper ist mittlerweile wieder zurück und sieht sich mit den Problemen seiner Mitarbeiter konfrontiert.

Das geht soweit, dass die Hexe dem Kasper….hm wie soll ich das sagen…nun…also….ich drück es mal so aus: Sie beugt sich über ihren Kessel und gewährt ihm unbekannte und vermutlich auch ungewollte Einblicke.

Danach braucht Kasper erstmal ein Bier und es geht in die Pause.

 

Teil 2 geht so weiter, wie Teil 1 geendet hat.

„Orgasmus bis der Bär brummt“

Gretel beugt sich übers Bett – sie macht also sozusagen einen auf Hexe – und der Kasper fällt sie von hinten an.

Sich in wilder Leidenschaft verzehrend, verliert er jedoch den Überblick und beginnt den Vorhang zu begatten.

Die richtig harten Sexszenen erspare ich ihnen an dieser Stelle.

Werden sich Kasper und der Teufel wieder vertragen ?

Ist der Engel da am Himmel etwa eine Gummipuppe ?

Und wieso kennt der Kasper den Weg zum Glück ?

Um Eine Antwort auf all diese Fragen zu bekommen, müssen sie nur eines tun.

Gehen sie in die Vorstellung !

Es lohnt sich.

Mein Fazit:

Also so ein Kasperletheater habe ich im Leben noch nicht erlebt.

Ganz großes Kino.

Sex, Drugs and Handpuppen.

Ich bin immer noch begeistert, wenn ich daran zurückdenke.

Das ist Kasperletheater für Erwachsene.

Außerdem ist es sehr Nahe an dem, was der Kasper früher einmal gewesen ist.

Im Mittelalter war er ein verfressener Schuft, der hinter Gretels Rock her war.

Eine deftige Sprache war damals beim Kasperletheater normal.

Heutzutage ist es leider weitestgehend entschärft worden und dient meistens nur noch den Kindern zur Unterhaltung.

Ich freue mich, dass das Marotte Figurentheater, diesen alten Kasper aufleben lässt und damit auch Erwachsene wieder für das Kasperletheater begeistern kann.

Am Anfang dachte ich mir noch, dass das kleine Theater auf der Bühne etwas verloren gewirkt hat, aber nach kurzer Zeit schon hat es mich so gefangen genommen, dass es die ganze Bühne eingenommen hat.

Zum Schluss konnten sich die Zuschauer dann noch die Figuren näher ansehen und sich mit den Puppenspielern unterhalten.

Außerdem wurde die untere Verkleidung des Theaters abgenommen, so dass man mehr sehen konnte.

Ich wurde bestens unterhalten und kann jedem Erwachsenen, der auf derben Humor steht nur empfehlen sich dieses Stück einmal anzusehen.

Die Website vom Marotte Figurentheater könnt ihr hier finden: http://www.marotte-figurentheater.de/